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CORONA: START DER IMPFUNGEN IN DEN WIENER COVID-STATIONEN
Leserstimmen

Zwölf Leser, zwölf Meinungen zur Corona-Impfung in Österreich

Ein Thema dominierte in den vergangenen Tagen und Wochen die Debatten: die Impfung. Für besonders viel Diskussionsstoff bei den Lesern sorgten die „übriggebliebenen“ Impfdosen.

Impfkoordinator kein durchschlagender Erfolg

Mit Verwunderung musste ich lesen, dass ein 46-jähriger Bürgermeister in einem Pflegeheim gegen Covid geimpft wurde, da er die "Senioren regelmäßig besuche". Leider ist das offenbar kein Einzelfall. Um diese Chuzpe wirklich zu begreifen, muss man sich vor Augen führen, dass z. B. im größten Spital Österreichs, dem AKH Wien, derzeit nicht einmal das medizinische Personal vollständig geimpft wurde (gemeint ist nur die erste Teilimpfung!) und in NÖ die Impfung der niedergelassenen Ärzte voraussichtlich erst im Februar beginnen kann. Es ist aber natürlich klar, dass in Österreich gerade für Hochrisikogruppen der Nutzen einer sicheren medizinischen Betreuung in keiner Relation zum Trost durch einen Lokalpolitiker steht.
Das eigens geschaffene hohe Amt des österreichischen "Covid-Impfkoordinators" ist anscheinend nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt, da das Faustrecht und ein gewisser Schwarzmarkt scheinbar doch Einfluss darauf haben, wer wann geimpft wird.
ao. Univ.-Prof. Dr. Peter Birner, MSc, 1180 Wien

Blitzableiter für das eigene Versagen gesucht

Statt sich mit den Ursachen der Fehler in der Verteilung des Impfstoffes zu beschäftigen, werden jene, die die Organisationsmängel auszugleichen versuchen, öffentlich zur Schau gestellt. Bürgermeister, die durch ihre Anwesenheit zeigen, dass sie nicht dumme Impfgegner sind, und sonstige Verantwortliche, die wegen der Untätigkeit der Gesundheitspolitik von Land und Bund während 14 Tagen Weihnachtsferien jetzt Probleme haben, werden vorgeführt, wenn sie "Impfstoffreste" bekommen haben. Dass diese Personen in ihrem Umfeld versuchen, die Impfgegnerschaft zu bekämpfen und das Image der Impfung zu retten, interessiert die für das Schlamassel bei den österreichweiten Impfungen Verantwortlichen nicht. Sie suchen einen Blitzableiter für ihr Versagen. Wir als Ärzte in unseren Praxen kennen die Reihenfolge der gefährdeten Patienten, das wurde aber trotz Ankündigung plötzlich sogenannten Impfzentren aufgehalst, die nur Spielregeln befolgen und deren Anmeldesystem für ältere Personen eine Gemeinheit ist.
Dr. Otto Pjeta, Landarzt und Vertreter der Ärztesenioren, 4652 Steinerkirchen

Die österreichische Politik kann nicht impfen!

Jetzt gibt also eine weitere Verlängerung des Lockdowns in Österreich. Aber wie ist das möglich? Wir haben doch den „Game Changer“ (Begriff auch von Minister Anschober verwendet) Impfung!
Aber oje: Österreich ist von 25 europäischen Staaten an 23 (!) Stelle mit 0,34 verabreichten Impfdosen. Dem steht der Spitzenreiter Dänemark mit 2,23 Impfdosen und Deutschland mit 1,01 Impfdosen (8. Stelle) gegenüber (Agenda Austria). Minister Anschober und die Landesgesundheitsräte (dem „Gamsbart-Föderalismus“ sei Dank) haben offenbar schon wieder massiv versagt, nachdem sie schon im Sommer „geschlafen“ haben.
Das steht im krassen Gegensatz zur viel geschmähten Pharmaindustrie, die ihr Versprechen, bis Beginn 2021 einen nach allen Künsten der Medikamentenzulassung geprüften Impfstoff anbieten zu können, erfüllt hat.
Es zeigt sich also wiederholt, dass die „öffentlichen Hände“ zwar brave Gesetzesproduzenten (wenn auch einige Male verfassungswidrig), Steuer-Einsammler und Förderungen-Verteiler (wenn auch viele auf das Geld warten) sind, allerdings beim tatsächlichen Machen massiv versagen. Daher immer wieder Österreich mit „weniger Staat und mehr privat“!
Dr. Thomas Opferkuch, 1090 Wien

