Im Regal mit den relevanten Büchern: „Einsam mit Katze“
Zeichen der Zeit

Einsam mit Katze

Expedition Europa: Pizza mit Feigenmarmelade und Birne – ich lerne jetzt Schwedisch.

Letzten Freitag spazierte ich durch eine schwedische Kleinstadt – aufregender kann eine Geschichte nicht beginnen. Ich kam, weil unwahr ist, was wir schon seit Mai lesen – dass nun auch Schweden von seinem Sonderweg abgehen würde. Wahr ist, dass Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln erst seit vergangenem Donnerstag von 7 bis 9 und von 16 bis 18 Uhr „empfohlen“ werden, und selbst wenn sie wollte, könnte die Regierung auch mit dem seit Sonntag geltenden Pandemiegesetz keine Ausgangssperre anordnen. Die Schweden haben bis heute keinen Lockdown erlebt. Der Preis ist hoch, dieses Festhalten an Freiheit nötigt mir aber auch Bewunderung ab. Jetzt lerne ich Schwedisch. Ich beginne mit dem Wörterbuch das Standardwerk zu entziffern, das die Ausnahmekultur zwischen Domina-Staat und absolutem Individualismus entschlüsselt: „Är svensken människa?“ – „Ist der Schwede ein Mensch?“


Die Kleinstadt, durch die ich vergangenen Freitag spazierte, heißt Nyköping. Seit dem Gastmahl im Jahre 1317, auf dem sich König Birger Magnusson seiner Brüder entledigte, hat Nyköping kein Aufsehen mehr erregt. Läden und Lokale waren mit Appellen beklebt, „kein Anstehen“. Die Friseure waren schlecht, die Nagelstudios gut besucht, in Letzteren bedienten sanfte asiatische Jünglinge. Obwohl das Wochenende begann, war die Fußgängerzone still.


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