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Literatur

Tochter wirft Amos Oz Misshandlung vor

Amos Oz
Amos Oz.(c) AFP
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Zwei Jahre nach dem Tod des großen israelischen Autors erhebt seine Tochter in einem Buch schwere Vorwürfe. Ihre Schwester wiederum sagt: "Wir kannten einen anderen Vater, einen warmen, freundlichen, aufmerksamen."

Konflikte zwischen berühmten Eltern und ihren Kindern sind auch auf der Ebene des Schreibens ein großes Thema. Nun kommt ein weiterer Fall hinzu: Die Tochter des großen israelischen Autors Amos Oz hat ein autobiografisches Buch geschrieben, in dem schwere Vorwürfe erhoben werden. Es geht um physische und psychische Misshandlungen, wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet. Galia Oz ist Filmemacherin und Kinderbuchautorin. Dass die Beziehung zwischen ihr und ihrem vor rund zwei Jahren gestorbenen Vater schlecht war, ist in Israel bekannt, das Buch dennoch überraschend.

Ihre Schwester Fania Oz-Sulzberger erklärte im Namen der restlichen Familie, dass sie einen anderen Vater gekannt hätten. Einen warmen, freundlichen, aufmerksamen Vater voller Fürsorge. Die Beschuldigungen seien das komplette Gegenteil ihrer Erfahrungen. Galia habe vor sieben Jahren den Kontakt zur Familie abgebrochen. Man habe den Eindruck, der Schmerz der Schwester sei echt, aber man erinnere sich anders - völlig anders.

„Routine sadistischen Missbrauchs"

Das Buch "Something Disguised As Love" (übersetzt: Etwas, das sich als Liebe verkleidet) beginnt mit schweren Vorwürfen: "Mein Vater schlug, beschimpfte und erniedrigte mich in meiner Kindheit. Die Gewalt war kreativ: Er zerrte mich vom Innern des Hauses nach draußen. Er nannte mich Müll. Es war kein Kontrollverlust und nicht eine Ohrfeige ab und zu, sondern eine Routine sadistischen Missbrauchs. Mein Verbrechen war ich selbst, die Bestrafung hatte daher kein Ende. Er hatte das Bedürfnis sicherzugehen, dass ich breche."

Amos Oz, der Ende 2018 79-jährig an Krebs verstorben ist, hat Romane wie "Panther im Keller", "Mein Michael" oder "Black Box" geschrieben. Und einen der schönsten autobiografischen Romane der letzten Jahrzehnte: die "Geschichte von Liebe und Finsternis". Vehement trat er seit seiner Mitgründung der Peace-Now-Bewegung Ende der Siebzigerjahre für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ein. Über seine Kindheit, geprägt vom seelischen und körperlichen Untergang der Mutter (sie beging Selbstmord) – davon erzählt Oz in seinem 2002 erschienenen "Geschichte von Liebe und Finsternis".

(rovi)