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Pop

Europäischer Preis für Wiener Band My Ugly Clementine

Indie-Rock: My Ugly Clementine.
Indie-Rock: My Ugly Clementine.Ink Music
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„Vitamin C“, das Debütalbum von My Ugly Clementine, erschienen im März 2020, wurde als "Independent Album of the Year" ausgezeichnet.

Apparat, Caribou, The XX und sogar die höchst breitenwirksame Adele sind unter den bisherigen Trägern: Der Preis für das „European Independent Album of the Year“, den der Verband Impala – kurz für Independent Music Publishers and Labels Association – alljährlich vergibt, ist durchaus renommiert. Trotzdem fragen sich vielleicht manche: Was heißt hier independent?

Der Ausdruck hat sich in der Punk-Ära durchgesetzt, er steht für Plattenfirmen, die nicht als „major labels“ gelten, heute zählt man zu diesen Sony, Universal und Warner. Doch Independent Pop (kurz: Indie-Pop) wurde bald auch zur ästhetischen Kategorie: für Musik, die sich nicht den Anforderungen des sogenannten Mainstreams anpasst. Über die Jahrzehnte hat der Begriff an Schärfe verloren, heute schwingt Historizität mit: Indie-Rock klingt meist ähnlich wie in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren, nach Grunge, wie man damals sagte. Das kann man auch über My Ugly Clementine sagen, ohne Sophie Lindinger (bekannt auch vom Duo Leyya), Mira Lu Kovacs (auch als Schmieds Puls aktiv), Kathrin Kolleritsch und Nastasja Ronck zu kränken. Sie haben sich 2019 zusammengetan, der Name spielt natürlich auf die Musical-Ballade „My Funny Valentine“ an, vielleicht auch auf die englische Indie-Rock-Band My Bloody Valentine.

"Fast ein bisschen biedermeierlich"

Doch im Gegensatz zu dieser klingen My Ugly Clementine fröhlich und eingängig: Von „feministisch wiederbelebten Gitarrenindiepop“ schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ und attestierte dem Gesang auf „Vitamin C“, dem im März 2020, just im ersten Lockdown, beim Wiener Label Ink Music erschienenen Debütalbum der Band, „genau richtig angeschmutzten Wohlklang“. Die Zeile „It makes me sad to see a world driven by fear“ könne man auf Corona beziehen. „Es geht um Selbstbestimmung, darum, sich selbst treu zu bleiben – im Kleinen“, urteilte „Presse“-Kritikerin Heide Rampetzreiter: „Das ist fast ein bisschen biedermeierlich.“ Mehr Engagement hörte offenbar Impala-Vorsitzende Helen Smith: Das Album zeige, schrieb sie, „welch großartiges Werkzeug Musik ist, um für Toleranz, Inklusion und das Überwinden von Geschlechterklischees zu werben“.

Von einem „starken und selbstbewussten musikalischen Statement aus Österreich“ sprach Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer in ihrer Gratulation: „Ich hoffe, dass wir das Quartett alsbald wieder live auf einer Bühne erleben können.“