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Die Bordmagazine nach der Coronakrise

Abkehr. Die Sitztasche wird leerer: Einige Airlines (hier ein Symbolbild) verzichten auf Bordmagazine, auch aus hygienischen Maßnahmen.
Abkehr. Die Sitztasche wird leerer: Einige Airlines (hier ein Symbolbild) verzichten auf Bordmagazine, auch aus hygienischen Maßnahmen.(c) REUTERS (CARLO ALLEGRI)
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167. Seit vergangenem Frühjahr wurden die meisten Bordmagazine eingestellt. Nur vorübergehend?

Im Jahr 1963 entschloss sich die US-Fluglinie Pan American World Airlines (1927 1991), kurz Pan Am, ihren Passagieren eine schwarz-weiße Eigenbau-Zeitschrift namens "Clipper" auf die Reisen mitzugeben. Man konnte das erste Bordmagazin der Welt sogar abonnieren, für 2,50 Dollar jährlich. Das langlebigste Produkt dieser Art erfand die KLM: Der "Holland Herald" bringt es seit 1966 auf über sechshundert Ausgaben.

Ich bin hingebungsvoller Konsument der Populärkultur aus den Sitztaschen des Vordersitzes allerdings nur selten aufgrund der Qualität, handelt es sich doch unübersehbar um ein Werbeprodukt. Oft beobachte ich fasziniert, wie Kolleginnen und Kollegen unter Problembedingungen passable Magazine zustande bringen.

In der jetzigen Umbruchszeit meinte der Chef von TUI-Deutschland, Marek Andryszak, das traditionelle Reiseveranstaltergeschäft sei nicht zukunftsfähig da sich die Schwerpunkte in Richtung online verschieben. Reisekataloge erscheinen großteils nur noch im Netz, das Reisebürogeschäft wurde von einer neuen Kundengeneration, die beratungsfreie digitale Abwicklung vorzieht, ohnehin bereits minimiert.

Klar steht in dieser erkalteten Stimmung des Reisemarkts auch zu befürchten, dass die Bordmagazine nach der Coronakrise in der sie nicht erschienen Kandidaten für Einsparungsmaßnahmen sind. Neben den Druck- und Produktionskosten wiegen sie pro Maschine insgesamt so viel wie ein Kleinkind, verbrauchen also zusätzlich Kerosin. "Ihr Schreibenden klammert euch nur deshalb überheblich an den Print", höre ich umstrukturierende CEOs säuseln, "weil ihr euch selbst als in höherer Stufe alphabetisiert anseht!"
Mag sein. In unserer Brave-New-Gegenwart, die haptische Gegenstände als potenzielle Virenträger deutet, erweckt die Abkehr vom Bordmagazin bei den Airlines wenig Rechtfertigungszwang. Die Auflagenhöhe sank bereits in den letzten Jahren, wovon die Schmuddeligkeit der Exemplare Zeugnis gab. Werbecontent mit abgespeckten journalistischen Einsprengseln kann man heute mühelos in downloadfähige Digitalausgaben pressen, passend zum Hygienekonzept.