Der britische Populismus sucht nach dem Austritt aus der Europäischen Union neue Feindbilder.
Interview

„Die Einheit des Vereinigten Königreichs ist in Gefahr“

Die Historikerin Helene von Bismarck sieht die Kräfte, die zum Brexit geführt haben, auch nach dem EU-Austritt in Großbritannien keineswegs erschöpft.

Die Presse: Sie haben die These aufgestellt, dass der britische Populismus eine Methode und keine Ideologie sei und sich daher mit dem Brexit auch nicht erschöpfen werde. Was erwarten Sie nun nach vollzogenem EU-Austritt?

Helene von Bismarck: Der Populismus in Großbritannien ist eine Methode, wie man Politik macht und seine Ziele erreicht. Er hat drei wesentliche Elemente: die Schaffung von Feindbildern, die Emotionalisierung und die Simplifizierung. Man kreiert innere und äußere Feindbilder. Letzteres war in jüngster Vergangenheit die böse EU. Nach dem Brexit ist die Frage, wie lang das noch greift.

Wohin wird sich der britische Populismus nun wenden?

Nun kommen die inneren Feindbilder an die Reihe, die seit Jahren von Premierminister Boris Johnson und seinen Unterstützern geschürt werden. Dazu zählen Beamte, Experten und Intellektuelle, Richter und Anwälte, das Parlament und die BBC. Das sind alles Institutionen, die die Macht der Exekutive begrenzen. Sie haben oft nur beratende Funktion, wurden aber bisher traditionell respektiert. Johnson setzt sich darüber hinweg. Er hat keinen Respekt vor Institutionen und Konventionen, und in einem System, in dem sehr viel auf einem Handshake und einem Gentlemen's Agreement beruht, ist das natürlich problematisch. Da geraten Dinge schon ins Wackeln. Das ist nicht nur Johnson, sonst käme er damit nicht durch. Es gibt viele in seiner Regierung, seiner Partei, aber auch in Medien, die das unterstützen.

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