Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Integration

Christoph Wiederkehr: „Wir müssen schneller sein als die Islamisten“

Am Freitag kündigte der pinke Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat, Christoph Wiederkehr, Konsequenzen an.
Am Freitag kündigte der pinke Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat, Christoph Wiederkehr, Konsequenzen an.APA/GEORG HOCHMUTH
  • Drucken
  • Kommentieren

Der pinke Integrationsstadtrat Wiederkehr kündigt Maßnahmen nach den Ausschreitungen zu Silvester an: Die Zahl der Sozialarbeiter an Favoritner Schulen wird verdoppelt. Streetworker sollen auch nachts unterwegs sein.

Wien. Die Ausschreitungen zu Silvester in Favoriten haben ein politisches Nachspiel. Am Freitag kündigte der pinke Vizebürgermeister und Integrationsstadtrat, Christoph Wiederkehr, Konsequenzen an. Konkret wird die Anzahl der Sozialarbeiter an Schulen in Favoriten auf zehn verdoppelt, das Integrationsprogramm „Respekt: gemeinsam stärker“ kommt in noch mehr Wiener Mittelschulen zum Einsatz, im öffentlichen Raum wird es eine Schwerpunktaktion der wienweiten Streetworker in Favoriten geben.

Konkret im Frühling, wenn zahlreiche Jugendliche nächtens die Parks wieder in Beschlag nehmen.

 

Zahlreiche Vorfälle

Die Maßnahmen begründet Wiederkehr so: Es gehe nicht nur um die Ausschreitungen zu Silvester, sondern auch um Vandalismus durch Jugendliche in einer Favoritner Kirche (die Jugendlichen schrien während der Zerstörungen „Allahu Akbar“) und die Angriffe von rechtsextremen, türkischen Nationalisten auf eine Demonstration von Kurden im Sommer. „Wir müssen schneller sein als die Islamisten“, formulierte der Integrationsstadtrat das Ziel, die Jugendlichen zu erreichen, bevor sie sich radikalisieren können. Nachsatz: „Wir brauchen einen Schutzschirm, dass die Jugendlichen nicht abdriften.“

Grundsätzlich sei es eine sicherheitspolitische Frage, betonte Wiederkehr eine Seite der Ausschreitungen von Favoriten – und nahm ÖVP-Innenminister Karl Nehammer in die Pflicht: „Wir brauchen mehr Polizisten für Wien und in Favoriten.“ Denn Favoriten sei mit der Stadt Linz vergleichbar, habe allerdings nur die Hälfte der Polizisten von Linz: „Ich fordere daher eine Aufstockung um 300 auf 500 Planstellen in Favoriten.“ Und hier sei auch der Verfassungsschutz gefordert, der bei Verdachtsmomenten, dass eine jihadistische Organisation im Jugendbereich aktiv ist, entsprechend einschreiten soll, fordert Wiederkehr. Und: Die Polizeiarbeit soll noch enger mit der Jugendarbeit kooperieren.

 

„Jugendliche nicht ausgrenzen“

Eine Drehscheibe für die Sozialarbeit sind die Wiener Jugendzentren. Geschäftsführerin Ilkim Erdost: „Es gibt 35 Jugendzentren, in denen jährlich 55.000 Jugendliche betreut werden. Dort können wir Jugendliche ansprechen und erreichen.“ Dort soll die Mädchen- und Bubenarbeit forciert werden, „damit sich Jugendliche von völlig überholten Rollenbildern lösen können“.

Wie kann man Jugendliche aber erreichen, bevor sie Ausschreitungen begehen? Nik Nafs, Wiener Kinder- und Jugendanwalt, meint dazu: „Wir müssen die Jugendlichen stärken, um deren Ausgrenzung zu verhindern.“ Wenn sich Jugendliche ausgegrenzt fühlen, seien sie für radikale Strömungen leichter erreichbar, erklärte Nafs: „Eine entsprechende Präventionsarbeit an den Schulen muss möglich sein.“ Das betreffe nicht nur Favoriten. Dort würden sich nämlich auch Jugendliche aus anderen Bezirken versammeln; vor allem am Reumannplatz: „Hier muss man den Fokus auch auf andere Bezirke legen“, so Nafs. Denn viele Jugendliche aus anderen Bezirken seien bei den Silvester-Randalen beteiligt gewesen.

Einerseits setzt die Stadt auf die offene Jugendarbeit. Das bedeutet, dass Jugendliche in einer Krisensituation stabilisiert werden sollen. Andererseits setzt Wiederkehr auf eine langfristige Lösung: „Wir werden dann Erfolg im Integrationsbereich haben, wenn wir jungen Menschen eine Perspektive über gute Bildung, und damit eine gute Karriere, ermöglichen.“ (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2021)