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Masterstudien

Erst einmal eine große Pause?

Nach dem Bachelor gleich zurück ins Studium oder erst einmal Berufserfahrung sammeln? Die Entscheidung hängt vom Fach, aber vor allem auch von persönlichen Zielen und Umständen ab
Nach dem Bachelor gleich zurück ins Studium oder erst einmal Berufserfahrung sammeln? Die Entscheidung hängt vom Fach, aber vor allem auch von persönlichen Zielen und Umständen abTU Graz/Helmut Lunghammer
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Gleich voll ins Berufsleben einsteigen, eine Auszeit nehmen – oder doch weiterstudieren? Wann genau ein Master einem Bachelor folgen soll, bereitet vielen Studenten Kopfzerbrechen.

Die Pausenklingel war zur Schulzeit Musik in den Ohren. Sie bedeutete ein kurzes Aufatmen zwischen Unterrichtsstunden. Als Erwachsener darf man im Bologna-System selbst entscheiden, ob zwischen Bachelor und Master die Pausenklingel läutet. Die Entscheidung hängt von Karrieremöglichkeiten, persönlicher Situation und nicht zuletzt der finanziellen Lage ab. Doch wie viel Zeit soll man sich sinnvollerweise nehmen, und wie gelingt der Schritt zurück ins Studentenleben?

Individuelle Entscheidung

„Es gibt kein Patentrezept“, sagt Roland Steinacher, Leiter der Dienstleistungseinrichtung Studienservice und Lehrwesen der Universität Wien. Es hänge vom jeweiligen Fachbereich ab. Über die Studien hinweg zeige sich ein buntes Bild, die individuelle Lebens-, Karriere- und Bildungsplanung spiele eine große Rolle. Der Experte kennt Daten: „Im Wintersemester 2019/20 schlossen etwa 40 Prozent der Bachelor-Absolventen innerhalb von drei Monaten ein Masterstudium an. 15 Prozent begannen drei Jahre nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium.“ Studenten der Psychologie, Pharmazie und des Lehramts studieren schnell weiter, da hier der Masterabschluss für die Berufsberechtigung erforderlich ist.
Laut FH-Burgenland-Rektor Gernot Hanreich gibt es „kein Besser oder Schlechter“. Einerseits habe es etwas für sich, wenn man unmittelbar weiterstudiert: Die im Bachelor erworbenen Kompetenzen sind noch frisch, und man ist in den Studienprozess gut eingearbeitet. Andererseits seien viele Studenten nach dem Bachelor erschöpft, besonders, wenn nebenbei gearbeitet wurde – es sei eine persönliche Entscheidung.
Persönlich wird es, wenn neben Studium und Karriere andere Dinge im Vordergrund stehen. Wie für Christine Vulpescu, Absolventin in International Management an der Modul University Vienna. Sie legte nach dem Bachelorabschluss eine einjährige Pause ein, und zwar für eine sechsmonatige Weltreise. „Es war die perfekte Zeit, eine Auszeit zu nehmen und vom Schulstress wegzukommen, bevor ich mich im Master spezialisiere“, sagt Vulpescu. Sie habe die „Reset-Taste“ drücken können, um danach „mit voller Passion“ wieder ins Lernen einzusteigen. Außerdem berichtet die Wienerin, dass wenige ihrer Kommilitonen an der gleichen Universität weiterstudierten, viele arbeiteten erst oder gingen ins Ausland, um zu studieren. So auch ihre ehemalige Studienkollegin Martina Gragger, die nach dem Bachelorabschluss ein Jobangebot in London annahm. Ihre Pause zwischen Bachelor und Master dauerte drei Jahre.

