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Wien

Wohnen in Hochhäusern – noch unpopulär oder schon im Trend?

Das Hochhaus als Wohnalternative.
Das Hochhaus als Wohnalternative.Engel & Völkers Wien
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Der Immobiliendienstleister Engel & Völkers Wien analysierte das Wohnverhalten seiner Kunden, und ob das Kriterium „Lage, Lage, Lage“ auch bei Wiener Wohnhochhäusern gilt. > > > Serie: Teil 1 von 3.

Im Hochhaus wohnen? Das war in Wien lange Zeit unpopulär und stand nicht im Fokus der hiesigen Wohnungswirtschaft. Während sich in anderen Metropolen das Hochhaus mehr und mehr als alternative Wohnform entwickelte, vor allem mit Sozialwohnungen, hielt man sich in Wien mit der Entwicklung solcher "Wohntower“ lange Zeit zurück. Erst zur Jahrtausendwende rückte das Wohnhochhaus in den Fokus der Wohn- und Bauwirtschaft.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt im stetigen Bevölkerungswachstum sowie an der grundsätzlichen Frage nach urbanen Lebensformen und neuer Attraktivität des Stadtlebens. Dazu kommen Themen wie die soziale sowie ökonomische Nachhaltigkeit dieser Gebäudeform.

Auf einen Blick

Philipp Niemann, Geschäftsführer Engel & Völkers Wien (E & V Wien) hat im Rahmen einer Kundenbefragung analysiert, was die Wiener Bevölkerung heute vom Wohnen im Hochhaus hält. Dafür wurden über 200 willkürlich ausgewählte Kunden nach deren Meinung gefragt.

> > > Die Ergebnisse der Hochhaus-Studie gibt es freitags im Immobilien-Newsletter und auf DiePresse.com/Immobilien.

Bei der aktuellen Studie von E & V Wien zeigt sich, dass sich derzeit fast 53 Prozent der Befragten - davon leben knapp die Hälfte in einem Zwei-Personen-Haushalt - für das Wohnen im Hochhaus entscheiden würden. Und ein Drittel hat laut eigenen Angaben bereits in einem Wohnhaus gewohnt. Der Ausblick dürfte für die meisten ausschlaggebend sein. In größeren Städten sind selten reine Wohnhochhäuser zu finden. Meist sind die ersten Stockwerke geprägt durch gewerbliche Nutzung. Ob durch Handelsflächen, Restaurants, Büroflächen oder sportliche Einrichtungen. Diese Mischnutzung sagte vielen sehr zu.

Pro & Contra

Allerdings würden sich 47 Prozent der Befragten aufgrund der Menge an Wohneinheiten und der damit verbundenen Bewohnerzahl nicht für ein Leben im Hochhaus entscheiden. Die Teilnehmer der Studie stören sich weiter an der Anonymität und dem unpersönlichen Nebeneinander. Eine gemeinsame Aufzugsbenützung dürfte ebenso einigen "lästig" sein sowie die mögliche Brandgefahr verursacht durch viele Bewohner in einem Haus. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich jedoch für das Wohnen im Hochhaus als alternative Wohnform aus.

„Lage, Lage, Lage" galt lange als entscheidendes Kriterium für die Wohnentscheidung. Gilt das auch für das Hochhaus? Einer der wesentlichen Treiber für das Wohnen im Hochhaus ist der stetige Zuzug aus den ländlichen Regionen in die Stadt. Aktuell liegen laut E & V Wien in Metropolen die Entwicklungspotenziale pro Einwohner bei teils unter 10 m², wohingegen ländliche Regionen mit über 25 m² deutlich größere Potenziale aufzeigen. Das bedeutet, dass auf wenig Grundfläche viel Wohnraum geschaffen werden muss und somit eine weitere Verdichtung unumgänglich ist.

Von Altbauten geprägt

Dafür bieten sich Hochhäuser als Alternative mit wenig Flächenverbrauch und viel Wohnfläche geradezu an. Dennoch hat auch ein Hochhaus einen gewissen Flächenbedarf der in verdichteten Metropolen erst einmal durch das passende Grundstück gedeckt werden muss. In von Altbauten geprägten Städten wie Wien, wird dieser Altbaubestand durch klare Auflagen geschützt, welche eine Hochhausentwicklung meist unmöglich machen. Diese Aspekte stellen Stadtentwickler und Bauträger vor große Herausforderungen. In der Studie haben fast 80 Prozent der Befragten angegeben, dass die Lage des Hochhauses ein entscheidender Faktor für ihre Wohnortwahl ist.  

Bei der Frage nach der konkreten Lage geben 55 Prozent an, die Innenbezirke 1 bis 9 zu bevorzugen. Allerdings sprechen sich auch 28 Prozent für eine Lage in den Außenbezirken 10 bis 19 und 17 Prozent für die Bezirke 21, 22 und 23 aus. Dass Innenstädte generell eine größere Anziehung haben, ist etwa auf die Kombination aus Leben in der Nähe der Arbeitsstätte aber auch von Kultur- und Einkaufsmöglichkeiten zurückzuführen. Diese haben in den Innenbezirken eine deutlich größere Dichte. Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass wachsende oder neu entstehende Bezirkslagen durch Hochhäuser attraktiver werden und als „First Mover" Anziehungspunkte darstellen können.

Wohnalternative der Zukunft

Die Covid-19-Pandemie hat diesen Trend zwar nicht gebrochen aber die Bedürfnisse der Menschen verändert. Während vor der Pandemie der Weg zur Arbeit und das Leben nah an attraktiven Orten wie Kultur- oder Einkaufseinrichtungen wichtig war, so verlagert sich der Bedürfnisschwerpunkt nun zusehends und gezwungenermaßen auf die eigenen vier Wände. Damit wächst der Bedarf an Platz und Freiflächen. Beides ist in den verdichteten Innenstädten und erst recht in Hochhäusern nur schwer zu finden. Somit wächst die Nachfrage nach Objekten in den Vororten und auf dem Land. Der Trend zur „Stadtflucht“ ist laut E & V Wien bei gewissen Gruppen wie den Familien besonders ausgeprägt und bei jungen Menschen oder Singles weniger. Das Hochhaus, gepaart mit einer integrierten Stadtentwicklung und ganzheitlichen Konzepten welche Wohnraumnachfrage, Flächenerschließung, den Verkehr, die Umwelt oder auch soziale Belangen einbeziehen, kann eine Wohnalternative der Zukunft darstellen. „Lage, Lage, Lage” ist also auch für das Hochhaus ein entscheidendes Kriterium.

> > > Serie - Teil 2: Nächstes Mal geht es um das Wohngefühl in Hochhäusern.