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Morgenglosse

Lockerungen? Nein, jetzt kommt der Giga-Lockdown

Wie zuletzt medial zu lesen war, steht ja diesmal ein Mega-Lockdown an.
Wie zuletzt medial zu lesen war, steht ja diesmal ein Mega-Lockdown an.APA/BARBARA GINDL
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Wenn Mutanten mit dem Vakzin das Spike-Protein vom Virus ballern, ist das ein echter Gamechanger.

Die Coronapandemie an sich ist ja eine einzige, wenn auch sehr lange, entscheidende Phase. Kein Wunder, dass uns da manchmal die Worte fehlen und es neue Begriffe braucht, um das zu beschreiben, was wir gerade erleben. Sie wissen schon, bevor Vakzin im Sprachgebrauch so selbstverständlich verwendet wurde wie das „Guten Morgen“ am Frühstückstisch, war man noch über Jahrzehnte mit der simplen Impfung durchgekommen. Mutanten kannte man vor allem aus schlechten asiatischen Horrorfilmen – oder, die Jüngeren erinnern sich nicht mehr, in Zusammenhang mit Buben im Stimmbruch. Und wenn schon Singular, sagte man Mutant – im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist ja heute eher die Mutante in Gebrauch.

Der jüngste Neologismus, der das Spiel komplett geändert hat, ist gleichzeitig auch ein Anglizismus – auf einmal war der Gamechanger da, meist in Form einer Impfung (oder eines Vakzins?). Und zugegeben, das deutsche Pendant Paradigmenwechsel klingt vor allem in der politischen Kommunikation ein bisschen zu verkopft. Dann doch lieber die Assoziation mit der Playstation wecken, auf der man mit aufgezogenen Spritzen den Coronaviren ihre Spike-Proteine von der Oberfläche ballert. Damit ließe sich auch ein weiterer Lockdown verhindern – und wie zuletzt medial zu lesen war, steht ja diesmal ein Mega-Lockdown an. Um bei dieser Analogie zu bleiben, müsste die nächste Eskalationsstufe dann wohl der Giga-Lockdown sein, gefolgt von Tera-, Peta-, Exa- und Zetta-Lockdown. Beim Yotta-Lockdown reicht es dann aber wirklich. Dieser Logik folgend, müssen die vorherigen übrigens der Kilo-, der Hekto- und der Deka-Lockdown gewesen sein.

Dann hoffen wir, dass der Gamechanger dafür sorgt, dass es bald nur noch einen Milli- oder gar einen Mikro-Lockdown braucht. Also: Tempora mutantur!

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2021)