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Von zahllosen Stürmen geschüttelt, doch stets ungerührt – dem Augenschein nach: Prunus armeniaca, 1928 (?) bis 2021.
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Gartengestaltung

Von der Ordnung und Unordnung der Gärten

Seit Tagen schaue ich, da ich diese Zeilen schreibe, auf die Leerstelle in meinem Garten, die mein alter Marillenbaum hinterlassen hat. Gut 90 Jahre alt, wurde er vergangenen Montag gefällt. Vom Wachsen, Vergehen und neu Entstehen. Kagraner Marginalien zur Wiener Siedlerbewegung.

Montags um acht war die Welt noch in Ordnung. Nicht die große, weite, wann wäre die je in Ordnung gewesen. Nein, die bescheidene Gartenwelt, die sich, 80 Quadratmeter klein, hinter meinem Siedlungshaus zu Kagran gegen Osten streckt. Gewiss, sogar diese Siedlungsgartenordnung strebt wie alles im Kosmos, ewigen Gesetzen folgend, stets der Unordnung zu, wer wäre Gärtner und wüsste das nicht. Doch bei allem, was da immer vor sich ging, ob sommers, ob winters, bei Regen, bei Schnee, stand da, umtost vom Toben der Jahre, der eine, der Ordnung und Orientierung schuf, wie sehr sich auch alles im Chaos von Wachsen, Werden und wieder Vergehen verlor: ein Marillenbaum, Maßstab für alles, was rundum geschah, als könnt's nicht anders sein und als sei er selbst längst enthoben den Zwängen, die der Zirkel des Lebens jedem sonst aufdrängt.