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Unterwegs

Virus ist Virus, Bier ist Bier

Belgiens Brauer trotzen der Pandemie und wagen sogar einen Traditionsbruch.

Die Akkulturation des Immigranten in Belgien setzt – wenn man nicht Abstinenzler ist – auch einen veränderten Umgang mit dem Bier voraus. Wer in die Vielfalt der belgischen Braukunst eintaucht, dem eröffnet sich eine neue Welt. Vor allem haben die belgischen Biere zumeist mehr PS als herkömmliche Lager und Pilsner, weshalb man sie auch so konsumieren sollte wie ein gutes Glas Wein. In kleineren Dosen also.

Zwei kleine Brauereien sind mir im Zuge von Wanderausflügen im Jahr vor der Pandemie ans Herz gewachsen: die Brauerei Verstraete im westflämischen Diksmuide mit ihrem hellen Papegaei, und (und fast am anderen Ende Belgiens gelegen) die junge Truppe von Elfique in der Kleinstadt Aywaille, Provinz Lüttich, vor allem deren IPA mit Litschi-Note (über beide habe ich hier schon geschrieben).

Ich sorgte mich sehr, dass diese Kleinbetriebe, die stark von der lokalen Gastronomie abhängig sind, die Lockdowns nicht überleben. Eine Zeit lang fand man sie in den wenigen Brüsseler Supermärkten, die sie beliefern, tatsächlich nicht. Vorige Woche dann die Erleichterung: Papegaei und Elfique wieder im Rayon, alles gut also.

Die Schließung aller Lokale seit Oktober setzt Belgiens Brauern hart zu. Andererseits aber hat die Pandemie auch überfällige Innovationsschübe bewirkt: Die Trappisten der Sint-Sixtusabdij liefern ihr weltberühmtes und preisgekröntes Westvleteren, das man bisher nur persönlich zu exakten Terminen in der Abtei abholen durfte, nun auch nach Hause (vorerst nur gegen Voranmeldung an belgische Adressen, und stets nur ein Sechsertragerl). Prost! ⫻

oliver.grimm@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2021)