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Als man noch mit Fremden tanzte: Ehepaar Obama mit Profitänzern.
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Zeichen der Zeit

Wenn wir wieder tanzen

Manchmal ist es nötig, sich zur Wehr zu setzen. Man lernt es. Man lernt auch zu verzeihen. Man lernt Milde beim Tanzen. Man lernt Haltung. Man lernt auszuhalten, dass man lernt. Tanzen ist Körperarbeit, und diese brauche ich, um einen Lebensgeist für alles zu haben. Ich rede von meiner Leidenschaft.

Die Ballsaison ist abgesagt. Niemand nimmt Kurse. Corona schlägt eine ganze Branche nieder und der Klientel aufs Gemüt.

Ohne Tanz werde ich weniger, denn jeden Tag ohne Tanz sterbe ich ein bisschen. Zur Not greife ich auf höfische Formen des Tanzes zurück und schlüpfe in einen ausladenden Reifrock, der so viel Raum um mich herum okkupiert, dass Körperkontakt mit einem Partner nicht zustande kommt. Oder ich vereinzle mich im Stampfen zur Technomusik, lasse mich allein im Wohnzimmer hängen und pendle den Kopf hin und her, drehe mich, bis ich in die Ekstase der Derwische gerate. So könnte meine gesetzlich verträgliche Revolte gegen ein Virus aussehen, das schneller seine Pirouetten vollführt, als die Konzerne Impfungen liefern. Ach, Tanzen gegen den Verfall der Demokratie, im Freien auf der Straße in Maske und Tutu. Eine Lachparade ergäbe dieses Faschingstreiben auf der Ringstraße, ein Lebenszeichen des Life Balls, wichtiger Beitrag der Euro-Pride-Bewegung gegen die Rechten und ihre Mitläufer.