Zeit, sich umzuorientieren

Sie sei aufgrund dieser Entscheidung „blöd angeschaut“ worden, da es in Österreich Tradition sei, die komplette Ausbildung fertigzumachen und dann arbeiten zu gehen, berichtet Gragger. Doch sie bereut nichts: Durch das Praktikum im Finanzbereich in London merkte sie, dass Banking nicht der richtige Weg war. „Hätte ich den Master gleich angehängt, hätte ich ihn in Finance gemacht, und das wäre der größte Fehler meines Lebens gewesen“, sagt die 25-Jährige. Im Moment absolviert Gragger ein Doppel-Masterstudium in Madrid, Management und Corporate/Marketing Communication. Den Studienplatz hätte sie ohne die Arbeit in London wahrscheinlich nicht bekommen. „Für mich war die Arbeitserfahrung extrem wichtig, weil ich im Bachelor keine guten Noten hatte, mich durch meine Arbeit in London aber viel besser verkaufen konnte.“
Das Masterstudium gestaltet sich nach einer Pause anders, findet Steinacher. „Studenten mit Berufserfahrung bringen in das Studium einen praxisorientierten Blick ein.“ Die wissenschaftliche Bearbeitung von aktuellen Fragestellungen werde noch greifbarer. Auch Jennifer Joó, die Bachelor und Master in Information, Medien und Kommunikation an der FH Burgenland absolvierte, wollte nach dem Bachelorabschluss „auf jeden Fall erst Berufserfahrung sammeln“. Diese stellte sich als wertvoll heraus. Im Zuge ihrer Arbeit in der Kommunikationsabteilung der FH sei ihr aufgefallen, dass der Onlinebereich ihrer Abteilung ausgebaut werden müsste und das Wissen dazu ein Master bereitstellen könne. Diese Erkenntnis hatte die heute 28-Jährige schnell, ihre Pause dauerte nur ein Jahr. Der Wiedereinstieg gestaltete sich wenig schwierig, im Gegenteil. Das Studium, neben dem sie weiter in Teilzeit arbeitete, sei „bereichernd“ gewesen, da sie Studenten aus einem vielschichtigen Umfeld kennenlernte, sagt Joó. Allerdings könne es auch eine Doppelbelastung darstellen, gibt Simon Malacek, Vorsitzender der HochschülerInnenschaft an der TU Graz, zu bedenken. Durch das Arbeiten bleibe wesentlich weniger Zeit für das Studium selbst. Er kritisiert, dass „politische Entscheidungsträger es seit Jahren verabsäumen, sinnvolle Regelungen für ein Teilzeitstudium zu schaffen.“
Die FH Burgenland bietet alle Masterstudiengänge berufsbegleitend an, wie Rektor Hanreich bemerkt. Er sei „ein großer Fan der Bologna-Struktur“, da sie individuelle Möglichkeiten biete und lebenslanges Lernen fördere. Sie führe dazu, dass viele Studenten mehrere Masterstudiengänge abschließen. Der Wiedereinstieg ins Lernen werde an der FH Burgenland mit Brückenkursen und Tutorien gefördert. Die Uni Wien hilft bei der Entscheidung, ob zwischen Bachelor und Master pausiert werden soll, mit Informationen über die Berufsoptionen nach dem Bachelor bezüglich Gehalt und Suchdauer, erklärt Steinacher.
Eines darf nicht vergessen werden: das Geld, erinnert FH-Rektor Hanreich, da viele nicht die finanziellen Möglichkeiten hätten, unmittelbar das Masterstudium anzuschließen. Vulpescu sparte sich zwischen den beiden Studien Geld an, Gragger erhält finanzielle Unterstützung von den Eltern. Joó beantragte beim AMS einen Ausgleichsbetrag, um das Masterstudium zu finanzieren, was ihr bei der Entscheidung geholfen habe, im zweiten Studienjahr Arbeitsstunden zu reduzieren.

Neue Motivation

Eines zeichnet sich bei allen dreien ab: hohe Motivation. Vulpescu: „Wenn ich keine Pause gemacht hätte, wäre ich nicht so motiviert gewesen.“ Gragger stimmt zu, sie sehe jetzt das „große Ganze“, weiß, wofür sie den Master macht. Sie sei reifer und habe „einen ganz anderen Ansporn“. Joó findet, dass Arbeiten und Studieren eine wunderbare Kombination sei, da Letzteres fit im Kopf halte. Wie auch immer: Für Steinacher macht gerade das Zusammenkommen aller Studenten und Lehrenden mit unterschiedlichen Erfahrungen das Studieren an einer Universität aus.

Auf einen Blick

Eine Studienpause vor dem Master gibt die Gelegenheit, Einblicke in die Branche zu erhalten und sich gegebenenfalls umzuorientieren. Die Berufserfahrung kann ins Studium eingebracht werden und sorgt oft für neue Motivation. Entscheidungskriterien sind zudem die Berufsaussichten mit dem Bachelor und die persönliche finanzielle Situation.