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Architektur & Design

Schweres Holz mit leichter Hülle

Was ist das beste Baumaterial für eine Universität für Bodenkultur? Ziegel und Stahl hat man schon probiert, jetzt ist Holz am Zug. Und das ist gelungen – wie das Ilse-Wallentin-Haus in Wien-Döbling beweist.

Die Wiener Universität für Bodenkultur hat ihren Sitz im 19. Bezirk in unmittelbarer Nachbarschaft des Türkenschanzparks. Ihre Gebäude stammen zum Großteil aus dem späten 19. Jahrhundert und sind typische Beispiele für die Architektur des Historismus. Könnte man sie wie Spielsteine von ihrem Standort lösen, ließen sie sich zu einem beeindruckenden Universitätscampus arrangieren. Im Wiener Stadtgrundriss der Gründerzeit ist eine solche Anordnung aber nicht vorgesehen, und so stehen die beiden Hauptgebäude, das Gregor-Mendel- und das Wilhelm-Exner-Haus, in beträchtlicher Distanz voneinander wie kleine Paläste auf ihren Parzellen, ohne miteinander in Dialog zu treten. Weitere Universitätsbauten mischen sich dezent unter die Stadtvillen der Umgebung.


Bis heute prägen diese Paläste das Image der Universität, auch wenn es bereits mit dem von Anton Schweighofer 1967 entworfenen und 1972 fertiggestellten Erweiterungsbau des Wilhelm-Exner-Hauses ein bedeutendes Signal für eine Erneuerung gab. Dieser Bau war zwar von der Straße aus unsichtbar, verstand sich aber als erstes Element eines weit in die Umgebung reichenden Netzwerks von Erweiterungen. Im Material für Konstruktion und Fassade suchte man den maximalen Kontrast zum Bestand: Stahl, allerdings in einer speziellen Legierung, die zwar oberflächlich rostet, sich dann aber selbst durch diese erste Schicht vor weiterer Korrosion schützt. Das bekannteste derartige Produkt wurde unter dem Namen Cortenstahl vermarktet. Architekten waren fasziniert von der Ästhetik dieses „alternden“ Materials, das nie wieder einen Anstrich zu benötigen versprach. Eines der ersten mit Cortenstahl ausgeführten Projekte war die Freie Universität Berlin, eine Neugründung der 1960er-Jahre, entworfen von den Architekten Candilis, Josic und Woods, die zu den Erfindern des „Strukturalismus“ in der Architektur gehörten.