Dokumentationspflicht wäre notwendig

Da gibt es einerseits eine Impfkommission, die anhand wissenschaftlicher Grundlagen einen Plan erstellt, wer bei nur eingeschränkt verfügbarem Coronaimpfstoff, vorrangig geimpft werden sollte. Andererseits gibt es einen Impfstoff, der in Fläschchen abgefüllt ist, dem mindestens 5 zumeist aber 7 Einzeldosen entnommen werden können. Derzeit wird unter großem medialen Interesse in den Pflegeheimen geimpft. Österreich impft - und was geschieht mit den (geplanten?) Impfstoffresten vor Ort? Und das ist nicht wenig. Dazu ein Rechenbeispiel: Eine Pflegeeinrichtung benötigt 200 Impfdosen für PatientInnen und Personal und bekommt dafür 40 Fläschchen mit Impfserum zugeteilt. Daraus lassen sich aber 240! Impfdosen gewinnen - immerhin ein Plus von 20 Prozent. Ich frage mich wer nun in den Genuss dieser Impfdosen kommt. Das müsste offengelegt werden - was in Anbetracht der Dokumentationspflicht der COVID-Impfung nicht schwierig sein sollte. In Zeiten der Pandemie entscheidet der effiziente Einsatz des verfügbaren Impfstoffes über die Zahl der Todesopfer.
Dr. Paul Lachner, 3423 St. Andrä - Wördern

Wie eine Standuhr

Jetzt habe ich mir das neue Dashbord zum Impfen angesehen (info.gesundheitsministerium.at) und mitgestoppt (bei der Live-Prognose): für 15 Impfungen 1 Minute; das sind pro Stunde 900 Impfungen, pro 12-Stunden Impftag 10.800 Impfungen. Ergibt 5.400 Bürger (da man ja zwei Impfungen braucht). Für angepeilte 2 Millionen Einwohner braucht man also 370 Tage oder mehr als ein Jahr. Da müsste man schon einen höheren Gang einlegen!
Der Live-Prognose-Wert müsste laufen wie ein „einarmiger Bandit“ im Casino, nicht wie eine Standuhr! Das ist Volksschulmathematik! Ist nicht der Herr Gesundheitsminister ausgebildeter und geprüfter Volksschullehrer?
Dr. Georg Schörner, 1010 Wien

Impfwerbekampagne ohne Impfperspektive

Werbemodels (Testimonials) sagen: "Ich lasse mich impfen". Wir auch! Aber bei allem Bemühen, man bleibt schlussendlich in Telefonwarteschlangen hängen oder strandet im Nirvana von Homepages oder sonst wo. Das erzeugt Frust und Unmut. Offizielle Sager wie "Jeder wird jemanden kennen, der geimpft ist" steigern die Spirale von negativen Eindrücken und verfehlen glatt auch die Werbebotschaft an die Impfunwilligen. Bei Impfkategorie-2- und -3-Leuten schleichen sich ungute Gefühle wie Übervorteilung, Neid, Angst, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Zurückgelassen sein, Ausgegrenztheit und sonstige Niedergeschlagenheiten ein, und das eingehämmert mit ständig laufenden Werbespots auf allen Kanälen. Da kommt keiner aus, ob er es hören will oder nicht. Ohne Liefersicherheit und Impfperspektiven könnte aber die irgendwie zur falschen Zeit gestartete große Covid-Impfwerbekampagne das Gegenteil bewirken - die Stimmung fällt und Umfragewerte so mancher Pressekonferenz-Regierenden fallen (weiter).
Barbara Bauer, 5071 Wals-Himmelreich

Impfen: Mit Freuden und aus Solidarität

Danke, dass Sie als junge Generation auf uns Ältere Rücksicht nehmen. Danke, dass Sie sich wirtschaftlichen und persönlichen Einschränkungen stellen, um dieser weltweiten Bedrohung Einhalt zu gebieten. Danke, dass Sie den Generationenvertrag einhalten.
Nun frage ich mich, wie ist es mit der Solidarität der Älteren gegenüber den Jüngeren? Wie können wir den Generationenvertrag einhalten? Wir haben die Chance für eine Impfung. Nehmen wir sie wahr? Entspannen wir damit die Situation auf den Intensivstationen?
Ich gehe mit Freuden impfen, sobald ich eingeladen werde. Aus Solidarität den Jüngeren gegenüber und auch, um mein altes (im wahrsten Sinne des Wortes) Leben wieder zurückzugewinnen.
Dr. Elisabeth Bachl, 2340 Mödling

Lieber Herr Präsident, bitte nicht vordrängeln

ÖSV-Präsident Schröcksnadel fordert eine Vorreihung der Skifahrer bei der Covidimpfung, da sie durch die vielen Reisen im Skizirkus stark gefährdet wären. "Sie fahren auf der ganzen Welt herum, da kann man sich schnell was holen"! Ja, man kann aber auch schnell was hinbringen! Dieses hektische Reisen in der ganzen Welt ist angesichts der Klimakrise mehr als hinterfragenswert und als Argument des Sports als Vorbildwirkung für die Jugend gänzlich abzulehnen. Viele von uns wollen auch wieder reisen, müssen aber zwangsläufig daheimbleiben, mit ihren oft existenziellen Sorgen.
Also, lieber Herr Präsident, bitte wie alle anderen die Zuordnung nach medizinischen Gesichtspunkten abwarten, viele Menschen sind gefährdeter, und bitte daher nicht vordrängeln.
DI Gerhard Swatschina, 2130 Mistelbach

