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Freizeitbetriebe

Freizeitbranche wartet dringend auf Bewegung

der Freizeitwirtschaft arbeiten. Durch den Wegfall des internationalen Publikums an den touristischen Hotspots (wie hier Schönbrunn) sind zum Beispiel viele Fremdenführer unter Druck
Schwierige Zeiten für viele, die im Tourismus und der Freizeitwirtschaft arbeiten. Durch den Wegfall des internationalen Publikums an den touristischen Hotspots (wie hier Schönbrunn) sind zum Beispiel viele Fremdenführer unter Druck geraten.Clemens Fabry
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Keine Stadtführungen, keine Tanzturniere, keine Indoor-Fitness. Viele Bereiche im Tourismus sind durch Corona komplett lahmgelegt. Im Sommer profitierten zumindest Campingplätze und Sportstätten im Freien.

Die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch die Coronapandemie sind im Tourismus besonders massiv. Sie erfassen nicht nur Reiseveranstalter und Reisebüros, Verkehrsbetriebe, Hotellerie und Gastronomie. Unter der Coronapandemie leiden auch viele Bereiche der Freizeitwirtschaft – vom Guiding bis zur Bootsvermietung, vom Campingplatzbetrieb bis zur Tanzschule, vom Reitstall bis zum Messeveranstalter. Meist sind dies Betriebe mit wenigen Mitarbeitern, aber noch viel öfter Einzelunternehmen, die der Verdienstentgang besonders hart trifft.


Drastisch zeigte sich dies etwa für die Branche der Fremdenführer vor allen in Österreichs Städtehotspots. Diese leben speziell von einem sehr internationalen Publikum. So arbeiten mehr als die Hälfte der Austrian Guides in Wien vor allem mit Gästen aus Asien, Russland und Amerika. Viele von ihnen bieten ihre Touren als Native Speaker nur in ihrer Muttersprache an. Das macht ihre Lage derzeit doppelt schwierig.

Schwere Planbarkeit für kleine Betriebe

Erschwerend hinzu kommen die sich immer wieder ändernden Einschränkungen und Auflagen in Zeiten der Pandemie. Etwa eine Kleinstgruppe, wie zuletzt erlaubt, macht mehr als die erlaubten zwei Haushalte aus, denn schon der Guide zähle als ein Haushalt, erläutert Astrid Legner, Fachverbandsobfrau der Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer Österreich, eines der logistischen Probleme zwischen den Lockdowns.

„Ohne die Freizeit- und Sportbetriebe gibt es keinen Tourismus und umgekehrt.“

Astrid Legner


Das Zeitfenster im vergangenen Sommer konnten Guides in Österreichs klassischen Ferienzielen aber nutzen: Durchaus mehr einheimische Urlauber interessierten sich für die Kulturvermittlung durch Experten. Auch wenn der Österreich-Gast seine Heimat gut zu kennen meint, gebe es für ihn immer noch viel zu entdecken. „Die Führungen in der Kirche von Maria Wörth gingen sehr gut“, nennt Legner ein Beispiel aus der Kärntner Sommersaison. Vom Picknick im Schlosspark bis zur kulinarischen Marktführung war der Erfindungsreichtum der Gui-des groß. Viele sahen sich gefordert, vor allem im Freien neue Programme auf die Beine zu stellen.

Neue Ideen und Revivals

Dass das Digitale ein echter Ersatz für die unmittelbare Vermittlung von Kultur ist, bezweifelt Legner. „Zudem sind viele Guides sehr im Analogen verhaftet“, schildert die staatlich geprüfte Fremdenführerin einen Beruf, der bis ins hohe Alter ausgeübt wird und vor allem von langer Expertise und Erfahrung lebt. Wobei es durchaus spannende Beispiele gebe, digital, etwa mit Videoclips, Kulturgüter oder Brauchtum erfrischend zu vermitteln. Doch das kompensiere das Erlebnis vor Ort nicht.
In den Bereich der „Freizeit- und Sportbetriebe“ der WKO fallen unterschiedlichste Berufsgruppen, die auf ersten Blick nicht zusammengehörig scheinen, wie Legner schildert. Zu diesen Branchen gehören etwa Fitnessbetriebe, Eventveranstalter, aber auch Solarien oder Weddingplanner, die durch die aktuelle Lage massiv unter Druck geraten sind. „Unsere rund 20.000 Betriebe aus 34 Berufsgruppen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft und des gesamten Standorts“, betont Legner. „Ohne die Freizeit- und Sportbetriebe gibt es keinen Tourismus und umgekehrt.“
Was die Campingplätze oder Freizeitgelände anbelangt, zeigte sich im Vorjahr ein neuer Trend: „Die Campingplätze haben einen Hype sondergleichen erfahren. Hier gab es einen Boom wie seit 40 oder 50 Jahren nicht mehr“, resümiert Legner, „vor allem an den Seen, mitunter auch im Hinterland.“

Zulauf bei Outdoor-Aktivitäten

Wie überhaupt dieser eingeschränkte Urlaubssommer 2020 eine Saison der Wiederentdeckungen war – von denen man hofft, dass sie auch in einem Sommer 2021 ihre Gäste haben werden. „Viele Outdoor-Aktivitäten sind ganz gut gelaufen. Die Tennisplätze haben tollen Zuspruch erfahren“, meint Legner. Ganz ungeachtet vom Thiem-Effekt. Und sie berichtet auch von einer neuen Squashhalle – der Trendsport von einst scheint Anhänger zu haben. Auch in Waldseilparks und auf ausgewiesenen Mountainbikearealen wurde es vor dem neuerlichen Lockdown durchaus dicht. Und wer zum Beispiel als Betreiber eines Minigolfplatzes viele Jahre auf einen Gästeschwung wartete, erfreute sich im vergangenen Sommer gesteigerten Zuspruchs. Durchaus ein Retro-Aspekt, der in Zeiten der wiederentdeckten Sommerfrische in den folgenden Jahren eine Rolle spielen könnte.