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Der lang gezogene Lockdown

Die Regierung holt sich für ihre Pläne Rückhalt aus den Ländern und der Wissenschaft.
Die Regierung holt sich für ihre Pläne Rückhalt aus den Ländern und der Wissenschaft.APA/GEORG HOCHMUTH
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Frühestens in drei Wochen wird (langsam) geöffnet. Die Regierung holt sich für ihre Pläne Rückhalt aus den Ländern und der Wissenschaft. Und sie betont: „Wir haben es alle satt.“

Wien. Wäre diese Warnung im vergangenen Jahr nicht allzu sehr abgenutzt worden, man könnte sie jetzt völlig unironisch verwenden: Die kommenden Wochen werden entscheidend, und sie sind auch besonders heikel. Den Ernst der Lage zeigte auch die Auswahl der Männer, die am Sonntagvormittag im Bundeskanzleramt standen: Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) traten mit Vertretern der Länder (Hermann Schützenhöfer aus der Steiermark, Michael Ludwig aus Wien) sowie aus der Wissenschaft (Oswald Wagner von der Med-Uni Wien) auf. Dies sollte wohl die Akzeptanz für die Maßnahmen erhöhen. Und die Last der Verantwortung auf viele Schultern verteilen.

Das wird auch nötig sein. Der Lockdown wird nicht deutlich härter, aber auf jeden Fall länger. Viel länger. Frühestens ab 8. Februar wird es Lockerungen geben. Es soll mehr Abstand und eine FFP2-Maskenpflicht geben. „Die Ergebnisse unserer Beratungen sind alles andere als populär“, sagte Kurz. „Wir haben es selbst schon alle mittlerweile satt.“

Die Lage

Die Virusmutante B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen worden ist, ist auch in Österreich angekommen. Und: „Sie hat eine 50 Prozent höhere Infektiosität“, sagt Experte Wagner. „Wenn dieses Virus der dominierende Stamm wird, haben wir innerhalb von vier Wochen nicht zwei Mal, sondern mindestens fünf Mal so viele Krankheits- und Todesfälle.“ Selbst zwischen ÖVP und Grünen sei die Entscheidung ohne größere Diskussionen gefallen, heißt es. Warum vor wenigen Tagen aber doch noch laut über Lockerungen nachgedacht wurde? Man habe auf zusätzliche Informationen, internationale Gesprächspartner und auch eine breite Unterstützung in Österreich gewartet.

Der Ausblick

Es gibt einen Hoffnungsschimmer, auch wenn er noch etwas blass ist. Das „Licht am Ende des Tunnels“ gibt es laut Kurz nach wie vor. Wenn der Impfstoff von AstraZeneca bald zugelassen wird, könnte man laut Kurz wahrscheinlich alle Bürger über 65 bis Ende März impfen (wenn sie denn wollen). Falls sich die Zulassung verzögere, wäre es spätestens wohl Anfang Mai so weit. Diese Durchimpfungsrate würde zu einer deutlichen Entspannung der Lage führen.

Die Verlängerung

Zum ersten Mal nennt die Regierung (nach den Experten) auch eine konkrete Zahl, an der sie Öffnungsschritte orientieren möchte: Angestrebt wird eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (derzeit 146), also knapp 700 Neuinfektionen pro Tag. Wobei das kein fixes Ziel ist – man möchte sich dem Wert aber zumindest annähern. Frühestens ab 8. Februar sei das möglich. Bis dahin werden sämtliche Lockdown-Maßnahmen in Österreich verlängert, die seit dem Stephanitag gelten. Das betrifft die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die Schließung von Gastronomie, Hotels, körpernahen Dienstleistern, Handel (außer Geschäften für den täglichen Bedarf) sowie Kulturstätten – und auch die Schultore öffnen nur virtuell.

Die Öffnungen

Die Regierung will wöchentlich die Lage neu beurteilen. Ab dem 8. Februar könnte es jedenfalls – sollte nichts dazwischenkommen – erste Öffnungsschritte geben. Und zwar in der Schule, im Handel, in Museen sowie bei körpernahen Dienstleistern wie Friseuren. Den gesamten Februar werden hingegen Gastronomie- und Tourismusbetriebe sowie Kulturstätten wie Theater und Konzertsäle geschlossen bleiben. Mitte des Monats soll es für diese Bereiche einen Fahrplan geben. Für einige Berufsgruppen wird es dann auch regelmäßige Testungen geben. Die Skipisten bleiben übrigens weiterhin geöffnet.

Die Masken

Zusätzlich wird man überall dort, wo man bisher einen simplen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen musste, eine FFP2-Maske benötigen. Sie bietet einen weitaus höheren Schutz – für Träger und das Umfeld. Ab dem 25. Jänner beginnt diese Maskenpflicht unter anderem im Handel, in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch bei der Post und in Apotheken. Anschober kündigte an, dass die FFP2-Masken „zum Selbstkostenpreis“ im Supermarkt erhältlich sein werden. Der genaue Preis stehe noch nicht fest, er solle aber „wirklich gering“ sein. Und: „Für alle, die in einer schwierigen sozialen Lage sind, werden sie gratis zur Verfügung gestellt.“ Details dazu werde es am Mittwoch geben.

Der Abstand

Nach einem Jahr ist auch der Baby-Elefant gewachsen: Weil das Virus durch die Mutation ansteckender ist, wird der Mindestabstand erhöht. Statt eines sollen nun mindestens zwei Meter Abstand zu haushaltsfremden Personen gehalten werden.

[R443Y]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2021)