Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Zu wenig Platz in Psychiatrie für Jugendliche

Behandlung zu Hause als Ausweg aus der Misere.

Mehr als ein Drittel der Zehn- bis 18-Jährigen in Österreich leidet einmal in ihrer Jugend an einer psychischen Erkrankung. Aber nur für die Hälfte von ihnen reichen die altersgerechten Behandlungskapazitäten. Viele müssen aus diesem Grund in der Erwachsenenpsychiatrie behandelt werden. Anders als international durchaus üblich, gibt es in Österreich nicht die Möglichkeit, die Kinder und Jugendlichen zu Hause zu therapieren (Home-Treatment).

Erfolgt dies durch entsprechend qualifizierte Personen, können dadurch nicht nur Behandlungsressourcen entlastet, sondern sogar gleichwertige und bessere Erfolge erzielt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA), für die sechs verschiedene Modelle für Home-Treatment aus Deutschland, den Niederlanden, den USA und Kanada evaluiert wurden.


Kürzer im Krankenhaus

„Nicht alle psychiatrischen Erkrankungen eignen sich gleichermaßen, aber insbesondere bei psychosozialen Störungen kann diese Behandlungsform einen tollen Beitrag leisten“, betont Claudia Wild, Direktorin des AIHTA. Home-Treatment mache darüber hinaus weniger Krankenhausaufenthalte erforderlich oder verkürze diese.

Reformbedarf orten auch Rainer Fliedl und Andreas Karwautz von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (ÖGKJP) in einer aktuellen Publikation im Fachmagazin Neuropsychiatrie. Dringend notwendig seien etwa ambulante Einrichtungen in Oberösterreich und der Steiermark sowie insgesamt mehr Kassenplätze besonders im Burgenland. Auch Fliedl und Karwautz empfehlen die Integration von Home-Treatment etwa bei Diagnosen von Essstörungen oder Autismus. (cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2021)