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Wellness-Trend

Home-Spa: „Die klassische Sauna im Keller gibt es immer weniger“

Sauna & Co. für die eigenen vier Wände.
Sauna & Co. für die eigenen vier Wände.Pixabay
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Home-Office und -Schooling sind schon integriert, warum nicht auch das Spa? Das denken sich derzeit so einige und holen sich Sauna und Co. in die eigenen vier Wände. Das geht auch auf kleinem Raum – was es zu beachten gilt.

Winterzeit ist Saunazeit. Ob nach dem Skifahren oder beim Thermenwochenende – was gibt es Schöneres, als hitzedampfend aus der Kabine zu kommen und sich in das eiskalte Nass zu werfen? Leider waren solche Gelegenheiten in diesem Jahr rar. Und so überlegen viele, wo man in den eigenen vier Wänden ein bisschen Wellness unterbringen könnte. „Private Rückzugsorte, in denen wir zur Ruhe kommen, uns erholen und eine Pause vom Alltag gönnen, haben stark an Relevanz gewonnen“, erzählt Sauna-Anbieter Josef Deisl.

Sauna in allen Facetten

Die Nachfrage gehe dabei querbeet: Sauna, Infrarot, Dampf, Whirlpool – je nach persönlichem Geschmack. Dem Wunsch nach dem Spa zu Hause kommt entgegen, dass Architekten, Planer und Anbieter in den letzten Jahren zunehmend platzsparende Lösungen entwickelt haben. „Die klassische Sauna im Keller gibt es immer weniger“, beobachtet Architekt Heinz Glatzl, das G im Architekturbüro M&G. „Das Wichtigste ist, dass man Wohlfühlatmosphäre schafft – je lieber ich den Raum betrete, desto öfter werde ich ihn nutzen. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, Saunen, Dampfkabinen oder Infrarot in das Hauptbad zu integrieren oder sie daran anzuschließen.“ Schon in eine Nische von 1,2 mal zwei Metern könne eine kleine Sauna integriert werden, die dann auch barrierefrei sei.

Das Unternehmen Klafs beispielsweise geht einen Schritt weiter und bietet eine Art „Ziehharmonika-Sauna“ an, die im eingefahrenen Zustand 60 Zentimeter Schranktiefe misst und auf Knopfdruck auf 160 Zentimeter ausfährt. Je nach Ausführung und Budget lassen sich dabei unzählige Funktionen auswählen: „Moderne, hochwertige Saunasteuerungen bieten eine intuitive Benutzerführung an. Aktuelle Betriebsdaten wie Temperatur, Feuchte, Zeit, Badebereitschaft und Ähnliches sind so auf einen Blick ablesbar. Gemeinsam mit der Lüftung der Sauna und dem Holz ist das Zusammenspiel zwischen Steuerung und Ofen für das Klima verantwortlich“, sagt Monika Kober, Geschäftsleitung Klafs.

Alles in einem

Auch Kombinationslösungen sind möglich, erklärt Deisl: „Die Bandbreite aus Sauna, Biosauna, Warmluft-, Farblicht- und Infrarotanwendungen kann in einer Kabine vereint und auf kleinstem Raum umgesetzt werden. Die Klimavielfalt einer Kombinationssauna lässt sich heute per Smartphone steuern, Wellness-Profile können personalisiert werden.“ Wen nun der Verdacht beschlichen hat, dass solche technischen Spielereien ein entsprechendes Budget brauchen, der liegt richtig. Zwischen den Lösungen ergeben sich erhebliche Preisunterschiede: Während fertige Kabinen bei Preisen von weniger als 2000 Euro beginnen, rutscht man bei aufwendigeren Individuallösungen schnell in den fünfstelligen Bereich. Fertiglösungen stehen Experten eher skeptisch gegenüber. Deisl: „Bei diesen Kabinen ist – wenn überhaupt – ein sehr einfacher Ofen inkludiert, die Steuerung beschränkt sich oft auf ein Drehrad.“

Die Frage ist auch, wo das Holz herkommt, das verbaut wird, welche Dämmstoffe verwendet werden. Hier solle man vorsichtig sein und darauf achten, dass keine synthetischen Isolierungen oder sonstige Stoffe verbaut sind, welche man beim Saunieren als giftige Dämpfe einatmen könnte. Deisl empfiehlt im Idealfall Massivbauweise, sei das nicht möglich, kann man auf natürliche Dämmstoffe wie Schafschurwolle setzen. Kober empfiehlt, auf Umweltsiegel wie den Blauen Engel zu achten, und rät außerdem von Billiglösungen oder „Marke Eigenbau“ ab: „Die Langlebigkeit dieser Investition – immerhin kauft man eine Sauna im privaten Bereich für 20 und mehr Jahre – ist zu bedenken und soll vor einem billigen Schnellschuss bewahren.“ Er empfehle keinen Bausatz, viele würde schlechte Erfahrungen machen, wie er aus Gesprächen mit hilfesuchenden Saunabauern wisse.

Multitalent Dusche

Auch die Dusche kann mehr, als nur der Hygiene zu dienen: Wenn die Kabine entsprechend abgedichtet wird, kann man eine Dusche durchaus in eine kleine Dampfkammer umwandeln. Auch Infrarotpaneele können integriert werden. Anbieter wie beispielsweise Dornbracht setzen zudem auf gezielte Wasseranwendungen vom Kneipp-Gussrohr bis zum Rundum-Massagedüsen-Ensemble. Unternehmenssprecher Holger Struck rät dazu, vor der Planung die eigenen Gewohnheiten und Vorlieben genau zu beobachten und danach ein „Wünsche-Ranking“ aufzustellen. „Oder die Überlegung, ob eine Wanne, die viel Platz einnimmt, am Ende genauso viel Nutzen bringen kann wie eine Dusche, wenn weniger Platz zur Verfügung steht“, nennt er ein Beispiel. Als Nächstes muss geklärt werden, welcher Wasserdruck zur Verfügung steht, und wie viel Raum für mögliche Unterputzinstallationen – wie etwa eingebaute Massagedüsen. Nicht zu unterschätzen seien bei allen Wellnessanwendungen nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch der rituelle Effekt, meint Struck. Denn das Wohlfühlen finde zu einem großen Teil im Kopf statt.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2021)

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