Vermeidbare Todesopfer

Monate nach der Bekanntgabe, wann Corona-Impfstoffe zur Verfügung stehen und wie sie gehandhabt und verabreicht werden, überlegt nun die Regierung, wie eine Impfstrategie auszusehen hat. So gibt es noch immer keine Information, wie gefährdete Menschen, welche nicht in Pflegeheimen wohnen, geimpft werden. Impfstoffe liegen in großen Mengen in Tiefkühlschränken und werden nicht zeitnah verabreicht, was u. a. mit einer ferienbedingten Personalknappheit erklärt wird. Die Verzögerung wird zu vermeidbaren Todesopfern durch eine Corona-Infektion führen. Dieses Versagen ist grob fahrlässig und würde in jedem anderen Setting als jenem der Politik in Österreich zu Rücktritten und (strafrechtlichen) Konsequenzen führen.
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, 1010 Wien

Massenimpfzentren und impfen, was das Zeug hält

Ein klares Ja zu den Vorschlägen der Germanistin (!) Daniela Strigl:
Vulnerable Gruppen vorziehen (egal ob in Heimen oder zu Hause wohnend), Vorziehen der Impfwilligen (ich möchte mich sofort impfen lassen!), sinnvolle Massenimpfzentren etablieren und impfen, was das Zeug hält; massive Impfinformation und -kampagne umsetzen sowie nach Impfung Aufnahme in den Impfpass.
Parallel dazu kann überlegt werden, was man konkret gegen die Covid-19-Leugner und Unwilligen unternimmt. Einerseits werden bei einer "positiven Impfstimmung" doch einige mitziehen. Sinnvoll erscheint außerdem das Setzen positiver Anreize, wie das Auszahlen von bspw. 25 Euro an Impfwillige, und kommt insgesamt immer noch billiger. Übrigens, der Vorschlag einen nicht geringen Selbstbehalt im Fall einer erforderlichen Hospitalisierung von jenen einzuheben, die sich konsequent nicht impfen lassen woll(t)en, gewinnt an Charme.
Ing. Mag. Armin J. Hanschitz, MSc, 1090 Wien

Schwerfällig von einem Lockdown zum nächsten

Als Lehrer arbeite ich nun schon monatelang im Distance-Modus, ohne dass hilfreiche Maßnahmen von "oben" getroffen werden. Eine regelmäßige Testung von Lehrpersonen und Schülern kann anscheinend nicht verordnet werden (?!) - Nun gibt es endlich Impfungen, aber man redet von Monaten (!!), bis die Impfung verteilt sein wird. Es wird so getan, als ob das nicht anders gehen würde, aber wenn man hört, dass die EU hier beim Einkauf der Impfungen einiges falsch gemacht hat, kann man eigentlich nur verzweifeln. Statt Hektik, so schnell wie möglich jeden zu impfen, der das will, herrscht eine bürokratische Schwerfälligkeit, von einem Lockdown zum nächsten. Dass die Maßnahmen von der Bevölkerung nur mehr zum Teil mitgetragen werden, ist eine Tatsache, aber auch das beschleunigt das Impfprogramm nicht. Jetzt, angesichts der ansteckenderen Variante, wird von noch weitergehenden Maßnahmen geredet statt von einem massiv beschleunigten Impfprogramm. Als Bürger, der in so einem exponierten Beruf steht und nicht mehr zu den jüngsten zählt, fühlt man sich mittlerweile sehr unbehaglich, denn die Unterrichtssituation ist zermürbend, das Risiko, sich anzustecken, bei Normalunterricht ungemütlich hoch. Die Nachricht, dass wir nun auch den Häftlingen bei der Impfung nachgereiht sein werden, war nur ein weiterer Puzzlestein zur Demotivierung. Die nächsten werden folgen, da bin ich mir sicher.
Mag. Gerhard Buzas, 6020 Innsbruck

Eine Beobachtung

Einige meiner Bekannten und ich haben uns bei 1450 für die Corona-Impfung angemeldet. Diese Hotline wurde medial viel kritisiert. Nachvollziehen können wir es nicht. Die Mitarbeiter am Telefon waren extrem freundlich und kompetent. Einer von ihnen war über mein Lob so "verwundert", dass er meinte: "Sie sind eine der wenigen, die so empfinden, sonst werden wir von den Anrufern meist nur beschimpft oder bedroht." Bei vielen von uns liegen aufgrund der Pandemie die Nerven blank, aber den Frust an denen auszulassen, die uns helfen wollen, halte ich für mehr als entbehrlich.
Tanja Dolnak, 1010 Wien