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Morgenglosse

Irrfahrt durch die Seuche

Farce um die österreichische FFP2-Maskenpflicht: Die EU hält wenig davon.
Farce um die österreichische FFP2-Maskenpflicht: Die EU hält wenig davon.APA/AFP/ALEX HALADA
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Auch nach einem Jahr der Pandemie schafft es weder Österreichs Regierung noch die EU, den Bürgern verlässliche Daten zu liefern. Die jüngste Farce um die FFP2-Maskenpflicht illustriert die politischen Probleme, welche daraus folgen.

Der französische Physiker Étienne Klein hat in seinem klugen Essay „Le goût du vrai“ eine wichtige Einsicht festgehalten, die uns in der intellektuellen und politischen Bewältigung der Pandemie ziemliche Schwierigkeiten bereitet: „Die Wissenschaften schreiten durch die kollektive Organisation von wissenschaftlichen Kontroversen voran.“ Klar: keine Wissenschaftler, keine Expertin, niemand ist unfehlbar. Aber durch die offene Auseinandersetzung und kritische Analyse, strukturiert durch den Rahmen der Methode, bringen sie uns der Wahrheit näher.

Diese Haltung sollte auch die Politiker in ihrem Umgang mit Covid-19 leiten. Stichwort: evidenzbasiertes Entscheiden. Doch leider ist es auch knapp vor dem ersten Jahrestag der Pandemie noch immer nicht möglich, das Vertrauen und die Selbstverantwortung der Bürger durch stichhaltige, schnell verfügbare und transparente Daten über die Seuche und ihre Bekämpfung zu stärken. Wir wissen heute weder in Österreich noch in der Europäischen Union genau, wie viele Infizierte es gibt - denn jedes Land testet, wie es ihm sinnvoll erscheint. Wir haben auch keinen Begriff davon, wie viele Menschen bereits geimpft wurden - denn die lokalen, regionalen, nationalen Behörden sind entweder unfähig oder unwillig, die verabreichten Impfdosen zu zählen. Darum ist auch der neue Covid-19 Vaccine Tracker des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) fürs Erste leider nutzlos. Denn mehrere Staaten melden veraltete, falsche oder - wie auch Österreich - gar keine Daten an die ECDC-Zentrale in Stockholm.

Das ist fatal, denn die Bereitschaft der Bürger, die fortschreitend strengere Beengung ihrer Freiheiten zu akzeptieren, sinkt. Wie wollen unsere Regierenden es erreichen, dass wir nicht nur die Buchstaben der seuchenpolitischen Verordnungen und Gesetze zähneknirschend akzeptieren, sondern auch ihren Geist erfüllen? Wir uns also so verhalten, dass wir möglichst weder uns selbst anstecken, noch unsere Mitmenschen gefährden? Wenn nicht einmal die Fakten auf dem Tisch liegen, man jeder Statistik einzeln nachlaufen muss, um sie dann doch nur löchrig und veraltet zu finden, ist der Kampf um die Wahrheit schwer zu gewinnen.

Und dann sprießen Misstrauen, Verschwörungsgespinst, Wahn. Die jüngste Farce um die österreichische FFP2-Maskenpflicht, von der man mit Ausnahme Bayerns im Rest Europa wenig hält, veranschaulicht das. Der schlampige Umgang der Regierung mit den Fakten und der Evidenz macht es vielen Zeitgenossen offenkundig unmöglich, in der Sache ruhigen Kopfes zu diskutieren. Die Lektüre der Debatten unter dem Bericht der „Presse“ zeigt: Man ist für die Maske, oder dagegen. Nuancen sind planiert. So kann man keinen Staat machen. Und so wird die Bekämpfung dieser schlimmen Krankheit länger dauern, als es möglich wäre.