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Wirtschaftskrimi Wirecard

Wie der Ex-Oligarch Firtasch aus seinem Wiener Exil heraus bei Wirecard landete

Dmytro Firtasch auf einer "Presse"-Aufnahme aus dem Jahr 2014Die Presse/Katharina Fröschl-Roßboth
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Im Milliardenbetrug Wirecard ist wieder ein pikantes Detail aufgetaucht, das von Österreich ausgeht: Der Ex-Oligarch Dmytro Firtasch hatte Konten dort eröffnet. Dafür hatte er einen mächtigen Fürsprecher gefunden.

Die Hitparade der Detailskandale im epochalen Großskandal Wirecard wird nicht nur immer länger. Sie wird mit zunehmender Tiefe der Enthüllungen auch immer pikanter. Und wie schon beim Bekanntwerden der milliardenschweren Betrugscausa im Frühjahr 2020, so stellt sich mit jeder neuen Informationseinheit immer wieder von neuem die Frage, ob sie für die vielen involvierten Österreicher im einstigen Dax-Unternehmen peinlicher (bis strafrechtlich relevant) ist oder doch für die deutschen Aufsichtsbehörden.

Jedenfalls haben diese dereinst – trotz Hinweisen – auch in jenem Fall nicht gehandelt, der soeben in Deutschland, speziell durch eine ausführliche Geschichte im Magazin „Stern“, bekannt geworden ist. Ihre Hauptakteure: Einmal mehr der berüchtigte Wirecard-Ex-Vorstand Jan Marsalek, der allgemeiner Information zufolge im Vorjahr nach Moskau geflüchtet ist und nun – wie die „Presse“ in der russischen Investigativ-Szene erfahren hat – in der südrussischen Gegend um Sotschi vermutet wird. Und neu: Der im österreichischen Exil seit 2014 gegen seine Auslieferung in die USA kämpfende ukrainische Ex-Oligarch Dmytro Firtasch.

Auf der Suche nach einer Bank

Kurzgefasst geht die Geschichte so: Nachdem der schwerreiche Firtasch bei seiner Stammbank Raiffeisen Bank International (RBI) vor die Tür gesetzt worden war, weil ja ein US-Auslieferungsverfahren und Vorwürfe der organisierten Kriminalität gegen ihn bestehen, begann er im Frühjahr 2019 (also ein gutes Jahr vor Auffliegen des Wirecard-Betrugsskandals) Konten bei der hauseigenen Bank des Wirecard-Konzerns zu eröffnen.

Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus, hatte doch auch der Raiffeisen-Konzern jahrelang eng mit Firtasch zusammengearbeitet und in den Nullerjahren – über die RZB-Tochter Raiffeisen Investment AG – sogar treuhändisch dessen Anteil am russisch-ukrainischen Gasexport-Zwischenhändler RosUkrEnergo gehalten, ehe dieser aufgrund der bekannt gewordenen Nähe Firtaschs zu einem der größten russischen Mafiabosse eliminiert wurde. Allein, inzwischen haben sich die Zeiten geändert, der globale Kampf gegen Geldwäsche hat sich intensiviert – ja und der Druck der USA vor allem gegen namhafte Leute, die mit den Russen dick im Geschäft waren, hat zugenommen.

Die vergebliche Warnung

Das wusste auch Markus K., seines Zeichens Geldwäschebeauftragter bei der Wirecard Bank. Wie der „Stern“ schreibt, habe K. „anfangs ein ´Reputationsrisiko` für Wirecard“ gesehen und sich gegen eine Kontoeröffnung für Firtasch gewehrt. Auch zwei Bankvorstände stemmten sich anfänglich dagegen. Letztlich aber hätten sie alle nichts ausrichten können, weil der damalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek vehement für Firtasch interveniert habe. Mehr noch: Entgegen einer vorherigen Annahme hat Firtasch nicht nur ein Privatkonto dort eröffnet, sondern bald schon ein um das andere Firmenkonto (unter anderem für Geldüberweisungen für den von der Raiffeisen Aircraft Finance GmbH geleasten Privatjet vom Typ Embraer Legacy 600). Bei der Firtasch-Gruppe handele es sich nämlich um „einen A+-Kunden“ und “um einen Jan Marsalek Kunden“, zitiert der „Stern“ aus einem Schreiben eines Bankmitarbeiters Ende März 2020.

Die Bafin sah gelassen zu

Bemerkenswert in dem Zusammenhang ist, dass am 11. Juli 2019 ein anonymer Hinweisgeber die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin darauf hingewiesen hat, dass eine Firtasch-Firma bei der Wirecard-Bank „täglich große Transaktionen im Ausland“ abwickle. Die Bafin stufte dies als „aufsichtsrechtlich nicht relevant“ ein. Einzig nach einer Sonderprüfung im selben Sommer verlangte sie bei einem Firtasch-Konto mehr Kontrolle, wie K. an Marsalek schrieb.

Zumindest dieses Thema dürfte den deutschen Untersuchungsausschuss zu Wirecard noch beschäftigen.

Wirecard-Hotspot Hietzing

Ein anderes ist – bislang – nur optisch auffällig. Und zwar mietet Firtasch in Wien Hietzing eine Villa von Alexander Schütz. Letzterer ist ein österreichischer Unternehmer und erst vor wenigen Tagen im deutschen U-Ausschuss aufgeflogen, weil er im März 2019 aus Zorn über die negative Berichterstattung der Financial Times bezüglich Wirecard an seinen Freund, den damaligen und inzwischen inhaftierten Wirecard-Chef, Markus Braun geschrieben hatte: „Macht diese Zeitung fertig!!“

Dieses Zitat hat inzwischen ein Nachspiel auch in der Deutschen Bank, die um ihre eigene Reputation fürchtet. Dort nämlich sitzt Schütz seit 2017 im Aufsichtsrat. Chef im Kontrollgremium ist der Österreicher Paul Achleitner, der Schütz gleich in die Mangel nahm, wie Bloomberg vorige Woche berichtete.

Zurück zur Schütz-Villa in Hietzing, die von Firtasch gemietet ist. In derselben Straße besitzt, wie der „Stern“ schreibt, auch der Österreicher Markus Braun ein Haus.