Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Serie

"Lupin" auf Netflix: Ein Meisterdieb, der nicht alles ernst nimmt

Omar Sy: Immer fesch, auch in der Putz-Uniform.
Omar Sy: Immer fesch, auch in der Putz-Uniform.(c) Netflix/Emmanuel Guimier
  • Drucken

In der französischen Miniserie „Lupin“ tritt Omar Sy in die Fußstapfen eines legendären Gentleman und Diebes. Warum die Serie jetzt schon ein Erfolg für Netflix ist.

Ja, man mag sie, diese Helden, die am Abend gut gekleidet über den roten Teppich spazieren, den sie selbst ausgelegt haben. Die es sich in dem Saal zwischen den oberen Zehntausend bequem machen, nachdem sie dort tagsüber geputzt haben. Die mit einem elegant geplanten, trickreichen Diebstahl ein wertvolles historisches Schmuckstück aus dem Louvre entwenden und dabei brutale Schläger ebenso aufs Glatteis führen wie jene aus der Oberschicht, die glauben, sie stehen weit über dem Recht.

Die Romanfigur Arsène Lupin ist in Frankreich äußerst beliebt: Er ist ein Gentleman und Meisterdieb, seine Abenteuer wurden oft verfilmt, manche sehen ihn gar als literarisches Nationalheiligtum. Mit der neuen Netflix-Serie „Lupin“ hat er (unter vielen Verweisen auf das Original) ein neues, modernes Gesicht bekommen: Der Verwandlungskünstler ist nunmehr Assane Diop, Sohn eines senegalesischen Einwanderers im heutigen Paris.

Dort stiehlt er, charmant gespielt von Omar Sy, ein Diamantencollier (das „Collier de la reine“, es war übrigens tatsächlich Mittelpunkt der Halsbandaffäre 1785, in die auch Marie Antoinette verwickelt war) aus dem Louvre. Eine spektakuläre Sache, sie hat aber auch einen persönlichen Hintergrund: Das Collier war 25 Jahre zuvor der Grund, weshalb Assanes Vater sich im Gefängnis erhängte, der mittellose Sohn auf eine teure Privatschule kam und eine Art Robin-Hood-Mentalität entwickelte. Und natürlich einen gestählten Körper.

Das klingt flott und unterhaltsam. Ist es auch, wenn man sich von mancher Lücke in der Logik ebenso wenig gestört fühlt wie von hölzernen Dialogen. Warum bitte schafft es dieser geniale Denker und Planer nicht, den Geburtstag seines Sohnes im Gedächtnis zu behalten? Warum kann er die Alimente nicht zahlen, ist aber bestens gekleidet und technisch ausgestattet wie ein Tonstudio?

Lupin
Emmanuel Guimier

Da wird die Wandlungsfähigkeit einer Figur zu einer Art doppelter Persönlichkeit erweitert, was ärgerlich ist. Genau wie die unnatürlichen Gespräche, in denen sich Gefängnis-Bibliothekare im Sterben liegend noch erinnern, wer vor 25 Jahren welches Buch ausgeborgt hat und Frauen eigentlich nie verstehen, was wirklich passiert.

Man kann das der Serie übel nehmen, man muss aber nicht; denn sie scheint sich selbst auch nicht immer ganz ernst zu nehmen. Omar Sy, seit „Ziemlich beste Freunde“ einer der populärsten französischen Schauspieler, in jeder zweiten Szene schelmisch lächelnd, ist jedenfalls ein Pluspunkt. Er gibt dem charakterlich doch recht bieder angelegten Draufgänger etwas Geschmeidiges. Und Netflix jubelt bereits und rechnet hoch, dass in vier Wochen 70 Millionen Haushalte die französische Serie geschaut haben werden – das wären mehr als beim Überraschungserfolg „Damengambit“.

Zum Interview mit Omar Sy: „Haben überall zu lang gelitten“