Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Russland

Nawalny-Proteste: Moskau riegelt die Stadt nahezu ab

In Großstädten rund um die Welt wurde für die Freilassung des Kreml-Kritikers demonstriert.imago images/Lindenthaler
  • Drucken

Bürgerrechtler planen Aktionen in rund 100 Städten. Die U-Bahn-Stationen in Moskau wurden geschlossen.

Bei den Demonstrationen für den inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny hat es in der russischen Hauptstadt Moskau die ersten Festnahmen gegeben. Menschenrechtler sprachen am Sonntagmittag noch vor Beginn der Aktionen von zunächst mehr als zehn Festnahmen. In anderen russischen Städten wurden mehr als 500 Menschen festgenommen.

Die Polizei riegelte das Zentrum der Millionenmetropole rund um den Kreml nahezu ab, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Die Sicherheitskräfte in schwerer Montur hinderten Demonstranten und Passanten mit Absperrgittern daran, zu dem geplanten Versammlungsort nahe dem Sitz des Inlandsgeheimdienstes FSB zu gelangen. Nawalnys Team rief deshalb kurzfristig zu neuen Versammlungsorten auf - ebenso wie in der Stadt St. Petersburg.

>>> Warum hat Putin Angst vor Nawalny? [premium]

Der russische Präsident riskiert im Fall Nawalny eine Verschlechterung der Beziehungen zum Westen. Im Interesse Russlands kann das nicht sein, doch daran orientiert sich Putin schon lang nicht mehr.

An einem der neuen Treffpunkte, an der Moskauer U-Bahn-Station Krasnaja Worota, versammelten sich am Mittag zunächst Hunderte Menschen. Die Polizei verlagerte ebenfalls ihre Sicherheitskräfte. Es waren viele Einsatzwagen mit Blaulicht zu sehen. Autos hupten aus Solidarität mit den Demonstranten.

In Moskau sperrten die Behörden zunächst sieben Metro-Stationen im Zentrum. Geschäfte und Restaurants mussten schließen. Nawalnys Team kritisierte das bei einer Live-Übertragung der Proteste als "völlig unverhältnismäßig" und erinnerte an den friedlichen Charakter der Proteste. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Im Zentrum standen Dutzende Gefängnistransporter bereit. Ein ähnliches Bild bot sich auch in anderen russischen Städten.

Landesweit gibt es Kundgebungen

Der Opposition zufolge gab es in rund 100 Städten Aktionen. Das Portal Owd-Info zählte bis zum Mittag insgesamt mehr als 500 Festnahmen. Bei den Demonstrationen vor einer Woche kamen rund 4000 Menschen in Polizeigewahrsam. Viele kamen danach wieder frei. Einige müssen nun Geldstrafen zahlen oder in Haft.

Zu den Protesten haben der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Unterstützer aufgerufen. Bereits am vergangenen Wochenende waren zehntausende Menschen in mehr als hundert russischen Städten auf die Straße gegangen. Die Sicherheitskräfte gingen teilweise brutal gegen die Protestierenden vor, mehr als 4000 Menschen wurden festgenommen.

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei zudem mehrere Verbündete Nawalnys in Gewahrsam genommen oder unter Hausarrest gestellt, unter anderem den Bruder des Kreml-Kritikers. Nawalny war direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Moskau festgenommen und im Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. In Berlin war der Putin-Kritiker nach einem Giftanschlag behandelt worden, für den er den Kreml verantwortlich macht.

(APA/DPA)