Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Amanshausers Album

Chinesisches Idyll auf Youtube

Screenshot Youtube
  • Drucken
  • Kommentieren

168. Eine Frau aus Sichuan bewirbt China in ihrem Video-Blog besser als sämtliche offiziellen Stellen.

Das Konzept des YouTube-Channels der Chinesin Li Ziqi ist denkbar simpel. Die 30-jährige Video-Bloggerin aus Sichuan erntet Obst und Gemüse, fabriziert Gerichte auf ihrer Wok-Feuerstelle und ruft am Ende ihre Großmutter zum Essen. Die sympathische Oma und die stylish gekleidete, topfrisierte Li leben zusammen in Pingwu, nördlich der Millionenstadt Mianyang die Influencerin verlor ihre Eltern in jungen Jahren. Einige Jahre arbeitete sie als Kellnerin, DJ und Sängerin in der Stadt.

In Li Ziqis reduzierter filmischer Homemade-Kunst tauchen statt Sprechstimmen vereinzelt Untertitel auf, quasi "Silent Cooking" als Learning by Doing. Seit sie Erfolg hat, beschäftigt sie Kameramann und Assistenten, "Regisseurin bleibe ich selbst", bekräftigt sie. Durch die Untermalung der fünf- bis 20-minütigen Videos mit ambienttauglicher Klavier- oder Flötenmusik entsteht ein traditionszugewandtes, politfreies Produkt.

Reis wächst nicht auf Bäumen

Die "South China Morning Post" ließ durchklingen, Li Ziqi erzähle "eine positive China-Geschichte" und promote lokale Kultur verständlicher als das Konfuzius-Institut und nicht so unbeholfen wie Staatsmedien. Allerdings hat Lis Idylle denkbar wenig mit der ruralen chinesischen Lebensrealität Provinzflucht durch Wanderarbeit, Dorfsterben, Umweltverschmutzung zu tun. Vielleicht hat die Filmerin der Landsehnsucht gerade deshalb 14 Millionen Abonnenten auf YouTube und über 20 beziehungsweise 34 Millionen Fans auf Douyin und Weibo.

Violette und gelbe Erdäpfel verarbeitet Li Ziqi zu Laibchen, Weintrauben bringt sie zum Gären, sie verkocht Shiitake-Pilze, Bambussprossen oder handgemachte Nudeln, färbt ihr Kleid mit Obstschalen. Einige ihrer Produkte tauscht sie bei Nachbarn ein zum Beispiel für Flusskrebse, die sie mit Sichuaner Nonchalance lebendig in den brennheißen Wok wirft. Kein schöner Tod für die Schalentiere, doch Massentierhaltungsgenießer sollten sich da vielleicht der Meinung enthalten. "Ich möchte, dass die Stadtmenschen wissen, wo ihr Essen herkommt", sagte Li Ziqi in einem der seltenen Interviews, "manche Kinder glauben ja, dass Reis auf Bäumen wächst."