Neuer Radiodirektor: "Bin gekommen, um zu blieben"

Neuer Radiodirektor Amon: “Bin gekommen, um zu blieben”
Neuer Radiodirektor Amon: “Bin gekommen, um zu blieben”(c) ORF (Thomas Ramstorfer)
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Karl Amon wurde mit einer klaren Mehrheit im Stiftungsrat zum neuen ORF-Hörfunkdirektor bestellt. Als Kandidat für die Generaldirektoren-Wahl will er sich nicht aufstellen lassen, Radiodirektor sei sein "Traumjob".

Donnerstag wurde Fernseh-Chefredakteur Karl Amon vom ORF-Stiftungsrat mit einem überraschend klaren Votum von 23 Pro- zu zwölf Kontra-Stimmen zum neuen Hörfunkdirektor gewählt. Neben den Stimmen von SPÖ, BZÖ, Grünen und Betriebsräten erhielt Amon auch die Unterstützung von Gerhard Tötschinger und Heinz Fiedler, die aus der ablehnenden Linie des ÖVP-"Freundeskreises" ausscherten. FPÖ und FPK blieben bei ihrem Nein.

ORF-Direktor Alexander Wrabetz freute sich denn auch, dass sein Vorschlag "fast eine Zweidrittelmehrheit" bekommen hatte. Entgegen den Behauptungen der ÖVP sei es zu "keiner Spaltung" des Gremiums gekommen. Die Funktion bis zum Auslaufen der Geschäftsführungsperiode Ende 2011 nicht nachzubesetzen, wie es sich die Bürgerlichen aus Kostengründen (kolportiertes Einsparungspotenzial: 500.000 Euro) vorgeschlagen hatten, wäre seiner Ansicht nach nicht vernünftig gewesen: "Das ist eine wichtige Funktion" - eineinhalb Jahre wären eine zu lange Zeit, um den Posten unbesetzt zu lassen.

"Alle Führungskräfte" als Nachfolger geeignet

Amon wird sein Amt am 1. Oktober antreten. Bis zur Nachbesetzung der TV-Chefredaktion will er diese Funktion aber weiter wahrnehmen - möglicherweise bis nach der Wien-Wahl. Er werde "den Fuß in der Tür lassen", bis sein bisheriger Job nachbesetzt sei: "Alle meine Führungskräfte wären für diesen Job geeignet." Auch Armin Wolf, der bereits Interesse bekundet hat? "Ja, das umschließt auch den ,ZiB2'-Moderator." Als mögliche Kandidaten werden auch TV-Chronikchefin Brigitte Handlos und der derzeit stellvertretende Innenpolitik-Chef Fritz Dittlbacher gehandelt.

Amon sieht sich mit seiner Bestellung am Ziel eines "Lebenswunschs": "Die Radiodirektion ist mein Traumjob." Auf die Frage, ob er sich im kommenden Jahr als Kandidat für die ORF-Generaldirektion aufstellen lassen werde, meinte Amon: "Ich bin gekommen, um zu bleiben. Das ist keine Zwischenstation. Wäre der Generaldirektorsposten mein Traumjob, dann hätte ich mich darum bemüht. Das ist wie bei einer Frau, die man sehr liebt - da bleibt man dann."

Dass er als Personalwunsch der SPÖ und von Bundeskanzler Werner Faymann gilt, stört Amon wenig: "Ich hoffe, dass ich sehr bald auch der Wunsch des Publikums werde. Ein Problem hätte ich, wenn ich mich instrumentalisieren lassen würde."

Parteien und Machthabern "auf die Finger schauen"

Wie er sich politisch zuordnen würde? "Ich habe einmal scherzhaft gemeint, dass ich nicht gerade zum harten Kern der Konservativen zähle." Er verstehe es als Aufgabe der Journalisten, den politischen Parteien und Machthabern "auf die Finger zu schauen, Schwachstellen aufzuzeigen" und "Demokratiesicherung" zu betreiben. Dass er in der roten Arbeiterkammer sozialisiert ist, "stimmt", so Amon - als SP-nah deklariert er sich aber nicht. "Man wird immer zugeordnet."

Von der ventilierten Zusammenlegung der Online- mit der Radiodirektion hält Amon wenig: "Ich bin der Meinung, dass Online zum Fernsehbereich gehört und nicht zum Radio. Ich nehm's gerne - als Servicestelle für unser Publikum ist das sicher toll. Aber wenn man sich die internationale Entwicklung anschaut, nordische Länder oder Deutschland, dort ist der Onlinebereich beim Fernsehen angesiedelt." Es wäre "vernünftig", wenn man die Redaktionen von Fernsehen, Radio und Online in einem gemeinsamen Newsroom zusammenfasst, damit die Kommunikationswege kurz sind und Synergien genutzt werden können., Bis hin zu einer gemeinsamen Notredaktion, die in der Nacht alle drei Medien bedienen könnte.

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