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Selbsttests in Schulen: „Es wird nicht alles perfekt ablaufen“

Die Testpakete des Bildungsministeriums
Die Testpakete des BildungsministeriumsAPA/HERBERT NEUBAUER
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Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) geht in die Offensive: Die „Nasenbohrertests“ seien nicht fehlerlos. „Ich sehe aber keine wirkliche Alternative.“

Ab Montag dürfen in den Klassen nur noch negativ getestet Schüler Platz nehmen. Dafür wird das Bildungsministerium Corona-Selbsttests zur Verfügung stellen. Doch genau diese Anterio-Nasal-Tests, bei denen ein Abstrich im vorderen Nasenbereich ausreichend ist, standen zuletzt in der Kritik. Es besteht Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit. Der Bildungsminister rückte am Donnerstag deshalb zur Verteidigung aus. Konkret ging er in die Offensive.

Zu den Bedenken, dass die in den Schulen verwendeten Nasenbohrertests weniger genau als die PCR-Tests sind, sagte Heinz Faßmann in einem Hintergrundgespräch: „Ja, weiß ich. Gar keine Frage. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass wir zweimal wöchentlich PCR-Nasen-Rachen-Abstriche bei Schülerinnen und Schülern durchführen können? Glaubt jemand ernsthaft, dass wir bei Kindern im Volksschulalter tiefe Nasen-Rachen-Abstriche in hoher Frequenz und mit Akzeptanz der Eltern machen können? [. . .] Und glaubt jemand wirklich, dass wir für 50.000 Klassen [. . .] die Logistik und Laborkapazität haben?“ Der Bildungsminister geht offenbar nicht davon aus.

Das von ihm auserkorne Testverfahren sei nicht perfekt. Tatsächlich schlugen diese Tests Untersuchungen zufolge bei asymptomatisch Infizierten mit einem Ct-Wert von 18 bis 24 nur in 50 Prozent der Fälle an. Dabei sind Personen mit einem derart niedrigen Ct-Wert häufig hoch ansteckend. „Hm“, kommentiert der Minister diese Zahlen, „dann freue ich mich, die Hälfte erfasst zu haben, denn wenn ich keine Tests mache, entdecke ich gar niemanden.“ Außerdem würden drei Viertel der symptomatisch Erkrankten richtig erfasst werden.

Aufregung im Ministerium

Zu der gewählten Teststrategie an den Schulen sieht Faßmann „keine wirkliche Alternative“. Dem kommenden Montag sieht er mit Spannung entgegen. „Wir sind alle ein bisschen aufgeregt.“ Immerhin handle es sich um ein riesiges Projekt. Der Minister baute schon einmal vor: „Es wird nicht alles perfekt ablaufen.“ Es brauche anfangs etwas Toleranz.

Geplant ist, dass an den Schulen zweimal in der Woche (Montag und Mittwoch) getestet wird. Nach und nach werden die Schulen mit den Testkits beliefert. Zu Beginn hat es dabei gröbere logistische Schwierigkeiten gegeben. Die Lehrergewerkschaft hat vor gut zwei Wochen noch von einem „Gesamtdesaster“ gesprochen. Die Situation hat sich aber offenbar verbessert. Die Verteilung hat die Post übernommen. Das Ministerium hat mittlerweile 20 Millionen Stück geordert.

Durchgeführt werden die Tests an der Schule (im Freien oder mit genügend Abstand in der Klasse). Jüngeren Kindern soll von den Lehrern und Schulärzten geholfen werden. Eltern, die das möchten, dürfen in der ersten Woche dabei sein.[R65W6]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2021)