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Medizintechnik

Ein digitaler Coach hilft, Stress abzubauen

Ein neu entwickeltes System misst den Stresslevel und schlägt bei Bedarf auch gleich Entspannungsübungen vor.
Ein neu entwickeltes System misst den Stresslevel und schlägt bei Bedarf auch gleich Entspannungsübungen vor.Imago Images
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Neue Technologien sollen dazu beitragen, Burn-out bei älteren Menschen vorzubeugen. Ein neu entwickeltes System misst den Stresslevel und schlägt bei Bedarf auch gleich Entspannungsübungen vor.

„Wir setzen einen Schritt vor dem Burn-out an.“ Der Medizintechniker Miroslav Sili betont, dass das mit mehreren Kooperationspartnern betriebene Forschungsprojekt „mHealthINX“ eine medikamentenfreie Stressreduktion zum Ziel habe. Burn-out sei eine psychische Krankheit, Sili und seinem Team vom Center Health & Bioresources und Digital Safety & Security des Austrian Institute of Technology (AIT) geht es vielmehr um einen „digitalen Coach“ für Menschen ab 55, der präventiv solchen Krankheiten, ausgelöst durch Risikofaktoren wie z. B. Stress, entgegenwirken soll.

Die Kosten für arbeitsbedingte Depressionen belaufen sich in Europa, so zitiert das AIT eine EU-Studie, auf 620 Milliarden Euro im Jahr. Zudem kann beruflicher Stress zu Folgeerkrankungen bis hin zu Depressionen und Herz-Kreislauf-Beschwerden führen. Unter der Koordination des AIT sind zehn europäische Partner aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden am Projekt mHealthINX (Indiktion-iNtervention-eXperience) beteiligt, gefördert wird es u. a. von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Beratung via Smartphone

Das neu entwickelte System beruht auf einem handlichen und mobilen Gerät sowie auf einem Smartphone, das Beratung, Betreuung und persönliches Training bietet. Es kann – und soll – in der eigenen Wohnung wie auch unterwegs oder bei der Arbeit genutzt werden. Benutzer können ihr persönliches Stressniveau messen und mithilfe der vorgeschlagenen Interventionen aktiv steuern.

Mit Unterstützung eines batteriebetriebenen Geräts werden objektive Biosignale wie Pulswellen und Herzschläge aufgezeichnet. Ein Back-End-System fusioniert und kombiniert die Datenströme des Messgeräts mit den subjektiven psychologischen Fragebogendaten, die auf dem Smartphone erhoben wurden. In Kombination mit den Empfindungen über das kritische Stressniveau schlägt nun das Smartphone individuelle Lösungen vor und informiert laufend über den Gesamtfortschritt.

Miroslav Sili spricht in diesem Zusammenhang von klinisch-psychologischen Interventionen. Dem User werden etwa bestimmte Atemübungen vorgeschlagen, weiters Entspannungsaufgaben wie eine Meditation oder bestimmte Spiele, die mit einer virtuellen Brille auszuführen sind. Dabei sind von der Med-Uni Wien erstellte evidenzbasierte Interventionen in den Bereichen „Meditation und Achtsamkeit“, „Werkzeuge und Weiterbildung“ und „Spielerische Aufgaben“ verwendet worden. Die angebotenen Virtual-Reality-Trainingseinheiten coachen den Benutzer und unterstützen ihn bei der Stressreduktion.

Im Oktober 2020 wurden bereits in der Schweiz und den Niederlanden Workshops mit potenziellen Nutzern durchgeführt. Dabei ging es um das Verständnis der entwickelten Anwendungsschritte. In einer zweiten Workshopreihe stehen dann die tatsächliche Nutzung und die subjektiven Empfindungen der User auf dem Programm. Parallel zu den Feldstudien sind auch Seminare mit verschiedenen Personen und Institutionen wie Interessenvertretern und Finanzgebern geplant. Dabei sollen anhand eines Prototyps des Health-Gerätes mögliche Optimierungsschritte erörtert werden. Das finale Gerät könnte nach Projektende und einer Finalisierungsphase im ersten Halbjahr 2024 fertiggestellt werden.

Die dreijährige Laufzeit des Health-Programms startete im März 2020. Es befindet sich im Rahmen der europäischen AAL-Programme (Active and Assisted Living), in deren Fokus die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen auf der Basis von Informations- und Kommunikationstechnologien steht. Ziel ist die Steigerung der Lebensqualität älterer Menschen, ihrer Selbstständigkeit und Sicherheit sowie ihres Wohlbefindens.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2021)