Schüsse auf Polizisten: Serbe vor Gericht

(c) Clemens Fabry
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Ein 34-jähriger Serbe steht vor Gericht: Er hatte dreimal auf einen Exekutivbeamten gefeuert. Sein Anwalt plädiert auf absichtliche schwere Körperverletzung. Sein Mandant habe auf die Beine des Beamten gezielt.

WIEN. Er habe einen „lauten Knall“ gehört und habe sich gefühlt, als hätte er einen „Stromschlag“ erhalten. So schildert der Polizist R. jene kritischen Sekunden, in denen er fast gestorben wäre. Der 27-Jährige hatte am 12.Jänner dieses Jahres einen Serben verfolgt, der zuerst mit einem Pkw davongerast und dann zu Fuß geflohen war. In die Enge getrieben schoss der Flüchtige dreimal aus 2,2 Meter Entfernung auf den Beamten. Heute, Donnerstag, steht der Serbe vor den Geschworenen.

Versuchter Mord und Widerstand gegen die Staatsgewalt wird dem Angeklagten Mihailo J. zur Last gelegt. Der Staatsanwalt schreibt in der Anklage über den damals mit einer Pistole bewaffneten Täter: „Auszugehen ist vielmehr davon, dass er bewusst die Waffe bei seiner Flucht zu Fuß mit sich führte, um sich gegebenenfalls den Weg gleichsam ,freizuschießen‘, zumal er sich bereits einige Wochen zuvor der Schubhaft durch Flucht zu entziehen vermochte.“

J. – er ist vorbestraft, die Behörden registrierten ihn zuletzt unter gleich fünf Aliasnamen – hätte längst aus Österreich ausreisen müssen, da er mit einem Aufenthaltsverbot belegt war.

Am 12. Jänner war er mit seinem BMW 525 im Bereich des Hernalser Gürtels unterwegs – und bog vorschriftswidrig ab. Das fiel einer Funkstreife auf. Der Serbe wollte sich jedoch nicht kontrollieren lassen. So begann eine Autoverfolgungsjagd, die letztlich zu Fuß weiterging. Der Beamte gibt an, er habe, als er den Serben stellte, seine bereits gezogene Dienstwaffe wieder eingesteckt. Und nach dem Pfefferspray gegriffen, da er nicht gesehen habe, dass J. seinerseits bewaffnet war. Er habe einen Gegenstand in der Hand des Mannes gesehen, diesen aber für ein Plastikrohr gehalten.

„Kaltblütiger Täter“

Dann fielen drei Schüsse. Einer traf den Beamten in das rechte Knie, einer in die linke Schulter, einer ging daneben. Jenes Projektil, das durch die Schulter eindrang, steckt immer noch zwischen 10. und 11. Brustwirbel. J. setzte seine Flucht fort, half also seinem Opfer nicht, worin der Staatsanwalt „Kaltblütigkeit“ sieht. Tage später wurde der Täter in Ungarn aufgegriffen.

Am Donnerstag wird sich J. des Mordversuchs nicht schuldig bekennen. Anwalt Alexander Philipp plädiert auf absichtliche schwere Körperverletzung. Sein Mandant habe auf die Beine des Beamten gezielt. Nur weil R. nach dem Schuss ins Knie zusammengesackt sei, habe das zweite Projektil den Oberkörper getroffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2010)

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