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A medical worker demonstrates a vial with Sputnik V (Gam-COVID-Vac) vaccine during the vaccination against the coronavirus disease (COVID-19) at a clinic in Minsk
Ihre Meinung

Mitreden: Impfen – egal womit?

Das Impfstoff-Management der EU wird derzeit stark kritisiert. Wie soll es nun weitergehen? Und womit würden Sie sich eigentlich impfen lassen? Diskutieren Sie mit!

Zu Beginn hat eigentlich alles ganz gut ausgesehen. Die EU-Kommission hat seit Sommer umfassende Vereinbarungen mit einem halben Dutzend Hersteller von Covid-19-Impfstoffen geschlossen. Doch jetzt gibt es Lieferverzögerungen, ob das Ziel der Kommission, bis zum Sommer 70 Prozent geimpft haben erreicht wird, ist unklar. Und während in Israel bereits Schülerinnen und Schüler geimpft werden, steigt der Unmut der zahlreichen Impfwilligen nach dem monatelangen Lockdown.

Ein „Kippen“ der Stimmung ortet Innenpolitik-Ressortleiter Oliver Pink. Die beste Möglichkeit gegenzusteuern in einer raschen Impfung. „Die EU ist in Krisenzeiten offensichtlich ein ziemlich träger Tanker“, schreibt er. Und: „ Wenn die Europäische Union AstraZeneca jetzt nicht mit voller Härte kommt, käme das einem weiteren Vertrauensverlust gleich.“

Noch schärfere äußert Christian Ortner in seiner wöchentlichen Kolumne. „Die lahme Impf-Kampagne in Österreich und Deutschland kann das Vertrauen in die Demokratie ganz schön erschüttern“, schreibt er - und fragt sich: „Wozu zahlen wir eigentlich Steuern?"

Brüssel-Korrespondent Oliver Grimm hatte Anfang der Woche in einem Leitartikel ebenfalls ein paar Fragen: „Was läuft falsch in Europa?“ Und: "Wieso macht man nicht 20 Milliarden Euro aus dem 750-Milliarden-Euro-Aufbaufonds locker, um die Impfstoffproduktion anzukurbeln? Wieso verpflichtet man die Pharmakonzerne nicht, ihre Vakzine von anderen Herstellern produzieren zu lassen, wenn sie Kapazitätsprobleme haben, wie sie das behaupten?“

Manche EU-Staaten haben bereits einen Plan B: Ungarn hat als etwa eine Million Dosen des russischen Impfstoffs „Sputnik V“ gekauft - und kann sie mithilfe einer Notfallgenehmigung verimpfen. Auch Tschechien könnte bald diesen Weg gehen, wie unser Korrespondent Hans-Jörg Schmidt berichtet.

Warum das so ist, liegt für den deutschen Ökonom Hans-Werner Sinn auf der Hand: Es gebe ein „europäisches Impfdebakel“, schreibt er in einem Gastkommentar. „Die Grundsatzentscheidung, den Erwerb der Impfstoffe der EU-Kommission zu überlassen, war falsch“, meint er.

Aber wie sicher ist zum Beispiel der russische Impfstoff „Sputnik V", der bereits seit August in Russland hergestellt wird? Das fragen sich derzeit viele - so auch die Juristin Anna Pilicheva in einem Gastkommentar. Sie ortet eine Reihe von Schwachstellen aufgrund der raschen und verkürzten Zulassung.

EU-Ressortleiter Wolfgang Böhm warnt indes in einem Leitartikel vor einer zu starken Druck der Politik, der auch bei der Zulassung der Impfstoffe in Europa zu bemerken war. Kanzler Sebastian Kurz und andere Amtskollegen appellierten nämlich an eine schnellere Zulassung des Massenimpfstoffs von AstraZeneca durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA). Böhm schreibt: „Das Vertrauen in Experten ist im Falle von Impfzulassungen ein sensibles Gut, das nicht beschädigt werden darf."

(sk)

Diskutieren Sie mit: Was halten Sie vom Impfstoff-Management der EU? Von AstraZeneca über Sollten Mitgliedsstaaten Sonderwege gehen? Und: Womit würden Sie sich impfen lassen?