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Untersuchung

Munchs „Schrei“: Der „Verrückte“ war der Maler selbst

Munch fürchtete - mit guten Gründen - um seine geistige Gesundheit.
Munch fürchtete - mit guten Gründen - um seine geistige Gesundheit.(c) REUTERS (Mike Segar)
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"Kan kun være malet af en gal Mand!", steht auf Norwegisch in der oberen linken Ecke des Bildes. Übersetzt: "Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!"

Viele Rätsel gibt es um "Der Schrei“, dem berühmten Bild von Edvard Munch. Wegen der Färbung des Himmels, die den Maler erschaudern ließ. Wegen der Datierung, wegen mysteriöser Flecken oder wegen des Schriftzuges - wie aktuell. Das norwegische Nationalmuseum in Oslo gab nun bekannt, dass ein kaum sichtbarer Satz auf dem Bild vom Künstler selbst geschrieben wurde. Jahrelang war über die Herkunft des kleinen Schriftzugs zwischen den roten Himmelsschwaden in der oberen linken Ecke des Gemäldes spekuliert worden.

"Kan kun være malet af en gal Mand!", steht auf Norwegisch in der oberen linken Ecke des "Schrei"-Originals - das heißt übersetzt: "Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!" Der Satz wurde per Bleistift auf die Farbe des Gemäldes geschrieben, nachdem Munch das Werk fertiggestellt hatte.

Munch fürchtete um seine geistige Gesundheit, davon erzählt auch der Hintergrund des Bildes: Eine Brücke, die eigentlich ein Pfad ist, gibt eine prekäre Verortung. Es ist der Blick von einer Anhöhe vor Oslo, wo sich nicht nur ein Schlachthof, sondern auch das psychiatrische Krankenhaus für Frauen befand. Hier war Munchs jüngere Schwester interniert. Die ältere Schwester war an Schwindsucht gestorben. Die Mutter an Tuberkulose, als Munch fünf war. Tod und Leid prägten die Familie – und Munchs Werk.

Handschrift und Ereignisse der Entstehungszeit

Über die Herkunft des Sätzchens wurde lange gerätselt. Es gäbe keine Zweifel, dass Munch selbst auf sein Werk gekritzelt hat, sagt Mai Britt Guleng, die die Inschrift mithilfe einer Infrarotkamera klarer sichtbar gemacht und die Handschrift analysiert hat. Wegen der  Handschrift an sich als auch Ereignisse der Entstehungszeit ließen nun keinen Zweifel daran, dass die Inschrift von Munch stamme, hieß es.

Bleibt die Frage, warum Munch sein Werk bekritzelt hat. Auch dazu hat Guleng eine Theorie. Das 1893 gemalte Werk wurde nach einigen internationalen Ausstellungen erstmals 1895 in Munchs Heimat Norwegen gezeigt – und evozierte vernichtende Kritiken. Die angstvoll, gar gespenstisch aufgerissene Fratze vor dem Hintergrund eines blutroten Himmels läutete den Expressionismus ein und hat unter anderem die Popkultur geprägt. Die Zeitgenossen nahmen es aber weniger freundlich auf. Man könne Munch nicht mehr als „seriösen Mann mit einem normalen Hirn“ betrachten, meinte damals etwa der Kritiker Henrik Grosch.

Guleng glaubt, dass er deshalb seinen „Schrei“ bekritzelte – „als ironischer Kommentar, aber zugleich auch als Ausdruck seiner Verletzlichkeit."

"Der Schrei" zählt zu den bekanntesten Motiven der Kunstgeschichte. Munch hat insgesamt vier Versionen davon gemalt, neben dem besagten Original zählt die spätere Version von 1910 zu den berühmtesten dieser Gemälde.

(red/Ag.)