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Fahrbericht

Cupra Formentor: Ein kleiner Lamborghini Urus fürs Volk

Klare Linien und ein selbstbewusster Auftritt auf 19-Zoll-Rädern.
Klare Linien und ein selbstbewusster Auftritt auf 19-Zoll-Rädern.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Mit dem Formentor präsentiert die junge Marke Cupra ihr erstes echtes Sport-SUV. Fährt sich so schnittig, wie es aussieht.

Wien. Wir alle hier in der Motorredaktion der „Presse“ waren Fans des Cupra Ateca, als die Marke noch ein vorsichtiger Testlauf war und das erste Modell nichts anderes als ein aufgemotzter Seat mit anderem Logo. Aber der Cupra war ein stimmiges SUV „mit dem Herzen eines Sportwagens“, wie die Eigendefinition lautete, das uns schöne Ausfahrten beschert hat, unter anderem eine über das Hahntennjoch in Tirol samt einer sympathischen Begegnung mit einem bayerischen 911er-Fahrer.

Der Cupra Ateca hat nicht nur uns gut gefallen. Das Modell entwickelte sich zum Verkaufsschlager und die junge Marke von Seat zum motorischen Traum vieler sportlicher Autofahrer. Wir empfahlen den Cupra damals den SPÖ-Politikern Thomas Drozda und Georg Dornauer, die mit ihren Porsches für Aufregung gesorgt hatten, weil der Ateca für Sozialdemokraten verträglicher ist als Gefährte aus Zuffenhausen und man ihm seine sportliche Gesinnung nicht ansieht.

Schnittiges Coupe statt unscheinbarer SUV
Schnittiges Coupe statt unscheinbarer SUV(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Damit ist es jetzt vorbei. Dem neuen Cupra Formentor, dem ersten eigenständig entwickelten Cupra, sieht man seine Gesinnung durchaus an. Hier kommt kein unscheinbares Kompakt-SUV daher, sondern ein schnittiges SUV-Coupé mit scharfen Linien und Kanten, das auf 19-Zoll-Rädern selbstbewusst auftritt und seine ungewöhnliche Erscheinung mit der optionalen Mattlackierung noch unterstreicht. Man kann in ihm – wenn man will, ein wenig Fantasie hat und sich selbst eine Freude machen will – Ansätze des Lamborghini Urus sehen. Ein kleiner Lambo für das Volk also.

Viel schlechter klingt der Formentor VZ (VZ für das spanische Wort „veloz“, schnell) auch nicht. Der Klang des V8 ist beim Urus halt echt, beim Formentor kommt er von einem Soundgenerator. Was soll man sich von einem Vierzylindermotor auch erwarten, selbst wenn er 310 PS bereitstellt und vier Endrohre hat? Es mag ein wenig infantil sein, wenn man mit dem künstlich erzeugten Motorengeräusch eine Freude hat. Aber was bleibt einem noch in Zeiten wie diesen, in denen immer mehr Zylinder gezogen, immer mehr Elektromotoren eingebaut werden und Lamborghinis in unerreichbaren Sphären schweben?

Ein aufgeräumtes Cockpit
Ein aufgeräumtes Cockpit(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Steigt man in den Cupra Formentor ein, erlebt man ein freudiges Wiedersehen mit dem Seat Leon. Im Werk hat man sich offensichtlich eifrig an dem Teileregal des Leon bedient. Das ist jetzt nichts Schlechtes, weil der Innenraum des Seat Leon ansprechend ist und mit dem durchgehenden Lichtband, das mit Lichtspielen auch als Blinder-Winkel-Warner fungiert, Akzente setzt. Gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Steuerung von Navigation, Musik und Klimaanlage über den Zwölf-Zoll-Touchscreen.

Apropos Lichtband: Das gibt es durchgängig auch am Heck des Formentor, einst ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Porsche-Generation. Sieht fesch aus, ebenso wie der Dachkantenspoiler.

Hinten strahl ein durchgehendes Leuchtband
Hinten strahlt ein durchgehendes Leuchtband(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Und wie fährt er sich? Wir haben uns bei einem Ausflug in das Wechselgebiet durch die verschiedenen Fahrmodi gearbeitet. Mit „Comfort“ glitten wir entspannt und leise durch die 30er-Zonen Wiens und über die Autobahn bis zur Ausfahrt Grimmenstein. Dort wurde es der Sport-Modus und ab Aspang-Markt wählten wir mit einem weiteren Druck auf den kleinen Knopf am Lenkrad das Setting „Cupra“, das zugleich das Fortissimo des Soundgenerators aktiviert. Die Modi steuern Lenkung, Dämpfer und das Ansprechverhalten des Motors samt dem Schaltzeitpunkt des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Im Individualmodus lassen sich die Dämpfer per Touch-Slider sogar in bis zu 15 Stufen variieren, wenn man es besonders hart oder besonders sanft mag.

Per Knopfdruck ändert man den Fahrmodus
Per Knopfdruck ändert man den Fahrmodus(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Mit den vier angetriebenen Rädern liegt der Formentor stets stabil auf der Straße, neigt auch bei zu frühem Beschleunigen aus der Kurve nicht zum Untersteuern, bietet mit 400 Nm Drehmoment entsprechenden Druck und fährt sich präzise. Mehr Fahrspaß bekommt man derzeit um 51.720 Euro (Einstiegspreis) kaum wo.

Viel mehr muss man für den Cupra Formentor auch nicht ausgeben. Die 18-Zoll-Brembo-Bremsanlage in der Cupra-typischen Kupferfarbe sieht zwar gut aus, arbeitet aber nicht derart besser, dass man dafür 2720 Euro Aufpreis bezahlen muss. Besser, man investiert das Geld in Ausflüge und schöne Hotels – wenn sie endlich wieder öffnen dürfen. Damit tut man nicht nur sich etwas Gutes, sondern auch den Hoteliers.


[R6TCE]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2021)