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Bilanz

OMV: Neue Welt und neue Ziele

Rainer Seele baut die OMV zum Chemiekonzern um.
Rainer Seele baut die OMV zum Chemiekonzern um.APA/GEORG HOCHMUTH
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Der Umbau des Energiekonzerns nimmt Fahrt auf. Nach einem schwachen Corona-Jahr 2020 verliert Erdöl weiter an Bedeutung. Wachsen will die OMV im Chemiegeschäft mit Borealis.

Wien. „Die Welt hat sich gedreht“, sagt Rainer Seele, Konzernchef des teilstaatlichen Energieriesen OMV. Er war vor einigen Jahren mit dem Versprechen angetreten, die Öl- und Gasreserven des Unternehmens zu verdoppeln und engere Bande zu Russland zu knüpfen. Davon ist inzwischen wenig zu hören. Die Zielmarke 600.000 Fass Erdöl am Tag zu produzieren, gilt nicht mehr. Auch der lange erwartete Einstieg in die sibirischen Achimov-Gasfelder ist „nur noch eine Option“, so der Firmenchef anlässlich der Vorlage der Jahresbilanz 2020. Das Projekt habe „in der Energiewende Bedeutung und Gewicht verloren“.

In dieser Tonart wird es beim einstigen Mineralölkonzern auch in den kommenden Jahren weitergehen. Statt immer mehr Öl und Gas zu fördern, um dieses in den Tanks zu verbrennen, soll die OMV „Kunststoffe für Solaranlagen, Windräder und Stromnetze“ bauen, und so einen Fixplatz in der emissionsarmen Zukunft buchen.

Der wichtigste Schritt auf diesem neuen Kurs war die rund vier Milliarden Euro schwere Übernahme des Mehrheitsanteils am Chemieriesen Borealis. Von ihm erwartet sich der Vorstand künftiges Wachstum, hier soll auch ein Gutteil der Investitionen der kommenden Jahre landen. Die hohe Bedeutung verdeutlicht auch der Aufstieg des bisherigen Borealis-Chefs Alfred Stern in den OMV-Vorstand. Wie berichtet, wird der 56Jährige künftig den neu geschaffenen Bereich Chemicals & Materials leiten. Er übernimmt damit viele Agenden von Thomas Gangl, der vorerst für Raffinerien zuständig bleiben wird. Dem Vernehmen nach ist sein Wechsel an die Spitze der Borealis allerdings schon avisiert.

Schwache Corona-Bilanz

Im Geschäftsjahr 2020 wurde die Borealis erstmals in den Büchern OMV konsolidiert. Die schwache Entwicklung im Coronajahr konnte aber auch das stabile Geschäft des Kunststoffherstellers nicht ausgleichen. Umsatz und Gewinn der OMV brachen jeweils um ein knappes Drittel auf 16,6 bzw. 1,5 Milliarden Euro ein. Der operative Gewinn vor Sondereffekten schrumpfte gar um mehr als die Hälfte.

Vor allem der Upstream-Bereich, also das Suchen und Fördern von Öl und Gas, wurde vom Einbruch der Konjunktur und des Erdölpreises kalt erwischt. Auch die Öl-Produktion des Konzerns sank im Vorjahr aufgrund von Produktionsstopps in Libyen um fünf Prozent auf 463.000 Fass am Tag. Die Aktionäre - allen voran die Republik Österreich – haben dennoch Grund zur Freude. Die Dividende wird von 1,75 auf 1,85 Euro je Aktie erhöht.

Die Verwandlung der OMV schlägt sich nicht nur auf der Vorstandsebene nieder, sondern auch im Konzern selbst. Die OMV trennt sich aktuell von einigen Geschäftsbereichen, die nicht mehr in die neue Strategie passen wollen. 2020 verkaufte das Unternehmen etwa den 51-Prozent-Anteil am heimischen Gasnetzbetreiber Gas Connect Austria sowie die Tankstellen in Deutschland. Auch der Verkauf des Kasachstan-Geschäfts ist in trockenen Tüchern.

Tankstellen werden verkauft

Heuer sollen zusätzliche Geschäftsbereiche abgestoßen werden: Zunächst sucht die OMV Interessenten für das Tankstellennetz in Slowenien und auch das Düngemittelgeschäft von Borealis steht – wieder einmal – zum Verkauf. Schon vor zwei Jahren hat Borealis erfolglos versucht, die Sparte, deren 2000 Mitarbeiter immerhin 15 Prozent des Umsatzes erwirtschaften, loszuwerden. Sind diese Verkäufe erledigt, will Konzernchef Rainer Seele noch eine dritte Runde an Verkäufen nachlegen, um den Verschuldungsgrad des Unternehmens wieder in Richtung 30 Prozent zu drücken.