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Hausgeschichte

Vorarlberger Prachtexemplar: Benedikta, das gestrickte Haus

Blick in die gute Stube: historische Kasettendecke trifft moderne Eckbank.
Blick in die gute Stube: historische Kasettendecke trifft moderne Eckbank.Jenny Haimerl
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In Vandans, wo einst die Großmutter der Bauherrin wirtschaftete, entstand (Ferien)Wohnraum aus freigelegter historischer Substanz und modernem Design.

Nah am Waldrand gelegen, steht in Vandans ein für die Gegend ganz traditionelles Haus - jedenfalls von außen. Der Baustil, benannt nach dem Tal Montafon im südlichen Vorarlberg: Vollholz, die Balken an den Hausecken verzahnt, sozusagen gestrickt. Ausnahme ist der Küchen- und Kaminbereich, der gemauert ist. Das Prachtexemplar blickt auf ein stolzes Alter zurück: Es wurde 1836 erbaut und bekam jetzt ein neues - oder, besser gesagt, sein altes - Kleid zurück.

Von Renovierungen befreit

Es ist das Großelternhaus der Bauherrin und wurde schon längere Zeit als Gästehaus verwendet, benannt nach dem Namen der Großmutter, Benedikta. „Unsere Aufgabe bestand hauptsächlich darin, den Originalzustand wiederherzustellen, es unter anderem von den Renovierungen der 1970er-Jahre zu befreien und gleichzeitig zeitgemäß zu erneuern, ohne den Altbestand zu zerstören“, erzählt Architekt Dieter Klammer vom Vorarlberger Architekturbüro ArchitekturTerminal Hackl und Klammer.

Das Montafonerhaus in Vandans.
Das Montafonerhaus in Vandans.Jenny Haimerl

Eines der ersten Dinge, die die Architekten in Angriff nahmen, war, das Eternitdach abzutragen und wieder das typische Holzschindeldach auf das Haus zu setzen – und die ebenfalls typischen Kastenfenster, außen weiß, innen Holz natur und mit grünen Balken, einzubauen. „Damit haben wir dem Haus wieder sein ursprüngliches Aussehen verliehen, die Balkenkonstruktion der Fassade war weitgehend in Ordnung“, erzählt Klammer.

Auch das Erdgeschoß ist mehr oder weniger im Originalzustand belassen worden. „Üblich waren hier eine Küche, eine Stube und das Elternschlafzimmer. Die Aufteilung dieser Räumlichkeiten haben wir beibehalten, die originale Holzvertäfelung musste nicht erneuert werden. Wir haben nur aus dem Elternschlafzimmer einen Aufenthaltsraum gemacht.“ Belassen wurde natürlich auch der zentrale Kamin, der als Abzug für einen Kachelofen dient.

Schwarzstahl trifft Weißtanne

Anders sah es im Obergeschoß aus. „Das haben wir mehr oder weniger bis auf die alte Strickbauweise freigeschält. Alles, was wir hier erneuert haben, haben wir ganz bewusst sichtbar gemacht. Verwendet haben wir dazu Schwarzstahl, Stein und Weißtanne geseift.“ Jedes der vier Zimmer bekam ein eigenes Bad, das gesamte Obergeschoß wurde zusätzlich mit Holzwolle gedämmt.

Blick in die "Mastersuite".
Blick in die "Mastersuite".Jenny Haimerl

Ebenfalls erneuert werden musste die Treppe, die ursprünglich von der Küche in das Obergeschoß führte und „nicht viel mehr war als eine steile Leiter. Wir haben uns entschlossen, die neue Treppe aus Holz und Stahl in den Eingangsbereich zu versetzen, der bis zum Dach geöffnet wurde, sodass man gleich beim Eintreten das gesamte Hausvolumen wahrnimmt“, erläutert der Architekt die Überlegungen hinter dem Plan. Geheizt wird das Haus mit Erdwärme, einer Wärmepumpe und Heizkörpern, einzig in den Bädern und im Eingangsbereich wurde eine Fußbodenheizung gewählt.

Eine weitere Besonderheit des Montafonerhauses ist der sogenannte Schopf. Das ist ein schmaler Anbau an der Seite des Hauses, „in diesem Fall rund zwei mal acht Meter“, in dem ursprünglich Holz gelagert wurde. „Hier haben wir die Technikräume untergebracht und einen Saunabereich mit Dusche und WC, der auch über einen Außenzugang verfügt.“

Die neue Treppenlösung.
Die neue Treppenlösung.Jenny Haimerl

Denkmalgeschützt war das rund 200 Quadratmeter große Haus nicht, dennoch haben sich die Architekten bemüht, „denkmalpflegerisch zu denken und zu handeln“. Eine besondere Herausforderung war „der Umgang mit dem Bestand. Es galt immer wieder neue Entscheidungen zu treffen, denn oft kam etwas anderes zum Vorschein als erwartet. Wir haben immer neue Überraschungen erlebt.“ Die Zusammenarbeit mit der Bauherrin lief dabei bestens, „sie hat jede Entscheidung von unserer Seite mitgetragen“. Deren Entscheidung für die Innengestaltung trägt umgekehrt Klammer gern mit: „Möbel, Accessoires, Textilien passen sehr gut ins Haus, das ist gut überlegt.“

Auch der Bereich um das Haus wurde neu gestaltet – mit kleinen Sitzecken im Garten oder vor dem Haus. Die traditionelle Bank vor dem Haus ist ebenfalls wieder da – sie gehört ja zum Ensemble wie Fensterläden oder Schindeldach.

ZUM ORT, ZUM OBJEKT

Der Name des 2600-Einwohner-Ortes Vandans in Vorarlberg kommt von „ad fontanas“ (bei den Wassern) und weist auf die erste, rätoromanische Besiedlung hin. Das Haus in typischer Bauweise des Tales Montafon, ein Montafonerhaus,wurde vom Vorarlberger Architekturbüro ArchitekturTerminal Hackl und Klammer renoviert und mit modernem Design kombiniert. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Bludenz zwischen 1818 und 3535,50 Euro/m2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2021)

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