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USA

Komplott für Geiselnahme am Kapitol

Szenen für die Geschichtsbücher über die Endphase der Trump-Präsidentschaft: Kongressmitarbeiter verbarrikadieren sich vor den Eindringlingen.
Szenen für die Geschichtsbücher über die Endphase der Trump-Präsidentschaft: Kongressmitarbeiter verbarrikadieren sich vor den Eindringlingen.APA/AFP
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Ein Ex-Luftwaffenoffizier führte Entführung und Ermordung von Abgeordneten im Schild. Im Mob waren Dutzende Terrorverdächtige. FBI warnt rund um Angelobung Bidens vor Gewaltakten.

Wien/Washington. Die vermeintlichen Patrioten und Trump-Anhänger kamen mit Fahnen und radikalen Parolen aus allen Teilen des Landes. Viele trugen eine Tarnuniform, manche führten Waffen mit sich und hatten ein Arsenal draußen deponiert – und ein ehemaliger Feuerwehrmann warf mit einem Feuerlöscher. Einer trat in einem Sweater mit der Aufschrift „Camp Auschwitz“ auf und Klete Keller, der frühere Schwimm-Olympiasieger, in der offiziellen Jacke des US-Teams.

Einige hatten beim Sturm auf das Kapitol in Washington nichts weniger als ein Komplott und einen Umsturz im Sinn, und ein pensionierter Offizier der Luftwaffe aus Texas führte eine Geiselnahme bis hin zu einer Ermordung von Abgeordneten im Schild. Einer der Protagonisten, der sogenannte Mann mit den Bisonhörnern, hatte auf dem Platz des Senatsvorsitzenden – des Vizepräsidenten Mike Pence – eine Notiz hinterlassen. Sie war als Drohung zu verstehen: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Gerechtigkeit kommt.“

Jacob Chansley alias Jake Angeli, selbst ernannter Schamane und Anhänger des QAnon-Verschwörungskults, gab sich bei der Einvernahme als „Alien“ und „höheres Wesen“ aus. Die Ermittler stellen indessen den Befund „geisteskrank“ und „drogenabhängig“ aus. Auch bei anderen, darunter Ex-Soldaten, konstatierten sie häufig psychische Probleme. Den radikalen Trump-Fans drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.
Nach der Festnahme von mehr als hundert Teilnehmern des Mobs, den ersten Aussagen und Anklagen und der Sichtung eines Teils der mehr als 120.000 Fotos und Videoclips zeigt sich nun ein klareres Bild des Aufruhrs am 6. Jänner im Kongress. Unter den Hunderten, die ins Parlament eingedrungen waren, waren laut FBI Dutzende Rechtsextremisten und Rassisten, die auf der offiziellen Terror-Warnliste und somit unter Beobachtung stehen. Dies belegt das Versagen der Sicherheitskräfte, obwohl im Vorfeld in Onlineforen martialische Parolen und Pläne kursierten. „Seid bereit für einen Krieg“, lautete einer der Slogans.

Die Terror-Watchlist, die in den Nachwehen der 9/11-Anschläge eingerichtet worden ist, umfasst indes Hunderttausende Verdächtige. Vor dem 6. Jänner haben FBI-Agenten zahlreiche Extremisten vor einer Teilnahme an den Protesten explizit gewarnt.