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Todesfall

Knorr-Bremse- und Lufthansa-Großaktionär Thiele gestorben

Vorstandsvorsitzender Heinz Hermann Thiele (Knorr-Bremse AG) in einem Bremsprüfstand des Werkes in München.
Ein Bild aus dem Jahr 2002 - als Vorstandsvorsitzender posierte Heinz Hermann Thiele in einem Bremsprüfstand des Werkes in München.imago images/HRSchulz
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Der 79-jährige Selfmade-Milliardär Heinz Hermann Thielewar einer der reichsten Deutschen. Er machte seinen Arbeitgeber Knorr-Bremse zum Weltkonzern.

Der Mehrheitseigentümer des Bremsen-Herstellers Knorr-Bremse, Heinz Hermann Thiele, ist tot. Der 79-Jährige starb am Dienstag überraschend in München, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Der Self-Made-Milliardär, einer der reichsten Deutschen, hielt auch einen zweistelligen Anteil an der größten deutschen Fluggesellschaft und AUA-Mutter Lufthansa. Thiele hatte 1985 seinen Arbeitgeber Knorr-Bremse gekauft und als Vorstandschef zu einem Milliardenkonzern ausgebaut.

2018 brachte er das Unternehmen an die Börse. Erst im vergangenen Jahr war Thiele wieder in den Aufsichtsrat zurückgekehrt und fungierte als stellvertretender Vorsitzender. "Vorstand und Aufsichtsrat trauern um eine globale und visionäre Unternehmerpersönlichkeit, die die weltweite Schienen- und Nutzfahrzeugbranche über Jahrzehnte wegweisend geprägt hat", erklärte Knorr-Bremse. "Heinz Hermann Thiele hat sein ganzes Leben in den Dienst der Firma gestellt."

Zum Weltmarktführer ausgebaut

Der Self-Made-Milliardär, der bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begann, hatte seinen Arbeitgeber 1985 in der Krise übernommen und vom Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen ausgebaut. 2018 brachte Thiele den Milliarden-Konzern an die Börse und hielt auch nach dem Verkauf von Aktien für mehr als fünf Milliarden Euro zusammen mit seiner Tochter noch 59 Prozent der Anteile. Das "Manager Magazin" zählte ihn mit seiner Familie im vergangenen Herbst zu den acht reichsten Deutschen, mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro.

Erst im vergangenen Sommer war er nach einer Führungskrise nach vier Jahren als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat von Knorr-Bremse zurückgekehrt. Thiele hatte das Unternehmen bis 2007 im Stile eines Patriarchen geführt und auch danach als Aufsichtsratschef und Ehrenvorsitzender des Gremiums noch großen Einfluss aufs Geschäft genommen. Die Rettung der Lufthansa in der Corona-Krise machte Thiele im Sommer 2020 zur Zitterpartie, weil er sich als Großaktionär bis zum letzten Moment weigerte, die Bedingungen der Teilverstaatlichung zu akzeptieren. Thiele war erst in der Krise auf Schnäppchenjagd bei der Lufthansa eingestiegen. Mit zwölf Prozent der Anteile war er zuletzt nach dem Staat zweitgrößter Aktionär. Am Bahntechnik-Konzern Vossloh hielt Thiele die Mehrheit.

„Über Jahrzehnte wegweisend geprägt"

"Vorstand und Aufsichtsrat trauern um eine globale und visionäre Unternehmerpersönlichkeit, die die weltweite Schienen- und Nutzfahrzeugbranche über Jahrzehnte wegweisend geprägt hat", erklärte Knorr-Bremse. "Heinz Hermann Thiele hat sein ganzes Leben in den Dienst der Firma gestellt." Vorstandschefs hatten es nach ihm allerdings schwer. Klaus Deller warf 2019 kurz nach dem erfolgreichen Börsengang das Handtuch, gut ein Jahr später war für Bernd Eulitz Schluss. Zum Jahreswechsel übernahm der bisherige Siemens-Manager Jan Michael Mrosik den Chefposten.

Turbulenzen scheute Thiele nie. Dass es leicht zum Streit kommen konnte, wenn er seine Pläne durchsetzen wollte, nahm der Milliardär in Kauf. "Er hat seinen eigenen Kopf", sagte ein früherer Weggefährte im vergangenen Jahr. Der gebürtige Mainzer studierte in München Jura (Jus) und begann dann seine Karriere in der Patentabteilung von Knorr-Bremse. Als sich die Gesellschafter des Traditionsunternehmens zerstritten, übernahm Thiele nach und nach die Anteile. 2019 schrieb der Münchner Traditionskonzern mit 29.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 6,9 Milliarden Euro 632 Millionen Euro Gewinn.

Mit den Gewerkschaften lag Thiele seit jeher über Kreuz. Der Haustarifvertrag sieht gegenüber dem Flächentarif sieben Stunden Mehrarbeit in der Woche vor. Die Bedingungen in seinem Konzern seien hart für die Arbeitnehmer, sagte ein Kenner. Dank seines Erfolgs als Unternehmer seien Entlassungen aber selten.

(APA/Reuters)