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Alles falsch: 2019 versteigerte das Pariser Auktionshaus Drouot eine Sammlung von 120 meisterhaften Kopien berühmter Gemälde.
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Kunst

Wie man Fälschern mit Algorithmen das Handwerk legt

An raffinierten Kunstfälschern scheitern auch Experten und Analysen im Labor. Nun soll ihnen künstliche Intelligenz das Handwerk legen. Werden die Koryphäen der Stilkunde arbeitslos? Und warum gibt es am Kunstmarkt so viele falsche Zuschreibungen?

Ein Fehler kann auch ein Segen sein. Wenn diese Farbtube nicht gewesen wäre! „Zinkweiß“ stand auf ihr drauf, aber damit war sie nicht korrekt deklariert. Denn sie enthielt auch eine kleinere Menge Titanweiß – ein Pigment, das 1914 noch nicht im Handel war. In diesem Jahr hatte der rheinische Expressionist Heinrich Campendonk „Das rote Bild mit Pferden“ gemalt, so steht es in seinen Aufzeichnungen. Aber das Gemälde ist verschollen. Wie mag es wohl ausgesehen haben? Der deutsche Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi imaginierte es, malte es neu und bot es 2006 dem angesehenen Auktionshaus Lempertz in Köln an – als Fundstück aus einer (fiktiven) Sammlung des (echten) Großvaters seiner Gattin. Es kam unter den Hammer. Für die „FAZ“ war es der „Höhepunkt der Auktion“, für die „Süddeutsche“ ein „Schlüsselwerk der Moderne“. Aber die Käufer schöpften später Verdacht, ließen es überprüfen – und das im Labor entdeckte Titanweiß trat den bisher größten Kunstfälscherskandal los.

Für 14 Fälschungen kam Beltracchi im Jahr 2011 ins Gefängnis, über 50 Fakes aus seiner Hand sind nachgewiesen, über 200 dürften in Summe herumgeistern. Wie konnte sein Treiben jahrzehntelang unerkannt bleiben? Die Affäre ramponierte das Renommee von Museen, Auktionshäusern und Sachverständigen. Der Kunstmarkt hatte seine (zink)weiße Weste verloren.