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Sicheritz: Die Bibel als "Copy & paste" -Werk

Sicheritz Bibel Copy paste
(c) Teresa Zötl
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Film. Regisseur Harald Sicheritz über seinen neuen Film 3 Faltig, Religion und unterschätzte Unterhaltung. Anfang des Jahres wurde gedreht, am 21. Oktober kommt der Film in die heimischen Kinos.

Anfang des Jahres wurde gedreht, am 21. Oktober kommt der neue Sicheritz-Film „3 Faltig“ in die heimischen Kinos. Der Heilige Geist und Jesus sind die Hauptdarsteller dieser schwarzen Komödie.

„Die Presse“: War eine schwarze Komödie mit christlichen Protagonisten schon länger auf Ihrer Liste?

Harald Sicheritz: Nein, gar nicht. Christian Tramitz gab mir das Drehbuch zu lesen. Ich mochte es auf Anhieb. Und wie es im Filmleben so spielt, hat es dann noch gut vier Jahre gedauert, bis es verwirklicht wurde.

Sie waren auch als Koautor beteiligt.

Das ergibt sich. Ich hab gesagt, ich sehe den Jesus als einen gut erzogenen, frohen, optimistischen Menschen, der einen bestimmten Zugang zur Welt hat, 2000 Jahre nach seiner Himmelfahrt. Er mag Pflanzen und Tiere gern, Menschen nicht so. Da ist er skeptisch, wegen seiner Erinnerungen.

Im Film verkauft der Heilige Geist Devotionalien, Jesus schafft kein Wunder, er braucht dazu Tipps vom Pfarrer, und Gott will die Apokalypse. Hat die Religion so sehr versagt?

Ich glaube, dass das Christentum unter den Weltreligionen den Vorteil hat – ich bin kein bekennender Christ, ich bin protestantisch getauft –, dass es mit unglaublichen Blutverlusten so was wie das Zeitalter der Aufklärung hinter sich gebracht hat und dass diese Religion dazu prädestiniert sein müsste, so etwas wie eine ironische oder entspannte Selbstschau zu haben. Das ist etwas, das ich in unserem Kulturkreis als potenzielle Stärke bezeichnen würde.

Und ist sie dazu in der Lage?

Ich glaube schon. Aber das ist nicht Thema des Films. Mir geht es eher darum – und das ist nicht despektierlich gemeint –, dass die Grundlagen diverser Religionen geniale „Copy & paste“-Werke sind. Die Bibel ebenso wie der Talmud und der Koran. Wir spielen einfach damit, wir machen uns nicht darüber lustig, sondern wir nehmen es ernst.

Was möchten Sie mit Ihren Filmen erreichen?

Ich hätte gern, dass Leute aus meinen Filmen gehen und etwas mitnehmen, an das sie sich erinnern. Das muss nicht angenehm sein. Das ist dieser kleine Rest von Sendungsbewusstsein. Ich hab ein relativ festgefügtes Moralgebäude. Ich weiß ziemlich genau, was ich mag und was ich nicht mag. Man muss das den Menschen nicht didaktisch, mit erhobenem Zeigefinger oder über drastische Bilder vermitteln, es geht auch anders. Ich würde nie etwas schönfärben oder Leute für dumm verkaufen. Dazu mag ich Menschen viel zu gern.

Sie schreiben in einem Artikel über Überheblichkeit, Geringschätzung und Angst vonseiten der Kulturkritiker. Schmerzt Sie harte Kritik?

Es ist mir eine Zeitlang passiert, dass die Kritiken meiner Filme extrem stereotyp waren. Das hat mich enttäuscht. Und natürlich auch dieses unselige, nur im deutsch-österreichischen Sprachraum übliche Auseinanderklopfen zwischen E und U, das gibt es sonst nirgends. Ich konnte über die Jahrzehnte im Ausland schlecht kommunizieren, was das Problem hier ist – dass jemand, der ohne Kalkül das Glück hat, hohe Zuschauerzahlen zu erreichen, von vornherein eine dicke Kommerzpunze aufgedrückt kriegt und man ihn dann in seinem Schaffen per se schon geringschätzt. Das mag ich gar nicht, das kränkt mich auch.

Wird Unterhaltung unterschätzt?

In ihrem Wesen auf jeden Fall, weil man bei uns heute auf eine ziemlich verklemmte Art und Weise damit umgeht, vor allem gebildete Menschen. Es ist so wie eine ganz schamhaft vorgetragene Triebbefriedigung. Warum kann das nicht sein, dass ich literaturwissenschaftlich tätig bin und dann trotzdem gern eine Komödie sehe?

AUF EINEN BLICk

Der Sicheritz-Film „3 Faltig“ (Kinostart: 21.10.) handelt vom Heiligen Geist (Christian Tramitz) und Jesus Christus (Matthias Schweighöfer), der zur Erde geschickt wird, um die Apokalypse anzukündigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2010)