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Lockdown

Gastronomie öffnet vielleicht früher

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag beim Treffen in Wien.
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag beim Treffen in Wien.APA/HELMUT FOHRINGER
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Die Regierung schließt eine Öffnung von Kaffeehäusern und Restaurants schon im März nicht aus. In Deutschland fürchten drei von vier Hoteliers und Gastronomen um ihre Zukunft.

Wien. Als die Regierung Ende vergangenen Jahres eine Lockerung des Lockdowns vorschlug und dafür verlangte, dass die Gastronomie Coronatests ihrer Besucher überprüft, war die Empörung groß. „Wir werden nicht kontrollieren. Das ist für uns nicht möglich“, meinte beispielsweise der Gastronomie-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, Mario Pulker. Mittlerweile würden viele Wirte wahrscheinlich sogar selbst Coronatests durchführen, wenn sie nur wieder Gäste haben könnten.

Das können sie möglicherweise früher als bisher geplant. Nach einem Gastronomiegipfel am Freitag schloss Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine Öffnung von Restaurants und Kaffeehäusern noch im März nicht aus. Bisher hatte die Regierung Lockerungsschritte für die Gastronomie und Hotellerie für frühestens „rund um Ostern“ geplant.

Eine vorzeitige Öffnung sei vom Infektionsgeschehen abhängig, ergänzte Kurz. Sollten die Infektionen „stark steigen, haben Öffnungen keinen Sinn“. Man werde am 1. März erneut mit den Bundesländern und mit Experten beraten und dann entsprechende Schritte setzen.

„Sicherer als Treffen zu Hause“

In den Bereich des Möglichen sei eine vielleicht frühere Öffnung gerückt, weil die Wirte nun nicht mehr gegen Eintrittstests seien. „Das Blatt hat sich gewendet“, alle Branchenvertreter seien nun für das System der Eintrittstestungen, das mehr Freiheit in der Pandemie erlaube, sagte der Bundeskanzler. Bei den Friseuren und anderen körpernahen Dienstleistern habe das Konzept der Tests gut funktioniert.

Wiens Gastronomie-Obmann, Peter Dobcak, gab sich im Vorfeld des Treffens jedenfalls sicher. „Wir haben die Registrierungspflicht gemeistert und werden auch die Testkontrollen schaffen.“

An dem Treffen im Kanzleramt nahmen unter anderem Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer, die Chefin der Hoteliervereinigung, Michaela Reitterer, der Gastronom Mario Plachutta, Steirereck-Chef Heinz Reitbauer, die Hotelleriesprecherin in der Wirtschaftskammer, Susanne Kraus-Winkler, und per Video Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) teil.

Mahrer erklärte nach den Gesprächen, er sei guter Hoffnung für Öffnungsschritte noch vor Ostern. Treffen im Restaurant nach einem Coronatest seien sicherer als die derzeitigen illegalen Treffen zu Hause. „Alle Branchen bekennen sich zu Eintrittstests, sie sind der Schlüssel für weitere Öffnungsschritte im März.“

Auch die Hotels hoffen, zeitgleich mit den Gasthäusern aufsperren zu dürfen. Hotelleriesprecherin Kraus-Winkler sagte, sie gebe Ostern noch nicht auf. Man wolle von der Regierung einen Vertrauensvorschuss, um zu beweisen, dass die Hygienekonzepte funktionieren. Im Radio-Ö1-„Mittagsjournal“ räumte sie aber ein, dass es noch keine konkreten Zugeständnisse gebe. Man hätte gern gehört, dass „wir am Soundsovielten wieder öffnen dürfen“.

In Wien wollen Stadtverwaltung und Wirtschaftskammer mit einem flächendeckenden PCR-Gurgeltest mit Mitte März eine Rückkehr zu einer Art Normalität erreichen. Die Kapazitäten würden für 1,5 Millionen Tests pro Woche reichen. Nach einem negativen PCR-Test sei man für 72 Stunden nicht infektiös und könnte beispielsweise Veranstaltungen oder Lokale besuchen, erklärte die Kammer.

Klagen gegen Lockdown

In einer gemeinsamen Erklärung forderten am Freitag die Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV) aus Tirol, Salzburg und Vorarlberg eine Öffnung aller Lebensbereiche ab März. Wenn die Anstrengungen beim Testen und Impfen intensiviert würden, seien die Voraussetzungen für weitere Öffnungsschritte geschaffen, hieß es in einer Aussendung.

Die Zukunft der heimischen Hotellerie und der Gastronomie, die vom Lockdown aufgrund der Coronapandemie besonders stark betroffen sind, ist mehr als ungewiss. Experten glauben, dass 20 bis 30 Prozent der Restaurants und Hotels in Österreich trotz der staatlichen Hilfen in die Pleite schlittern könnten.

In Deutschland zeigen aktuelle Zahlen, dass die Branche im Jahr 2020 fast 40 Prozent ihrer Umsätze eingebüßt hat. Allein im Dezember lag der Umsatz um 72 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Coronapandemie in Deutschland. Drei von vier Gastronomen und Hoteliers bangen laut einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) wegen des Lockdowns um ihre Existenz (75,5 Prozent von 12.000 befragten Betrieben). Der Verband kritisiert, dass die versprochenen Staatshilfen zu spät oder nicht im vollen Umfang bei den Betrieben ankommen.

In Deutschland, wo auch der Handel weiterhin geschlossen ist, wehren sich immer mehr Firmen mit Klagen gegen den Lockdown. So haben beispielsweise mehr als 150 Modeunternehmen die Gerichte angerufen. Man wolle eine Gleichstellung mit den Friseurbetrieben, denen eine Öffnung erlaubt sei.

AUF EINEN BLICK

Die Gastronomie kann möglicherweise schon im März öffnen. Einen solchen Schritt schloss Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach einem Gastronomiegipfel in Wien nicht aus. Er sagte dies aber auch nicht zu. Eine Öffnung sei abhängig vom Infektionsgeschehen.

Zu Beginn der Woche hatte die Regierung weitere Lockerungsschritte frühestens „rund um Ostern“ in Aussicht gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2021)