Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Amanshausers Album

Verrückte Corona-Reise-Traumwelt

Traumarbeit. Was hat es denn zu bedeuten, einmal die Woche vom Ski- und Liftfahren zu träumen? Was wird im Schnee verdrängt, verdichtet, verschoben?
Traumarbeit. Was hat es denn zu bedeuten, einmal die Woche vom Ski- und Liftfahren zu träumen? Was wird im Schnee verdrängt, verdichtet, verschoben?(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
  • Drucken
  • Kommentieren

164. Vorsicht vor Reiseträumen in Vorimpfungszeiten, sie können Ihre Gesundheit gefährden.

Seit zwanzig Jahren träume ich vom Skifahren ungefähr einmal pro Woche. Manchmal bin ich Rennläufer. Meist steht das Liftfahren im Vordergrund, auf halsbrecherischen Einersesselliften oder auf steilen Schlepplifttrassen, bei denen mich der Bügel hoch in die Luft zieht. Trotz reichhaltiger Psychotherapie hab ich nie den Grund für die Skitraumhäufung herausgefunden.

Skisymbolik ist nur eines meiner wiederkehrenden Traummotive. Ein anderes nenne ich "Pressereise", eh kein Wunder nach Absolvierung von hundert bis zweihundert davon. Pressereiseträume führten mich zum Beispiel auf dolomitenartige Klippen, in Täler mit Reistrassen, zu Unterwasseraquarien mit attackierenden Quallen der Spezies "Portugiesische Galeere" und einmal sogar in ein urzeitliches Moor. Ich wartete auf U-Bahnen, verpasste Flugzeuge, verirrte mich im Gassengewirr oder suchte vergeblich nach dem Reisepass oder dem Geldfieber-Impfzertifikat.

Meine Traumwelt radikalisierte sich im Coronazeitalter. Seitdem meine Reisetätigkeit zum Erliegen gekommen war, inszenierte mein REM-Schlaf ärgste Dramen. Vielleicht hätte ich mir auch die Lektüre von "Hundert Jahre Einsamkeit" sparen sollen, ein Buch mit erhöhter Psychoaktivität. Bald befand ich mich im Städtchen Macondo des García Márquez leider ohne Schuhwerk, und zwar während der mehrjährigen Sintflut, doch alle Schuhgeschäfte hatten corona- oder sintflutbedingt geschlossen.
Ein andermal geriet ich auf eine Schiffsreise, bei der sich die Passagiere unerlaubterweise (das Verbot wurde von ein Meter hohen, hilflosen Polizeirobotern überwacht) umarmten und küssten. Ich stolperte, der Nagel meiner großen Zehe riss ab, darunter entdeckte ich ein schwarz verkrustetes Nest von Miniaturasseln. Unlängst wohnte ich auch in einem "Palais Rainer", zum Skiurlaub. Der Monitor des Eincheck-Computers an der Rezeption hatte die abscheuliche Fähigkeit, mir Bisswunden zuzufügen. Oben im Hotelzimmer traf ich meine Großmutter, die noch Kind und aktuell auf Homeschooling war, jedoch bat sie mich, ich solle ihr dringend online Leihski und ihren Sarg aussuchen.