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Debatte

Die Rückkehr der Bus- und Bahnfahrer

In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es leer geworden.
In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es leer geworden.APA/GEORG HOCHMUTH
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Um öffentlichen Verkehr zu beleben, muss man weg vom „Ölsardinen-Betrieb“.

Wien. In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es leer geworden. Zu Stoßzeiten sind Busse und U-Bahnen zwar wieder voller, aber 2020 haben die Wiener Linien einen Fahrgastrückgang um 40 Prozent, im ersten Lockdown um 80 Prozent verzeichnet, wie Geschäftsführerin Alexandra Reinagl berichtet. Auch international folgte auf Rekorde ein Einschnitt, seit dem sich die Zahlen nicht erholt haben, wie in einer Onlinekonferenz des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zur Zukunft des Verkehrs diskutiert wurde.

Schließlich sind die Fachleute einig: Um Klimaziele zu erreichen, muss der öffentliche Verkehr nicht nur Fahrgäste zurückgewinnen, sondern einen höheren Anteil erreichen als zuvor. Welche Rolle der öffentliche Verkehr (ÖV) in der Pandemie spielt, hat die TU Wien erhoben. „Die Analysen zeigen, der ÖV spielt bei der Pandemieverbreitung eine untergeordnete Rolle“, so Günther Emberger von der TU. Die Covid-Maßnahmen waren ähnlich: Masken, Forcieren von E-Ticketing, teils reduzierte Fahrgastzahlen. „Die Fahrgastbedürfnisse sind durch Covid-19 ins Zentrum gerückt. Nützen wir diese Chance, um die Verkehrswende zu erreichen“, fordert die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher.

Auch Stefan Mayerhofer aus dem Mobilitätsministerium spricht von Qualitätssteigerung: „Manche haben öffentliche Verkehrsmittel zuvor wegen fehlender Angebote gemieden, andere wegen der Nähe zu anderen. Jetzt sieht man: Mit Rücksicht, Abstand, Masken ist es angenehmer.

Mehr Qualität, Sauberkeit

Durch Investment in Qualität, in Sauberkeit, ins Erscheinungsbild der Stationen kommen wir davon weg, dass der ÖV ein Notnagel für die ist, die sich nichts anderes leisten können. Wobei die junge Generation da längst anders denkt.“

Zu einer Situation wie zuvor will man auch etwa in Berlin nicht zurück: „In Stoßzeiten hatten wir eine Situation wie in der Ölsardinendose, das will keiner zurück“, sagt Susanne Henckel, Chefin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Vielmehr müsse man auf Auslastungssteuerung und Sauberkeit setzen. Auch VCÖ-Experte Michael Schwendinger spricht von Qualität, um die Fahrgastzahlen zu erhöhen: genug Sitzplätze, gute Anschlüsse, häufigere Verbindungen, um Überfüllung zu vermeiden.

Alexandra Reinagl geht davon aus, dass ihre Gäste rasch zurückkehren. „Den größten Rückgang hatten wir bei denen, die nicht zu Ausbildungsplätzen oder in die Arbeit gefahren sind. Ich glaube, dass auch diejenigen zurückkommen, die aus Angst zum Auto gewechselt haben. In der Zeit waren die Straßen frei.“

Langfristig, sind sich die Experten einig, sei die Frage nicht, ob Fahrgäste zurückkehren, sondern „wie wir alle, die öffentlich fahren wollen, transportieren können“, sagt Stefan Mayerhofer. „Es wird schneller gehen, als wir glauben, dass wir zu neuen Mobilitätsformen kommen. Es heißt dann nicht mehr: guter öffentlicher Verkehr, böser Individualverkehr. Es geht eher um öffentlich zugänglichen Verkehr, neue Formen der Mobilität, Stichwort autonomes Fahren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2021)