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26.12.2020 / Bergstation Patscherkofelbahn, Patscherkofel, Tirol, Austria / Blick in das Stubaital / Skigebiet in Oester
Ihre Meinung

Mitreden: Auf die Skipiste im Lockdown?

Schulen zu, Pisten offen lautet derzeit die Devise. Doch dieser Kurs wird immer öfter kritisiert und hinterfragt. Zurecht? Diskutieren Sie mit!

Österreich will Schifoan: Umfragen zufolge sind zwei Drittel der Bevölkerung für das Offenhalten der Lifte – trotz der jüngsten Infektionsfälle mit neuen Varianten.

Seit klar wurde, dass die Schulen weiter geschlossen bleiben, während die Lifte nach wie vor offen sind, hat die Diskussion um die Skipisten an Fahrt aufgenommen. Kritik an der derzeitigen Linie gibt es auch von „Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak. „Sollte sich die Meinung durchsetzen, wir müssen diesen Lockdown ohnehin nicht ganz ernst nehmen und den Regeln folgen, wie von vielen kritisiert wird: auf zu fröhlichem Wintersport, bescheidenem Shoppen und vorsichtigem Schulbesuch. Dazwischen gibt es keinen Weg“, schreibt er in einer Morgenglosse zum „Lockdown-Paradoxon".

Viele Experten warnen derzeit vor weiteren Lockerungen. Grund dafür ist die britische Mutante B.1.1.7., die sich schnell verbreitet. War die angestrebte Reproduktionszahl früher bei knapp unter eins fordern Wissenschaftler nun, sie auf unter 0,6 drücken. Dafür sei aber noch ein härterer Lockdown notwendig, sagt etwa Epidemiologe Gerald Gartlehner im Gespräch mit Ulrike Weiser: „Ein Lockdown mit Skifahren, wo sich die Bevölkerung mehr schlecht als recht an die Regeln hält, reicht auch nicht, auch wenn wir das weitere sechs Wochen machen“.

Experten aus anderen Bereichen fordern dagegen weitere Öffnungsschritte: „Man drängt die Menschen aus dem öffentlichen Raum in den besonders gefährdeten privaten, obwohl man weiß, dass hier Kontrollen unter westlichen Bedingungen nicht exekutierbar sind“, begründet Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hanisch seine Forderung in einem Gastkommentar.

Wie geht es nun weiter? Die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung des Lockdowns oder allfällige Lockerungen soll erst kommende Woche, zu Beginn der Semesterferien, fallen.

Die Seilbahnen werden jedenfalls den Betrieb fortsetzen, solange sie dürfen. Auch das stand zur Debatte. Denn laut einer Studie machen sie heuer um 85 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr, da fast nur Einheimische auf den Pisten unterwegs sind.

ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel hält es im Interview mit Sport-Ressortleiter Markku Datler jedenfalls für richtig und wichtig, die Lifte zu öffnen. Fotos mit Lift-Drängeleien hält er gar für für „bewusst gestreut“.

Es gibt allerdings auch immer öfter Berichte über andere Verstöße gegen Corona-Regeln in den Skigebieten. So ist Tourismus eigentlich untersagt, aber manche Vermieter nutzen offenbar Schlupflöcher und melden ihre Gäste aus dem Ausland als Personen auf Arbeitssuche im Zweitwohnsitz an. Junge Briten, Schweden und Dänen sind laut einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung" derzeit in St. Anton am Arlberg unterwegs. Mitunter sollen auch Aprés-Ski-Partys in Heustadeln stattfinden - mit Dosenbier aus dem Supermarkt. Auch die Ansteckungen bei Skilehrerkursen sorgten vergangene Woche für Aufregung.

Bleibt noch die Frage nach der zusätzlichen Belastung durch Wintersportunfälle in Krankenhäuser. Da sind die geöffneten Skipisten kein großes Problem. Sie bedeuten zwar mehr Verletzte, sind für die Krankenhäuser aber keine große Zusatzbelastung. Sorgen macht man sich in den Spitälern eher um Tourengeher, wie Teresa Wirth erfahren hat.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Verstehen Sie, dass im verlängerten Lockdown die Skilifte offen sind, während Schulen geschlossen haben? Sind die derzeitigen Maßnahmen ausreichend - oder zu hart? Wie soll man auf „Schwarze Schafe“ reagieren? Und: Gehen Sie derzeit eigentlich Skifahren?