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Gastkommentar

Coop Himmelb(l)au und die Kunst der (Selbst-)Täuschung

Das weltberühmte österreichische Architektenbüro baut ein modernes Opernhaus in Sewastopol auf der Krim. Die Ukraine wird dazu nicht schweigen.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Am 3. März 2014 ging ein Mann auf eine Protestdemo gegen die Krim-Annexion in Simferopol. Sein Name war Reschat Ametow. Er war ein Krim-Tatar, ein 39-jähriger Vater von drei Kleinkindern. Einige Minuten stand er da, vor dem besetzten Gebäude der Krim-Regierung, bevor eine Gruppe der Männer in Grün ihn festnahm. Zwölf Tage später fand man seinen gefolterten Körper am Rande einer Straße. Todesursache: ein Messerstoß (anderen Berichten zufolge, ein Schuss) ins Auge.

Fast sieben Jahre sind seither vergangen. Dutzende Aktivisten wurden entweder getötet oder verhaftet. Tausende mussten die besetzte Halbinsel verlassen. Nun versucht Putin so zu tun als ob die Krim-Okkupation nicht die erste Annexion in Europa seit Hitler wäre und als ob sie nicht zu einem Krieg geführt hätte, der im Osten der Ukraine immer noch brennt. Das ist der Plan jedes Besatzers: zuerst Okkupation, dann Legitimierung.

Große Namen erwünscht

Um die Annexion zu legitimieren, braucht Russland große Namen, die Menschen denen das zertrampelte Völkerrecht wurscht ist. Große Politiker, die auf besetzte Gebiete reisen. Große Sänger die dort singen. Große Firmen, die dort Geschäfte machen. Russland ist bereit, für den Anstand Europas großzügig zu bezahlen. Ohne großen Erfolg bis jetzt. Sehr wenige waren bislang bereit, diesen mephistophelischen „Deal“ einzugehen. Dann kam aber Wolf Prix und sein weltberühmtes Architektenbüro „Coop Himmelb(l)au“ auf die Bühne.

Die Gerüchte kursierten seit langem. Dennoch einige Jahre leugnete Wolf Prix erfolgreich seine Teilnahme am putin´schen Flagship-Projekt, dem Bau eines modernen Operntheaters in Sewastopol. Erst als seine Partner in der russischen Regierung ihn ohne jegliche Gewissensbisse geoutet hatten, da gab es kein Zurück mehr. Jetzt sagt er, es geht ihm ausschließlich um „Kunst“. Meint er etwa die Kunst der (Selbst)Täuschung?

Das große Geld

Nein, dies ist kein Kunstprojekt. Es geht hier um zwei Sachen: Vertuschung eines Landraubs und um großes Geld. Herr Prix entschied, dass es Okay ist, den guten Ruf seines Büros mit großer Gewinnmarge zu verscherbeln. Letztendlich, ist Putin nicht der erste und nicht der letzte Diktator der Welt, der die guten Architekten braucht. Ganz gewiss brauchen Maduro in Venezuela und Assad in Syrien auch Opernhäuser, damit man die Schreie der gefolterten Menschen weniger hört.

Sollte Putin dieses Projekt mit Hilfe des Architekten Prix zu Ende führen, wird dies kein Opernhaus sein, sondern ein riesiges Grabmal für professionellen und künstlerischen Anstand. Und nein, die Ukraine wird zu dieser Frage nicht schweigen.

Dr. Olexander Scherba steht seit 1995 im diplomatischen Dienst der Ukraine und ist seit November 2014 Botschafter seines Landes in Österreich.