Die Atomkraft und ihre Nutznießer

Deutschland zog es vor, kein Geld zu vernichten, und lässt seine AKW länger laufen. Recht so.

Deutschlands Atomkraftwerke dürfen also zwölf Jahre länger am Netz bleiben. Da freuen sich aber die Energiekonzerne: Das bringt Milliardengewinne, ohne dass sie einen Cent neu investieren müssen. Auch für Konsumenten, denen es herzlich egal ist, woher der Strom aus ihrer Steckdose kommt, sind das erfreuliche Nachrichten: Sie werden weniger zahlen, als wenn Deutschland schon früher auf erneuerbare Energien umgestiegen wäre.

Die Verlängerung der AKW-Laufzeit ist eine politische Entscheidung, ebenso wie der rot-grüne Ausstieg vor zehn Jahren. Zugrunde liegt die Frage, für wie gefährlich oder notwendig man Atomkraft in Zeiten knapper werdender Energieressourcen hält. Nicht jedes Land findet darauf so leicht eine Antwort wie Österreich, das Atomkraft einfach pfui findet und daraus eine Ersatzreligion mit missionarischen Zügen ableitet. Wobei bemerkenswert ist, dass sich die österreichische Politik anders als bei Temelín oder Krško nicht in die deutsche Debatte eingeschaltet hat. Woran das wohl liegt? Die schwarz-gelbe Regierung hat die Schonfrist für den Atomausstieg bereits in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben. Gedauert hat es so lange, weil man erst die Wahl in Nordrhein-Westfalen abgewartet hat. Solche Rücksichtnahmen bringen selten etwas: Jetzt hat Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr im Bundesrat (en Rot-Grün damals übrigens auch umgangen hat.) Der Fall wird vor dem Bundesverfassungsgericht landen. (Seite 4)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2010)

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