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Wohnglück im Film: Wie man's daheim aushält

Streamingtipps. Das Wohnen mit und neben Menschen, die man kennt, liebt oder bloß duldet, will nicht nur im Lockdown gelernt sein. Filme und Serien zeigen, wie's geht: Von der WG bis zum Raumschiff, vom Edel-„Big Brother“ bis zur Kommune.


Terrace House

Viele Mitglieder von Wohn- und Lebensgemeinschaften, die früher vergleichsweise selten zu Hause waren, stehen seit Pandemiebeginn vor einer Herausforderung: Wie geht das überhaupt, Zusammenleben? Filme und Serien können hier Auskunft geben – oder mit abschreckenden Beispielen aufwarten.

Anschauliches Lehrmaterial in Sachen Miteinander-Auskommen bietet die von Netflix einverleibte und seither zum Globalgeheimtipp avancierte japanische Reality-Show-Reihe „Terrace House“. Sechs junge, sympathische Standardmenschen ziehen in ein Luxusapartment. Ihr Alltag wird gefilmt, angeblich ohne Eingriffe und dramaturgische Übersteigerung. Das Resultat ist so etwas wie Edeltrash-TV: Statt Zickenkrieg und Macho-Krawall setzt es zögerliches Kennenlernen, verständnisvolle Konfliktbewältigung und zwanglose Pärchenproduktion. Die Inszenierung bleibt diskret, nur ein Panel aus Promis und Spaßnasen sorgt für pikante Kommentarwürze. Dabei werden Lebensentwürfe und (aus westlicher Sicht sehr rigide) Geschlechterrollen verhandelt. Der Druck hinter den Kulissen dürfte freilich kaum geringer sein als bei weniger gediegenen Formaten: Nach dem Suizid einer Teilnehmerin wurde die Sendung 2020 eingestellt. (and) Netflix


Der Appartement-Schreck

Alex (Ben Stiller) und Nancy (Drew Barrymore) sind typische Bobos: Sie arbeiten in kreativen Berufen und auf ein bürgerliches Familienleben hin. Als sie in Brooklyn ein geräumiges Haus beziehen, tragen sie ihren Teil zur Gentrifizierung des ehemaligen Arbeiterbezirks bei. Aber sie haben ihre Rechnung nicht mit Mrs. Connelly gemacht, ihrer steinalten Untermieterin, die das Pärchen derart in den Wahnsinn treibt, dass es bald Mordabsichten gegen sie hegt. DeVitos Rachefantasie ist derb und bitterböse zugleich. Ein teuflisches Vergnügen! (mt) Sky


High-Rise

Von Ben Wheatley, 2015

Ein riesiger Betonturm voller Nobellagerstätten. Hier lässt sich's leben. Oder? Ein Mediziner (Tom Hiddleston) meint: Ja. Jedenfalls gibt es genug Parkplätze. Und die Nachbarn wirken nett. Sie feiern gern. Manchmal läuft das aus dem Ruder. Irgendjemand purzelt vom Balkon. Die Welt geht unter, der Supermarkt brennt. Anschließend Müsli zum Frühstück. Die Buchvorlage dieser surreal angehauchten, stilistisch ehrgeizigen, strukturell zerspragelten Gesellschaftssatire stammt vom radikalen Sci-Fi-Dystopiker J. G. Ballard. (and) Sky


Passengers

Von Morten Tyldum, 2016

Stecken zwei im Raumschiff fest. So weit die Prämisse von „Passengers“. Er (Chris Pratt) hat sie (Jennifer Lawrence) ein knappes Jahrhundert zu früh aus dem künstlichen Tiefschlaf geweckt, um nicht allein zu sein. Solang das sein Geheimnis bleibt, steht der Weltall-Romanze nichts im Weg. Eine reduzierte Rom-Com mit Blockbusterbudget. (and) Netflix, Sky


House of Tolerance

Von Bertrand Bonello, 2011

Fin de Siècle: Alltag im Bordell. Innenansichten eines Daseins zwischen Erotikroutine, Ausbeutung und Solidarität. Die Prostituierten dürfen das Etablissement nicht verlassen, sind den Schikanen begieriger Freier ausgesetzt. Und schaffen sich doch ihre Freiräume im „Haus der Sünde“. Eine poetische Bestandsaufnahme einer Schicksalsgemeinschaft, die sich trotz Gefängnis-Szenarios immer wieder Momente sublimer Abdrift erlaubt, beflügelt von anachronistischem Sixties-Soul. (and) Amazon


Die Kommune

Eine Kommune, ist das nicht was für Hippies? Ach was, meinen Anna und Erik (Trine Dyrholm und Ulrich Thomsen): Mehr ist mehr! Also öffnen sie ihre Erbvilla für Untermieter. Anfangs bringt das Leben in die Bude. Doch mit der Zeit auch ihre Paarbeziehung ins Wanken. No na. Trotzdem versucht dieses in den 1970ern angesiedelte Drama, Klischees zu vermeiden. (and) diverse Anbieter (ab 2,99 €)


Friends

Zehn Staffeln, 1994 bis 2004

Ohne Sitcom kann diese Liste nicht auskommen: Alles, was es zu erzählen gibt, passt hier in den Rahmen einer Wohnzimmerkulisse. Der Genreklassiker „Friends“ spielt vorwiegend in zwei gegenüberliegenden New Yorker Wohnungen. Doch ihre Grenzen sind in der flotten Comedy-Seifenoper, einem Lobgesang auf das urbane Lebensgefühl der 1990er, ebenso labil wie die Beziehungskonstellationen. Wen die Bedenkenlosigkeit, mit der die Bande rund um Rachel, Ross und Co. aufeinanderpickt, nicht wehmütig stimmt, wird viele glückliche Stunden mit den Friends verbringen. (and) Netflix

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2021)