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Streamingtipps

Bitte zum Tanz! Fünf Filme als Ersatz für die Ballsaison

Kein Opernball, Leere in den Redoutensälen. Wem angesichts des Ausfalls der Ballsaison traurig zumute ist, der kann sich immerhin ein Substitut zuführen: Filme, die Paartanz und Gesellschaftstrubel feiern.

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Maskerade

Von Willi Forst, 1934
Zu sehen im Filmarchiv-Heimkino

Der zwangsmäßige Hiatus der Ballsaison ist nicht nur ein Symbol für unseren andauernden Geselligkeitsentzug, er nagt auch an der nationalen Identität. Denn das Traumbild des seligen Rausches auf glänzendem Parkett, des weltvergessenen Wirbels von Smokings und Roben unter leuchtenden Lustern – diese nostalgische Nobelparty-Fantasie gehört ebenso zum imaginären Gefüge „Österreich“ wie Hüttengaudi, Bosnastand und Perchtenlauf; so sehr, dass der „Wiener Ball“ 2010 ins Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen (und 2012 wegen Kontroversen um die Inklusion des WKR-Balls wieder heraus gestrichen) wurde.

Abseits von Erik Charells „Der Kongreß tanzt“ (1931) fasst kaum ein Film den Reiz dieser Festivität besser als Willi Forsts Melodram „Maskerade“ (1934). Der Ball ist hier ein fesch zamgschwanzter Hort ausgelassener Feierlaune, sozialer Repräsentation – und nicht zuletzt amouröser Abenteuerlust. So kommt es über vergnügliche, mit tänzerischer Eleganz inszenierte Umwege zur Paarbildung zwischen Gentleman-Bohemien (Adolf Wohlbrück) und rechtschaffenem Dienstmädchen (Paula Wessely). Bis 11. 2. läuft der Klassiker kostenfrei im Online-Heimkino des Filmarchivs Austria. (and)

Die Schöne und das Biest

Von Gary Trousdale und Kirk Wise, 1991
Zu streamen auf Disney+

Das Ungleichgewicht in der Beziehungskonstellation dieses Disneys-Zeichentrickklassikers (Stichwort Stockholm-Syndrom) wurde oft problematisiert; doch im Kern schwelgt der Film in der universellen Sehnsucht nach der Überwindung zwischenmenschlicher Gegensätze durch romantische Annäherung. Eine Utopie, die sich hier vor allem in der Redoute verwirklicht: Belle und ihr Balltiger wagen sich ganz allein auf den goldschimmernden Marmorboden einer prachtvollen Säulenhalle (seinerzeit eine Pionierleistung digitaler 3D-Animation). Und finden im anschmiegsamen Paartanz ohne Worte zueinander, getragen vom Begleitgesang: „Tale as old as time / True as it can be“. (and)

Strictly Ballroom

Von Baz Luhrmann, 1992
Zum Leihen oder Kaufen bei diversen Anbietern (ab 2,99 Euro)

Gesellschafts- und Turniertanz heißt im Englischen „Ballroom Dance“. Dafür braucht es keinen Ball, nur unbeengten Platz. Und obwohl Baz Luhrmann seinen australischen Debütfilm ganz klassisch mit dem Donauwalzer einleitet, geht es ihm letztlich um das Aufbrechen von Traditionen, um postmoderne Verquickung disperser Bewegungskulturen, vom Softrock-Geschunkel bis zum Paso Doble. Die Energie dieses kinetischen Karnevals vermittelt sich (im Rahmen einer Folge-deinem-Traum-Story) auch über ästhetische Hyperaktivität – die im Vergleich zu Luhrmanns späteren Hollywood-Stückerln („Moulin Rouge!“) noch einigermaßen zurückhaltend wirkt. (and)

Anna Karenina

Von Bernard Rose, 1997
Zu streamen auf Sky

Genau wie in der 1000-seitigen Romanvorlage von Tolstoi, die Bernard Rose zum 100-minütigen Melodram kondensiert, legt ein Ball die Charaktere auf ihr künftiges Schicksal fest. Die verheiratete Titelheldin (betörend: Sophie Marceau) und der alleinstehende Offizier Wronski (adrett: Sean Bean) taumeln durch ihre rauschhafte Tanzeinlage in eine verhängnisvolle Amour Fou. Kitty und Levin (sympathisch: Alfred Molina), die am selben Abend nicht miteinander tanzen, weil die ledige Fürstin den romantischen Gutsbesitzer abblitzen lässt, sind hingegen später ein glückliches Liebespaar. Nicht zu tanzen ist manchmal besser. Es könnte katastrophale Folgen haben, wie das im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts spielende Sittengemälde eindringlich demonstriert. (mt)

Darf ich bitten?

Von Peter Chelsom, 2004
Zu streamen auf Sky

Der junge Assistent des Privatdetektivs, den Beverly (Susan Sarandon) damit beauftragt hat, ihrem neuerdings verdächtig gutgelaunten Mann hinterher zu spionieren, ist belesen: „Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung“, zitiert er den amerikanischen Schriftsteller Henry David Thoreau, als herauskommt, dass John (Richard Gere) zwar nicht fremdgeht, aber seinem resignativen Gemütszustand als betriebsamer Zivilisationsmensch dadurch entflieht, dass er heimlich eine Tanzschule besucht. Obwohl die romantische Faszination des Anwalts für die melancholische Tanzlehrerin Paulina (Jennifer Lopez) in keine Affäre mündet, knistert ihr Training vor ekstatischer Erotik. Sie schwitzen und reiben ihre Körper aneinander.

Das US-Remake des japanischen Komödien-Hits „Shall We Dance?“ ist seichter als das Original. In Japan sind tanzende Männer ein Tabu, im Westen sind sie es hingegen nicht. Der Humor ist dadurch zahnloser. Dennoch überzeugen die feurigen Tanzeinlagen (Walzer, Rumba, Tango, Salsa), die schrulligen Nebenfiguren (gespielt von Stanley Tucci oder Richard Jenkins) und die märchenhafte, an klassische Hollywood-Musicals erinnernde Atmosphäre. (mt)

 

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