In Zeiten der Krise greifen die Menschen vermehrt auf die ewigen Weisheiten römischer Philosophen und Dichter zurück.
Max Lercher, ewige Zukunftshoffnug der SPÖ, paraphrasierte jüngst vor idyllischer Waldkulisse Cicero (den Philosophen, nicht die Zeitschrift). Covid ist seit einem Jahr ohnehin in aller Munde. Und zuletzt war auch sehr viel von Astra Seneca die Rede. Am Freitag, heißt es, soll er zugelassen werden.
Wahrscheinlich für das Clubhouse. Kommen auch Cicero und Covid hinein, könnte das eine interessante Runde werden. Allerdings muss man dort auch aufpassen, dass man nicht den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird. Dem thüringischen Ministerpräsidenten, Bodo Ramelow, ist das neulich passiert. Si tacuisses, philosophus mansisses, kann man da nur sagen.
Cato wäre dieser Tage übrigens 100 geworden. Die „Krone“ widmete ihm am Sonntag einen Schwerpunkt. Unbestätigten Quellen zufolge wurde die „Corona“ auch schon im alten Rom gern gelesen – weil sie viel zum Thema Brot und Spiele bot.
Wobei die Rom-Renaissance derzeit nicht überall mit Wohlgefallen aufgenommen wird. In Washington war man etwa entsetzt, als unlängst Barbaren das Capitol stürmten.
Post scriptum: Ceterum censeo virus esse delendum.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2021)