Johann Gudenus, Nummer zwei der Wiener FP-Liste und Straches Statthalter, erwartet nach der Wahl ein Window of Opportunity. Ein Problem im Begriff "Umvolkung" sieht er nicht und fordert weiters ein "Muttergehalt".
„Die Presse“: Sie sind über Anas Schakfehs Forderung nach einer Moschee pro Bundesland sicher froh, sonst wäre die FPÖ in diesem Wahlkampf nicht auf Touren gekommen.
Johann Gudenus: Wir sind die einzigen Herausforderer von Michael Häupl. Wir sind die, die darauf hinweisen, dass Integration in Wien leider großteils gescheitert ist.
Zur Forderung: In Wien gibt es eine Moschee, und die ist offensichtlich für die Wiener FPÖ kein Problem.
Gudenus: Das Problem liegt woanders: Laut Akademie der Wissenschaften werden wir in Wien 2020 in den Pflichtschulen als Mehrheit muslimische Kinder haben. Wollen wir das?
Wie wollen Sie das verhindern?
Gudenus: Es geht nicht darum, eine Glaubensgemeinschaft an den Pranger zu stellen, sondern wir sollten Familienpolitik machen, die Österreicher begünstigt.
Wir haben in Österreich eine der höchsten Familienförderungen Europas. Offensichtlich hilft das nichts.
Gudenus: Dann muss man andere Wege überlegen.
Zum Beispiel?
Gudenus: Zum Beispiel der Ausbau des Kindergelds zu einem Muttergehalt. Weil das Großziehen eines Kindes bei Weitem die Mühseligkeiten eines Berufs übertrifft.
Wie lange sollte das ausbezahlt werden?
Gudenus: Bis zum Schuleintritt des Kindes. Das wäre weit höher als das Karenzgeld und bis zum 18.Lebensjahr zu bezahlen.
Bei Wiener Muslimen sieht man T-Shirts, auf denen steht: „Werd ned narrisch, i bin islamisch.“ Wie finden Sie das?
Gudenus: Es ist das Recht eines jeden, seine Meinung auf T-Shirts kundzutun. Viele sind durch eine extreme Islamisierung besorgt.
Was meinen Sie mit extremer Islamisierung konkret?
Gudenus: Es gibt in Wien das Phänomen der Zwangsehen. Oder auch Ehrenmorde.
Das betrifft nicht die Masse der hier lebenden Türken oder türkisch-stämmigen Neo-Österreicher.
Gudenus: Es sind viele Leute davon betroffen. Es kommt zu viel Fremdes auf die Leute zu, da ist ein gewisses Unbehagen verständlich.
Wo sehen Sie sich innerhalb der FPÖ? Sie werden dem äußeren rechten Rand zugeordnet.
Gudenus: Ich sehe mich in der Mitte, bis gemäßigt.
Sie waren als Redner bei der „Aktionspartei für demokratische Politik“ eingeladen, die der Verfassungsschutz als bedenklich einstuft.
Gudenus: Es ist meine demokratische Pflicht als Abgeordneter mit allen nicht verbotenen Gruppierungen zu reden und sie von der Demokratie zu überzeugen. Ich würde auch vor linken oder linksextremen Gruppierungen reden.
Also auch bei Trotzkisten. Und Sie halten ein Demokratie-Proseminar.
Gudenus: Ich versuche, sie von freiheitlichen Grundsätzen zu überzeugen.
Ist Wien für Sie eine Stadt, die zum deutschen Kulturkreis gehört?
Gudenus: Ich glaube, wir reden grad deutsch hier. Das Wiener Blut bedeutet Vermischung vieler mitteleuropäischer Sprachen, Kulturen.
Auch osteuropäischer, slawischer.
Gudenus: Sag ich ja. Das ist eine Vermischung, wo eine positive Integration stattgefunden hat, wo man sich zu Wien und der deutschen Sprache bekannt hat.
Sie haben, als Sie beim Ring freiheitlicher Jugendlicher waren, dem Islam pauschal die Integrationsfähigkeit abgesprochen. Gilt das also für alle Moslems?
Gudenus: Nicht für alle. Ich kenne einige, die sehr gut integriert sind.
Konkret sagten Sie damals: „Der Islam ist nicht integrierbar, solche Leute haben die Einbürgerung nicht verdient.“ Das klingt nicht so, als ob es Ausnahmen gäbe.
Gudenus: Wir reden vor allem vom türkischen Islam. Da gibt es den Kriminologen Christian Pfeiffer, der sagt, das Problem sind die jungen Türken, weil sie sich nicht integrieren wollen, gewalttätiger sind, mehr zu Kriminalität neigen.
Dann muss man dazusagen, dass die Thesen von Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen nicht unumstritten sind.
Gudenus: Kritik wird es immer geben. Das Bild ist so, wie er das zeichnet.
Im Jahr 2004 haben Sie vor der „voll einsetzenden Umvolkung“ gewarnt. Das DÖW hat das als Nazi-Vokabular eingestuft.
Gudenus: Wer ist das DÖW?
Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands.
Gudenus: Das klingt ein bisschen wie doof. Das ist ein Privatverein. Es gibt über 20.000 Privatvereine.
Um das abzukürzen: Auch wir würden sagen, dass das Wort Umvolkung nicht dem normalen Sprachgebrauch entspricht.
Gudenus: Nennen wir es, wie wir wollen. Es gibt so viele Wörter.
Sie verwenden aber genau eines, das der NS-Zeit zugeordnet wird.
Gudenus: Ich habe mit der Zeit überhaupt nichts am Hut. Wir sind angetreten, die Probleme der Gegenwart anzusprechen.
Würden Sie der ÖVP nach der Wahl ein Koalitionsangebot machen?
Gudenus: Es gibt vielleicht ein Window of Opportunity, die SPÖ vom hohen Ross herunterzuholen. Dass sich Parteien zusammentun, um der SPÖ zu zeigen, dass Wien nicht ihr Eigentum ist.
Sie könnten sich ein Bündnis mit ÖVP und Grünen vorstellen?
Gudenus: Ein Zweckbündnis, wo man sich auf einen gewissen Fahrplan festlegt, wäre sinnvoll. Das Problem ist, dass Christine Marek dazu nicht bereit ist, die hat sich mit Häupl schon ins Bett gelegt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2010)