Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Impfung

Feldkircher Bürgermeister bittet um Entschuldigung

19.01.2021 xkhx , Kassel, Groszsporthalle am Auepark Coronavirus SARS-CoV-2, Impfstrategie, Impfung Eroeffnung Impfzentrum
Bürgermeister vieler Gemeinden sind bereits zum Zug gekommen.imago images/Hartenfelser
  • Drucken

Wolfgang Matt würde heute anders handeln, sagt er in einer Aussendung. Er ist nicht der einzige reuige Bürgermeister. In Bad Gastein ließ sich der 59-jährige Bürgermeister am Donnerstag impfen.

Nach seiner bekannt gewordenen Corona-Impfung und seinem viel diskutierten "ZiB2"-Auftritt hat sich der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP, 65) am Donnerstag entschuldigt. "Im Nachhinein betrachtet, war mein Handeln unüberlegt und ich würde heute in derselben Situation anders handeln", so Matt in einer Aussendung. Er bitte daher all jene, die den Eindruck gewonnen hätten, er habe sich vordrängen oder jemandem eine Impfdosis vorenthalten wollen, um Verzeihung.

In seiner ersten Stellungnahme am 19. Jänner, in der er versucht habe, seine Sicht der Dinge auf sachlicher Ebene einzubringen, habe etwas Entscheidendes gefehlt, das sich viele "von mir erwartet haben oder erwarten", nämlich "Ein Wort des Bedauerns und der Entschuldigung". Es sei zu keinem Zeitpunkt seine Absicht gewesen, seine Position als Bürgermeister auszunutzen. "Vielmehr war mir die Tragweite meiner Entscheidung, die übrig gebliebene Impfdosis anzunehmen, in diesem Moment schlicht und ergreifend nicht bewusst", so Matt. Er werde sich bemühen, "die Rechtfertigung des in mich gesetzten Vertrauens der Feldkircherinnen und Feldkircher im Mittelpunkt meines Handelns zu behalten."

Auch sechs oberösterreichische SPÖ-Kommunalpolitiker, die sich bereits gegen Corona impfen haben lassen, haben sich am Donnerstag schriftlich entschuldigt. Zuvor hatte es nicht nur von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) heftige Kritik bis hin zu Rücktrittsempfehlungen gegeben. Auch SPÖ-Bundesvorsitzende Pamela Rendi-Wagner hatte allen außerhalb der Reihung zum Zug gekommenen ausgerichtet, dass das Impfprogramm "kein Selbstbedienungsladen" sei.

Der Bürgermeister von Eberschwang, Josef Bleckenwegner, sowie sein Vize Martin Bögl, der Ennser Stadtchef Stefan Karlinger, der Bürgermeister von Bad Goisern, Leopold Schilcher, jener von St. Georgen an der Gusen, Erich Wahl, sowie - bisher noch nicht als vorzeitig Immunisierter bekannt - das Gemeindeoberhaupt von Lenzing, Rudolf Vogtenhuber, betonten, dass es ihnen "aufrichtig leid" tue.

"Wir alle haben aus unterschiedlichen Gründen, ob als Angehörige, Heimbetreiber, Mitarbeiter oder als regelmäßige Besucher des Pflegeheimes eine Impfung erhalten. Es gibt Dinge, die sind zwar rechtens, aber bei so einem sensiblen Feld wie der gerechten Verteilung des Impfstoffs muss man sehr genau abwägen, wie man damit umgeht. Dass wir die uns angebotenen Impfungen angenommen haben, war unsensibel", heißt es in einem Statement. "Wir werden beim gemeinsamen Engagement gegen diese Pandemie noch mehr Sensibilität an den Tag legen und uns noch stärker für ein gutes Miteinander in den Gemeinden stark machen", so die Bürgermeister.

Bad Gasteiner Ortschef geimpft

Indes wird Liste der geimpften Lokalpolitiker wird trotz der aktuellen Debatte um Impfvordrängler länger. Am Donnerstag hat sich auch der ÖVP-Bürgermeister von Bad Gastein, Gerhard Steinbauer, impfen lassen. "Ich bin von Anfang an in meiner Funktion auf der Prioritätenliste der Gemeinde gestanden", sagte der Ortschef. "Keinesfalls habe ich mich für eine Impfung vorgedrängt." Steinbauer hat auch die Bürger der Gemeinde in einem Schreiben über seine Impfung informiert.

"Das Salzburger Hilfswerk hat als Betreiber des Seniorenheimes bereits vor einigen Wochen eine Impfstrategie entwickelt und eine Prioritätenliste erstellt. Darauf standen neben den Bewohnern und Mitarbeitern auch das Personal vom Betreuten Wohnen, Ärzte und Apotheker und eben auch mein Name", bestätigte der 59-jährige Steinbauer. Er sei als Bürgermeister Vertreter des Rechtsträgers des Seniorenheimes. In dieser Eigenschaft sei es auch seine Aufgabe, regelmäßige Besprechungen mit dem Betreiber zu führen.

Endlich wieder Geburtstagsgratulationen

"Mit der Impfung ist es mir nun auch endlich wieder möglich, unsere Seniorinnen und Senioren zu besuchen. Und zum Beispiel die in den letzten drei Monaten coronabedingt abgesagten Geburtstagsgratulationen wieder aufzunehmen", erklärte er im Schreiben an die Bürger via Facebook. Und weiter: "Es war mir ein Anliegen mit gutem Beispiel voranzugehen und mit diesem - wohlüberlegten - Schritt Impfverweigerer und Impfskeptiker von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Corona-Impfung zu überzeugen."

Insgesamt seien zu den ersten Corona-Impfungen in Bad Gastein heute 163 oder 164 Personen angemeldet gewesen. "Ob alle gekommen sind, weiß ich noch nicht", sagte Steinbauer. Er halte es aber für richtig, dass er heute geimpft wurde. "Nur weil ein paar Menschen glauben, es wäre ein Skandal, habe ich das nicht zurückgezogen. Ich will für mich sicher keine Ausnahme, aber es wäre auch eine Ausnahme gewesen, als einziger wieder von der Prioritätenliste genommen zu werden. So viel Selbstachtung und Achtung vor dem Amt habe ich."

Auch in der oberösterreichischen Gemeinde St. Georgen im Attergau hat sich ÖVP-Bürgermeister Ferdinand Aigner mit einer Restdosis impfen lassen. Wegen einer schweren Darmerkrankung sei er ein "Hochrisikopatient", sowohl sein Hausarzt als auch behandelnde Spitalsätze hätten ihm zu einer Impfung geraten. Als das Angebot von Seniorenheim kam, habe er es angenommen, bsetätigte er einen Bericht der "Krone". Er habe aber weder eine Dosis für sich reservieren lassen noch sich vorgedrängt.

Mitreden beim Impfplan: Ist das fair? Diskutieren Sie mit!

>>> Hier geht's zum Forum

(APA)