Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Goldener Tee

Das "Schaufenster" ist schuld: Österreich hat als einziges Land außer Südkorea nun Goldenen Tee. Der Weg von Ostasien hierher war freilich nicht ohne.

enn Sie wüssten, was ich schon herumtelefoniert habe, um koreanischen Tee aufzutreiben!“, war an dieser Stelle vor exakt einem Jahr minus einem Tag zu lesen. Ein Anruf im Teehaus Haas & Haas ein paar Stunden nach Erscheinen des „Schaufensters“ war die Folge: „Wir haben da etwas für Sie.“ Und seither verging fast kein Tag, an dem sich die Botschaft der Republik Südkorea nicht bei Chefin Eva Haas meldete. Sie sollte die traditionsreiche, aber in Europa gänzlich unbekannte koreanische Teekultur in großem Stil importieren. Nach unzähligen
gegenseitigen Höflichkeitsbezeugungen, Dinnereinladungen und einer Reise durch Südkorea, die sich wie ein Staatsbesuch gestalten sollte, samt reichlich Berichten in dortigen Medien, gibt es nun Tee der neuen Prove-
nienz am Stephansplatz zu kaufen. Wohin übrigens anlässlich der Präsentation eine nicht weniger als 15 Köpfe fassende offizielle Delegation aus Südkorea anreiste.

Überraschung

„Mit Nepal und Vietnam als relativ unbekannten Herkunftsländern haben wir erst vor Kurzem begonnen“, sagt Eva Haas. „Von Südkorea haben wir nicht allzu viel Neues erwartet, aber Minister Paik war hartnäckig.“ Zu Recht, wie sich herausstellte, denn der grüne und schwarze Tee der Halbinsel überraschte selbst die erfahrene Verkosterin. Sie entschied sich für ihr Geschäft etwa für den Ddeok-Cha, einen Tee, der sich wie Bordeaux verhält und mit dem Lagern immer besser wird – drei Jahre müssen es mindestens sein. Frische Teeblätter werden dafür zermörsert und in kleine, blümchenförmige Schablonen gepresst. Davon bricht man nach dem Trocknen Segmente ab und brüht sie auf. Weiters orderte sie den Boseong-Grüntee: eine Rarität mit Maroniaroma im Abgang. Oder den Schwarztee Aram, der geschmacklich zwischen rosig und erdig changiert und „im Mund ständig etwas Neues macht“.

Erstaunt war Eva Haas, als sie in der Hauptstadt Seoul die edlen Teeboutiquen besucht hat. Man preist dort die besten Ernten nicht etwa in Hinblick auf das einzigartige Aroma oder den Seltenheitswert an. Sondern wirbt mit dem gesundheitlichen Nutzen – was hierzulande ziemlich absurd erscheint. „Bei uns gibt es Kämpfe um Tee-raritäten, und dort ist der edelste Grüntee nur Medizin für die Augen oder die Nieren“, wundert sich Haas, das südkoreanische Gesundheitsbewusstsein sei enorm.

Regelwerk

Ganz ohne interkulturelle Komplikationen ging es bei dem Teeaustauschprojekt freilich nicht ab: Die strengen südkoreanischen Hierarchien mussten verinnerlicht werden, wie auch das ausufernde Geschenke-Hin-und-Her, für das ebenso genaue Regeln gelten. Und neben der koreanischen Teezeremonie kennt Frau Haas nun auch die koreanische Visitenkartenzeremonie: Man nehme die dargebotene Karte mit beiden Händen, bestaune sie gebührend, nicke minutenlang wohlwollend, stecke die Karte dann bitte um Himmels willen nicht in die Hosentasche, sondern platziere sie gut sichtbar vor sich auf dem Tisch und beachte sie fortlaufend.

Weil Eva Haas dies alles mittlerweile aus dem Effeff beherrscht, darf sie etwas importieren, das es sonst nirgends gibt: schwarzen oder grünen Tee, der mit goldhältigem Wasser gegossen wird. 160 Gramm kosten die Wenigkeit von 840 Euro, nebenbei bemerkt. Weltweit einzigartig, produziert eine winzige Bioplantage an der Küste Südkoreas diese Rarität mit kolloidalem Gold, wie es richtig heißt, nur der allerbeste Teil der Ernte wird mit goldenen Händchen angefasst. Metallischen Geschmack darf man sich freilich nicht erwarten: Vielmehr schwebt der Goldtee mit asiatischer Höflichkeit über der Zunge.