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Ein Defensivspieler stürmt nach vorn

Porträt. Die Pandemie könnte den Handschuh wieder salonfähig machen. Darauf setzt Ex-Fußballer Raphael Reifeltshammer mit antiviral und antibakteriell behandelten Handschuhen.

Dieses Datum war für Raphael Reifeltshammer wegweisend: Am 26. April des Vorjahrs entdeckte er einen Zeitungsartikel über Handschuhe. Darin war zu lesen, dass über Jahrzehnte Handschuhe aus hygienischen Gründen getragen wurden, wenn man außer Haus ging. Das brachte Reifeltshammer auf die Idee, einen antiviral und antibakteriell behandelten Handschuh auf den Markt zu bringen.

Gemeinsam mit Ingomar Lang machte er sich auf die Suche nach Stofflieferanten und Herstellern. Dann ging alles sehr schnell und brauchte doch seine Zeit. Denn weder er noch Lang hatten Erfahrung mit Textilien und Textilproduktion. In der Schweiz trieben sie einen Technologiepartner auf, der in der Lage ist, Biobaumwollgewebe einzuwaschen: Verwendet wird die HeiQ-Viroblock-Technologie, die eingesetzten Silberionen sollen die Zellteilung verhindern. In Italien und Portugal machten sie Fabriken ausfindig, die über Kapazitäten und Know-how verfügen. „Die Fabrik in Italien hat zuvor Maßuniformen für Unternehmen produziert und wegen der Pandemie Aufträge verloren“, sagt Reifeltshammer.

Am 21. Dezember waren die ersten Handschuhe im Handel erhältlich, mittlerweile werden Einzelhandelspartner wie Aldi, Hofer, Müller, DM, Bipa mit „Elephant Skin“-Handschuhen beliefert.


Kein Geld von der Bank

Bis es so weit war, mussten einige Hürden genommen und das nötige Kapital aus dem eigenen Vermögen vorgestreckt werden, weil keine Bank als Kreditgeber auftreten wollte. Auch nicht, als sie bereits unterschriebene Verträge mit Produzenten und Abnehmern in Händen hatten. Händler wie Produzenten wurden auch so überzeugt: Die in Europa produzierten Handschuhe, so das Produktversprechen, ersetzen 180 Plastikeinweghandschuhe, was 2,6 kg Plastik entspricht, behalten ihre antivirale und antibakterielle Wirkung mindestens 30 Schonwaschgänge bei 40° C in der Waschmaschine und: „Sie deaktivieren 99,9 Prozent der Viren und Bakterien auf der Oberfläche des Handschuhs.“ In Planung sind Handschuhe, die zudem wasserabweisend sind, etwa für Flugbegleiter oder Gastronomiepersonal. Und Sporthandschuhe speziell für Fitnessstudiobesuche. „Wir habe nichts Neues erfunden“, sagt Reifeltshammer, „wir haben Puzzleteile zusammengetragen.“

Etwas, was sich durch seine zweite berufliche Karriere zieht. Seine erste begann in der Nachwuchsakademie der Wiener Austria. Später spielte er als Fußballprofi meist als Innenverteidiger oder defensiver Mittelfeldmann, unter anderem für den Kapfenberger SV und DSV Leoben und Austria Salzburg. Schon während dieser Zeit gründete er mit Claro-Gründer Josef Dygruber den Reinigungsproduktehersteller Clear-white. „Mich hat immer gestört, dass Wasch- und Spülmaschinenhersteller keine Reinigungsmittel mitliefern“, beschreibt er den Hintergrund der Geschäftsidee.

Später gründete er mit Lang Vision1, ein Unternehmen, das spezielle Brillen auf den Markt brachte. Auf den Gläsern können Werbebotschaften aufgebracht werden, die die Sicht des Trägers aber nicht beeinträchtigen. Medienwirksam wurden im Rahmen der Kitzbüheler Hahnenkammrennen 2020 Brillen mit dem Aufdruck „I'll be back“ präsentiert. Reifeltshammer und Günther Helm, CEO der Drogeriekette Müller, überreichten Arnold Schwarzenegger damals einen 100.000-Dollar-Scheck für dessen Klimaschutz-Initiative. Dass ein Defensivspieler so offensiv sein kann, sei kein Widerspruch, sagt Reifeltshammer: „Die Defensive steuert die Offensive mit.“ Und: „Ein Unternehmer muss vorangehen, um sein Unternehmen zu verteidigen.“


Dicke Haut und gutes Gefühl

Zurück zu den Handschuhen: Warum sie in Zeiten der immer größer werdenden Babyelefanten „ElephantSkin“ heißen, erklärt Reifeltshammer so: Es sei mitunter alles andere als angenehm, ein Unternehmer zu sein (siehe Kreditvergabe), man brauche da schon eine dicke Haut. Selbst wenn ein Elefant geschlagen werde, schlage er nicht zurück, vergesse aber auch nicht, wer ihn geschlagen hat. Und ganz wichtig: Elefanten wecken positive Gefühle.

ZUR PERSON

Raphael Reifeltshammer (34) brachte gemeinsam mit Ingomar Lang kurz vor Weihnachten 2020 den antiviral und antibakteriell wirksamen Handschuh „ElephantSkin“ auf den Markt, der eine Alternative zum Gummihandschuh sein und als Schutz gegen Covid-19 wirken soll. Bislang wurden mehr als eine Million Handschuhe verkauft. Der Oberösterreicher war zunächst als Fußballprofi tätig, gründete in dieser Zeit das Unternehmen Clearwhite und später mit Lang das Brillenunternehmen Vision1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2021)