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Alle wollen einen Wohnsitz im Winter-Wunderland

Ferienimmobilien. Makler und Entwickler werden von Anfragen geradezu überrannt.

Sie sind die unfreiwilligen stillen Stars des Jahres: Wohl noch nie hat ein Jänner in den Wintersportorten so ruhig begonnen. Mindestens noch eine weitere Woche bleiben Hotellerie und Gastronomie geschlossen, wann die internationalen Gäste wieder anreisen können, steht noch nicht fest. Was den Tourismus massiv betrifft, ficht die Immobilienbranche im dortigen Premiumsegment dagegen nicht an, im Gegenteil.

Hier stehen die Makler eher vor dem Problem, dass die Entwickler gar nicht so schnell bauen, wie sie verkaufen könnten. Und die immer strenger ausgelegten Widmungsregeln machen es auch nicht leichter. Eine Situation, die beispielsweise im Gasteinertal den Markt dominiert. „Wir haben eine gute Nachfrage, aber wenig Angebot“, bringt es Gerhard Lafenthaler vom gleichnamigen Immobilienunternehmen in Bad Hofgastein auf den Punkt. Denn in Sachen Freizeitwidmung sei man bei der Einhaltung der Gesetze vorbildlich“, erklärt der Makler. Die Preise sind nach seinen Angaben aber trotz dieses Verkäufermarkts im Verhältnis zu anderen Skiorten noch recht moderat: Für Neubauten im Premiumsegment müsse man um die 5000 Euro pro Quadratmeter rechnen, die Grundstückspreise liegen bei 450 Euro – Tendenz steigend, das aber langsam. „Wir haben über die letzten 25 Jahre kontinuierliche Steigerungen gehabt, auch durch Krisenjahre wie 2007 hindurch“, berichtet er. Mit etlichen neuen Hotelprojekten in Bad Gastein, die laut Lafenthaler nun tatsächlich bald umgesetzt werden dürften, könne man damit rechnen, dass dieser Trend weiter anhalten werde.


Neue Modelle, viele Anfragen

Auch in Zell am See verzeichnet die Branche eine ungebrochene Nachfrage. Und hat wie andere Regionen auch damit zu kämpfen, dass diese weit größer ist als das Angebot. „Bei Eigentums-Objekten mit Freizeitwidmung wird es immer schwieriger“, räumt Kevin Ferstl, Inhaber von Ferstl Immobilien, ein. „Denn die Einheimischen und Gemeinden wollen natürlich Geisterhäuser vermeiden.“ Eine Lösung, auf die am Zeller See, aber auch im Pongau und Pinzgau immer häufiger gesetzt werde, seien die sogenannten Buy-to-let-Immobilien: Apartmenthäuser mit touristischer Widmung, in denen die Inhaber der Einheiten ihre Wohnungen während des Großteils des Jahres vermieten. „Von diesem Modell profitieren eigentlich alle Parteien“, ist Ferstl überzeugt. „Die Investoren genauso wie die Gastronomie, die Skigebiete und die regionale Wirtschaft“, so der Makler.

Mit entsprechenden Projekten befriedigen die Entwickler den Bedarf, der sich von den Reisebeschränkungen unbeeindruckt zeigt. „Wir haben eine deutliche Steigerung an Anfragen im Vergleich zu vor Corona“, berichtet Ferstl. Gerade die deutschen und holländischen Kunden, die in der Region traditionell stark vertreten sind, würden nur darauf warten, endlich wieder zu Besichtigungen anreisen zu können. Der Preis für den luxuriösen Neubauquadratmeter bewegt sich zwischen 5000 und 8000 Euro. „Bei echten Liebhaberstücken werden aber auch 10.000 verlangt“, weiß Ferstl. Bei den Grundstückspreisen sei in den Premiumlagen unter 1000 bis 1500 Euro pro Quadratmeter kaum mehr etwas zu bekommen.

In Kitzbühel ist der Andrang durch Corona ebenfalls nicht geringer geworden: Der Immobilienmarkt habe sich 2020 positiv entwickelt, berichtet Florian Hofer, geschäftsführender Gesellschafter von Engel & Völkers Alpenregion Tirol & Salzburger Land. Für Premium-Eigentumswohnungen verzeichnete man in Einserlagen Spitzenquadratmeterpreise von bis zu 25.000 Euro, durchschnittlich lag der Quadratmeterpreis bei rund 16.000 Euro. Für Chalets und Landhausvillen wurden Höchstpreise von bis zu 30 Millionen Euro erzielt.

Bei den Grundstückspreisen müssen laut Hofer in Lagen wie dem Sonnberg derzeit rund 5000 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden. „Unsere Käufer sind vermehrt auf der Suche nach luxuriösen Chalets und Landhäusern“, berichtet er. Die Nachfrage steht aber auch in Kitzbühel einem widmungsbedingt sehr begrenzten Angebot gegenüber, weshalb künftige Immobilienbesitzer einen anderen Weg gehen: „Wir registrieren, dass Kunden vermehrt ihren Erstwohnsitz hierher verlegen“, berichtet Hofer. Eine Tendenz, die Gerhard Lafenthaler in Bad Hofgastein ebenfalls beobachtet, wo vermehrt Käufer aus Wien einen Hauptwohnsitz begründen. (SMA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2021)